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Daggis Leben - Notizen aus der Vorstadt

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Samstag, November 10, 2007

Kampf der Sonnendecks

Wer viel arbeitet, braucht auch viel Erholung. Daher gibt es nun einen (nicht ernst gemeinten) Wettbewerb unserer "Refugien" und deren Sonnendecks.

bildbeschreibung

Während wir den diesjährigen Sommer vor einer Woche im Piemont bei Stefan und Carina verabschiedet haben und dort nochmal ausgiebig Sonne tanken konnten, haben wir (dank Angebot von Condor) uns heute kurzfristig entschieden, auch unseren zweiten "Wohlfühlort" (Daggis erster Eindruck war Paradies) noch einmal zu besuchen und einen Flug nach Goa in die Villa Rivercat gebucht. So haben wir den direkten Vergleich. Das hat auch noch zwei positive Nebeneffekte: Wir fliehen vor dem Nieselwetter und vor dem Kölner Karneval in die Sonne.

bildbeschreibung

Jetzt muss der Februar nur noch kommen....

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Mittwoch, Mai 23, 2007

Indienbilder und Zooomr

Auf die Schnelle:
Leider gehen derzeit die Bilder bei Zoomr in den Indienberichten nicht. Ich hoffe aber immer noch, dass selbst nach der Umstellung dort die Links noch gültig sind.

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Montag, Mai 07, 2007

Wieder ab nach Hause
Freitag, 22. Dezember 2006

Da unser Flug über Dubai nach Düsseldorf sehr froh ging, mußten wir schon um 0.30 Uhr mit dem Taxi zum Flughafen, hatten aber dennoch vorher ein paar Stunden im Hotel geschlafen, um einigermaßen fit zu sein.

Der ausgesprochen bizarre Taxifahrer - ein alter Mann mit sehr langem Bart in einem alten, klapprigen Taxi - wartete pünktlich vor unserem Hotel. Unser Gepäck wurde liebevoll mit einer Schnur festgebunden, da sich der Kofferraum nicht mehr schließen ließ.

Am Flughafen wartete eine unglaublich lange Schlange auf uns, in die wir uns einreihten, ohne eigentlich zu wissen, worauf wir warten mußten. Schließlich saßen wir aber doch im Flugzeug.

Der Flug zurück war unspektakulär, alles verlief reibungslos inklusive Umsteigen in Dubai, wo wir leider nur ganz wenig Zeit zum Shoppen hatten.

Und was haben wir in Düsseldorf als allererstes gemacht als wir am Flughafen ankamen?

Zeitungen und Schokoriegel gekauft :-)

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Freitag, Mai 04, 2007

Letzter Tag in Indien
Donnerstag, 21. Dezember 2006

Auch heute standen wir wieder zeitig auf und waren daher bereits um 9.00 Uhr unterwegs. Auf das wirklich kaum empfehlenswerte Frühstück im Hotel hatten wir diesmal verzichtet und uns stattdessen von einem muffeligen Kellner ein paar Muffins für unterwegs einpacken lassen.

Der Colaba Causeway wurde um diese Uhrzeit erst langsam wach, viele Geschäfte hatten noch zu, so auch das Inshalla Mashalla, wo wir mal vorbeischauen wollten. So bummelten wir gemütlich weiter zum Taj und kauften dort Tickets für Elephanta Islands. Wir kauften extra Deluxe Tickets zu einem höheren Preis, da sie eine geführte Tour beinhalten sollten. Das sollte sich später aber als falsche Aussage herausstellen, denn anschließend machte keiner mehr einen Unterschied zwischen den verschiedenen Tickets. Ich muß ehrlich sagen, dass ich noch nie so oft das Gefühl hatte, so offensichlich übers Ohr gehauen zu werden wie in Mumbai, aber auch wenn dieser unangenehme Eindruck irgendwo im Hinterkopf blieb, wollte ich mich nicht ärgern. Die Beträge sind aus unserer Sicht ja doch sehr überschaubar.

bildbeschreibung

Die ca. 1-stündige Fahrt nach Elephanta Island in einem alten Kahn bei schönem Wetter war sehr beschaulich. In meinem gesamten Indienurlaub waren mir bewusst vielleicht so 10 deutsche Touristen über den Weg gelaufen. Als wir gerade auf dem Boot Platz genommen hatten und noch einen Blick auf das Gateway of India und das Taj warfen, hörten wir uns gegenüber eine männliche Stimme in breitestem Schwäbisch: ?Hannelore, willsch Du noch a Foddo macha??

Auf Elephanta Island angekommen fielen gleich wieder alle möglichen Händler und Verkäufer über uns her: Alte Frauen, die extra zerbeulte Blechtöpfe auf dem Kopf balancierten, um von uns gegen Geld fotografiert zu werden, zahlreiche Straßenhändler, die an ihren reichbestückten Verkaufsständen jede Menge Tand und Nippes verkaufen wollten, Kinder, die sich als Guide für die Insel anboten ... nur unser eigentlich schon bezahlter Guide war nirgends zu sehen. Die Strecke bis zum Eingang der Höhlen fährt eine kleine Bahn, die dabei einen Höllenlärm macht und kaum schneller ist als zu Fuß. Den Hinweg liefen wir, da die Bahn schon voll war. Überall konnte man kleine Snacks kaufen, gegrillte Maiskolben, Nüsse oder Zuckerrübensaft, aber darauf verzichteten wir lieber. Zu den Höhlen selber ging es noch gut 100 Stufen bergauf. Dass die Touristen hier automatisch langsamer wurden, hatten findige Verkäufer wieder für ihre Zwecke ausgenutzt: Dicht an dicht standen die Verkaufsstände die gesamten Treppen hinauf, hier wurde wieder alles verkauft, was man braucht oder auch nicht.

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Oben angekommen schauten wir uns die 2500 Jahre alten Höhlen an. Leider hatten die Portugiesen einige der Skulpturen zerstört, da sie sie als Ziele für ihre Schießübungen genutzt hatten. Aber es war trotzdem noch einiges zu erkennen. Erstaunlich, was man schon vor so vielen Jahren mit einfachstem Werkzeug gebaut hatte. Um die Inseln herum tummelten sich jede Menge Affen, zahlreiche Hunde und auch viele Touristen.

Zurück fuhren wir mit der Bahn, unter anderem um all die lästigen Verkäufer und insbesondere die alten Frauen mit ihren Blechtöpfen abzuschütteln. An der Ablegestelle angekommen erwischten wir auch direkt ein Boot und konnten ohne Pause zurück nach Mumbai fahren. Die Rückfahrt habe dann nicht nur ich fast vollständig verschlafen.

Wieder auf dem Festland angekommen, schauten wir kurz im Cottage Industrie Emporium vorbei, kauften ein paar Kleinigkeiten für die Familie zuhause und staunten über das umständliche und bürokratische Verfahren, nach dem man jeden einzelnen Gegenstand bezahlen muß: Zuerst bringt man den gewählten Artikel dem zuständigen Verkäufer (und davon gab es einige, so dass man erstmal den richtigen ausfindig machen mußte). Dieser stellt den 1. Beleg aus und schickt einen an die zuständige Kasse zum Bezahlen. Dort sitzt der nächste Inder und trägt genau in ein Buch ein, was man gekauft hat und was es kostet. Der Eintrag wird ordentlich gestempelt und signiert. Um die jeweiligen Posten säuberlich voneinander zu trennen, unterstreicht er das ganze mit einem großen Lineal. Beleg Nr. 2 wird ebenfalls sehr ordentlich mit dem Lineal vom Schreibblock abgetrennt und gegen Bezahlung dem Kunden ausgehändigt. Der gekaufte und schon bezahlte Artikel wird aber noch nicht herausgegeben, da er ja noch verpackt und abgehakt werden muß. Dazu geht man an die Ausgabestelle, an der Inder Nr. 3 Päckchen sortiert und gegen Rückgabe des Belegs Nr. 2 auch aushändigt. Vorher prüft er aber genau, ob Beleg und seine Liste bzw. der Vermerk auf dem Paket auch übereinstimmen. Anschließend wird das ausgehändigte Paket von der Liste abgehakt.

Da Daniel und ich bei zwei verschiedenen Verkäufern einkauften, durchliefen wir diese Prozedur übrigens zweimal...

Am Wellington Circle wollten wir im Restaurant Khyber ein kleines Mittagessen einnehmen, was dann aber doch deutlich größer ausfiel, da die Portionen sehr reichhaltig waren. Das Essen war ausgesprochen lecker, es gab noch ein letztes Mal PomFred für mich, diesmal die orientalische Variante mit Joghurt-Minz-Soße, für Daniel ein unglaublich zartes Hähnchen.

Anschließend schlenderten wir die Mahatma Ghandi Road entlang, nein eigentlich ist schlendern nicht der richtige Ausdruck, denn es ist doch automatisch mehr ein Hetzen und Eilen und Sich-zwischendurch-schieben, die Stadt ist doch unglaublich trubelig. Die Straßen waren gesäumt von winzigen Geschäften, Buchläden verkauften jede Menge Bücher auf engstem Raum, dazwischen sah man auch mal einen Blumen-, Friseur- oder Computerladen, dazwischen konnte man immer wieder verschiedenste kleine Snacks kaufen, auf der Straße wurden Nüsse in einem Topf mit Kohle geröstet oder Zuckerrohr zu Saft gepresst. Ich schwanke ständig, ob mir dieses Treiben wirklich gefiel oder mich doch eher nervte.

Im Strand Bookstore stöberten wir ausgiebig nach günstigen Büchern und nahmen einiges an englischer Reiselektüre mit, einige Zeit verbrachten wir außerdem in The Bombay Store, einem schönen Laden, der alle möglichen Souvenirs verkauft, aber auch nicht mehr wirklich billig ist.

Und weiter ging es Richtung Norden zum Victoria Terminus, da wir uns den schönen Bahnhof mal von der Nähe ansehen wollten. Hier waren wirklich Massen von Menschen unterwegs, die hier rein- und rauswuselten, es war kaum durchzukommen. Da wir uns von außen gar nicht richtig vorstellen konnten, dass hier wirklich ein Bahnhof ist, warfen wir auch einen kurzen Blick in den Bahnhof hinein. An und für sich ist Victoria Terminus ähnlich aufgebaut wie jeder andere Bahnhof, ein Kopfbahnhof, an dessen Ende sich einige kleine Läden befinden, die Snacks und andere Dinge verkaufen, die man möglicherweise für die Reise braucht. Aber das Treiben war wirklich atemberaubend und die unglaublich alten Züge sahen nicht gerade vertrauenerweckend aus.

bildbeschreibung

Gleich neben dem Bahnhof befindet sich das prächtige Rathaus. Das ganze Viertel besteht noch aus sehr schönen, alten Gebäuden im viktorianischen Stil, die zum Großteil auch noch wirklich gut erhalten sind.

Auf dem Rückweg zum Hotel schauten wir noch kurz im Inshalla Mashalla vorbei, aber dieser Laden mit seinen tausend verschiedenen Düften raubte mir bereits beim Betreten komplett den Atem. Wie soll man bei diesem betäubenden Duft noch irgendeinen Geruch erkennen geschweige denn den passenden für sich selbst herausfinden? Ich hatte das Gefühl, meine Nase sei schlimmer verstopft als bei der ärgsten Erkältung und daher verließen wir den Laden nach wenigen Minuten wieder, ohne etwas zu kaufen.

Danach merkte ich doch, dass mir Hitze, Gedränge und Lärm ziemlich zu schaffen machten, ich war ehrlich ziemlich genervt und wollte eigentlich zurück ins Hotel, aber irgendwie doch nicht, da es ja unser letzter Tag in Indien war. Aber wahrscheinlich ist es genau dieses Gefühl, was für Mumbai so typisch ist: Es macht einen fertig, aber irgendwie lässt einen die Stadt doch nicht ganz unberührt. Mit diesem Gefühl machte ich mich mit Daniel zum Koffer packen auf den Weg zurück ins Hotel.

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Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zooomr (auf den folgenden Seite weitere, ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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Montag, April 30, 2007

Ein 1. Eindruck vom Mumbai
Mittwoch, 20. Dezember 2006

Das Frühstück im Ascot Hotel war ausgesprochen karg und der Tisch sehr lieblos gedeckt, so dass wir uns mit kaltem Toast begnügten. Um 10 Uhr wartete ein Fahrer auf uns für eine Fahrt durch die Stadt. Nach der gestrigen Autofahrt ohne Klimaanlage war ich heute sehr froh, in einem klimatisierten Fahrzeug zu sitzen. Die Freude war allerdings nicht von allzu langer Dauer, denn offensichtlich hatte man nur die Wahl zwischen 40 oder 15° im Auto. Selbst auf mehrmaliges Bitten gegenüber dem Fahrer, die Klimaanlage herunterzudrehen, veränderte sich die Temperatur kaum, lediglich das Gebläse lies nach. Im Auto war es die ganze Fahrt über eisig kalt, allerdings hatte ich im Vergleich zu gestern heute wenigstens nicht das Gefühl, ich müsste sterben vor Hitze. Aber jedes Mal wenn ich aus dem Auto ausstieg, beschlug mir die Brille wie sonst nur wenn ich im Winter nach einem 15minütigen Fußmarsch ins Büro komme.

Während der Fahrt kamen wir auch am Victoria Terminus vorbei, einem sehr schönen, beeindruckenden Bau aus der Kolonialzeit. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass sich dahinter ein Bahnhof verbergen sollte.

Der Fahrer fuhr auch an den Dobi Ghats vorbei, aber leider konnte ich nicht allzuviel sehen, und es gab auch keine Möglichkeit zum Halten oder Aussteigen. So sahen wir auch Haji Ali?s Tomb leider nur im Vorbeifahren. Anschließend setzte uns der Fahrer bei den Hanging Gardens ab, einem Platz für Verliebte, die hier ganz offensichtlich auch in großer Zahl unterwegs waren. Hier befanden sich die einzigen Toiletten, für die wir während unseres Indienaufenthaltes etwas bezahlen mussten, aber leider waren es gleichzeit auch die ekligsten, die mir in der Zeit begegnet waren.

Im Vorbeigehen hörte ich sehr ulkige Geräusche aus einem Baum. Wegen des lauten Pfeifens dachte ich zuerst, das sei ein Vogel, doch plötzlich sah ich ein kleines Streifenhörnchen den Baum entlangklettern. Ich war ganz begeistert, ein Streifenhörnchen hatte ich ja noch nie gesehen, das mußte ich unbedingt fotografieren. Gesagt, getan. Später auf der andernen Seite des Parks sahen wir dann jede Menge der kleinen Nager, es wimmelte geradezu davon und zu überhören waren sie auch nicht. Nun gut, das wusste ich vorher ja noch nicht.

bildbeschreibung

Auf dem Weg zu den Hanging Gardens kamen wir auch an sehr schönen Wohngegenden vorbei, in dieser Stadt wohl eher eine Ausnahme. Bisher hatte ich nicht so den Eindruck, dass es wie bei uns gute und schlechte Gegenden gibt, sondern dass alles bunt zusammengemischt und daher für Touristen relativ schlecht zu orten ist, wo die guten und wo die schlechten Gegenden sind.

Als wir am Marine Drive entlangfuhren, konnten wir sehr schön die Sonne untergehen sehen. Eigentlich wollten wir zum Courtyard, aber unser Fahrer wollte uns unbedingt zu einem der zahlreichen Artshops fahren. Obwohl wir daran überhaupt nicht interessiert waren, hatten wir kaum eine Chance, seiner Aufforderung zu entgehen, ohne unhöflich zu werden. Auch er hatte für jedes Argument eine passende Antwort, so dass wir schließlich entnervt nachgaben. Immerhin konnten wir zum Courtyard auch zu Fuß laufen.

Der Courtyard war ganz chic mit teuren Geschäften, aber nichts Geeignetes für uns zum Einkaufen. Mittlerweile war es schon dunkel und wir wollten zurück zum Marine Drive, da der abends immer sehr hübsch beleuchtet ist. Für die Fahrt hatten wir wohl das älteste Taxi von ganz Mumbai erwischt, an jedem Speedbump knirschte und knarzte das Auto bedrohlich, aber schließlich erreichten wir dennoch unser Ziel. Der Marine Drive sah im Dunkeln mit seiner Beleuchtung wirklich sehr schön aus, wie eine Perlenkette, woher auch der Spitzname rührt, und ist ganz offensichtlich ein beliebter Treffpunkt. Wie mir A. erzählt hatte, sind Inder nicht gerne alleine unterwegs und so waren richtig viele Leute unterwegs, die entweder gemeinsam am Meer entlang spazierten oder auf der kleinen Steinmauer an der Promenade saßen und sich unterhielten.

Danach wollten wir mit einem Taxi zurück ins Hotel. Erstaunlicherweise weigerten sich die meisten Fahrer, die wir ansprachen, Richtung Garden Road zu fahren. Wir waren nicht sicher, ob sie einfach nicht wussten, wo das ist oder ob sie nicht in diese Richtung fahren wollten, weil die Strecke nicht weit genug ist oder weil dort kaum Touristen aufzutreiben sind. Schließlich fanden wir einen, der aber wieder einen zu hohen Touristenpreis verlangte. Alternativ wollte er uns kostenlos fahren, wenn wir dafür in einen von ihm gewählten Artshop gingen. Ansonsten würde sich die Fahrt für ihn nicht lohnen, da er leer wieder zurück fahren müsse. Darauf hatten wir nun gar keine Lust und beschlossen daher, zu Fuß zum Restaurant zu gehen. Zu Fuß laufen ist allerdings etwas, was die Inder offensichtlich nicht so mögen. Als wir uns Richtung Colaba Causeway durchfragten, erhielten wir immer wieder den Rat, doch ein Taxi zu nehmen, aber als wir klargemacht hatten, daß wir laufen wollten, waren alle immer sehr hilfsbereit, zur Not auch unter Zuhilfenahme weiterer Passanten. Oder man erkundigte sich ungefragt, ob man uns helfen könne, da wir wohl fremd hier seien. Meistens hatten wir gleich mehrere Leute um uns herumstehen, die versuchten, uns den richtigen Weg zu erklären.

Schließlich erreichten wir den Colaba Causeway und fanden dann auch schnell das gesuchte Restaurant, das Indigo, eine Art italienisches Restaurant mit leicht indischem Einschlag. Ein wirklich sehr schönes Restaurant, das auch gut besucht war, mit feinem Essen, allerdings auch nicht ganz billig. Nach dem guten Essen liefen wir auch noch die letzten Meter zurück ins Hotel. Am Causeway selber herrschte ebenfalls noch reges Treiben und heute fiel mir auch auf, dass viele Touristen unterwegs waren, auch noch um diese Uhrzeit.

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Montag, April 09, 2007

Vom Paradies ins Chaos
Dienstag, 19. Dezember 2006

Da wir heute vor dem Abflug nach Mumbai noch einen Abstecher nach Panjim machen wollten, hieß das morgens früh aufstehen. Nach einem kurzen Frühstück nochmal schnell den verspielten Hund gestreichelt, die letzten Sachen gepackt und ab ging es mit dem Taxi nach Panjim. Der Fahrer war recht redselig und fuhr extra unseretwegen eine Strecke durchs Hinterland, statt über den Highway, so dass wir noch ein wenig von Goa zu sehen bekamen. Der Abschied fiel mir wirklich schwer, hier wäre ich gerne noch länger geblieben.

In Panjim versuchten wir uns an einem kleinen 1-stündigen Stadtrundgang aus unserem Reiseführer, aber die Beschreibung war so schlecht, dass wir nach der Kirche und dem portugiesischen Viertel völlig die Orientierung verloren. Den Marutitempel konnten wir leider nicht mehr finden. Aber das was ich bis dahin vom portugiesischen Viertel gesehen hatte, gefiel mir wirklich gut, insbesondere die vielen kleinen Häuser im portugiesischen Stil, die zum Teil auch noch sehr gut erhalten waren.

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Anschließend bummelt wir noch kurz die 18. Straße entlang, gewissermaßen die Haupteinkaufsstraße von Panjim, aber mir war viel zu heiß und es nervte mich unheimlich, dass ständig jemand an mir herumzog und mir immer wieder Händler irgendwelche dämlichen Trommeln oder sonstigen Kram vor die Nase hielten , den ich weder brauchte noch haben wollte. So kauften wir nur noch ein paar Cashewnüsse und ein kleines Tuk Tuk für meinen autobegeisterten Neffen und anschließend machten wir uns auf den Weg zum Flughafen.

Das Einchecken mit allem Drum und Dran dauerte diesmal tatsächlich nicht länger als eine Viertelstunde, das war Rekord! Dann flog der Flieger auch noch 10 Minuten früher los ? waren wir wirklich in Indien? Ohne irgendwelche Zwischefälle kamen wir in Mumbai an und nahmen uns am Flughafen ein Taxi zum Hotel. Die Taxifahrt war eine meiner schlimmeren Autofahrten: Die Stadt war völlig verstopft und es war viel zu heiß, da wir dachten, wir bräuchten kein Auto mit Klimaanlage, was leider ein Trugschluß war. Unterwegs sahen wir viele Kinder auf den Straßen, die Bücher, Zeitschriften und anderen Kram durchs Autofenster verkaufen wollten. Schon aus diesem Grund empfiehlt es sich, ein Taxi mit Klimaanlage zu wählen. Da bleiben die Fenster nämlich zu und man hat während der Fahrt seine Ruhe.

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Nach der ca. 1,5 stündigen Autofahrt war ich völlig fertig vor lauter Hitze. Unser Hotelzimmer war noch nicht fertig, so dass wir noch einen kleinen Stadtbummel durch Mumbai unternahmen. Ständig wurden wir von Händlern oder bettelnden Frauen angesprochen, die uns zum Teil auch anfaßten oder uns an den Händen oder Ärmeln zogen. Das hasse ich ja wie die Pest, aber hier schien das normal zu sein. Wir wohnten am Colaba Causeway, einer ziemlich chaotischen Einkaufsstraße, überall fuhren Autos kreuz und quer, Bettler waren unterwegs, Straßenhändler an jeder Ecke und alle versuchten sie, mit den Touristen ihr Geld zu machen.

Nach wenigen Minuten zu Fuß standen wir vor dem Gateway of India, einem wirklich imposanten Gemäuer, von dem man einen schönen Blick aufs Meer hat. Direkt daneben liegt das Taj, ein sehr schönes Luxushotel. Ich fragte mich, ob mir Mumbai gefiel und ob ich mir vorstellen könnte in dieser Stadt zu wohnen. Die vielen Leute gingen mir schon nach ein paar Stunden auf die Nerven.

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Im Bookstore des Taj kauften wir noch ein paar sehr günstige indische Zeitschriften. Besonders freute ich mich über die kostenlosen Toiletten, die man auch benutzen konnte, ohne Gast des Hauses zu sein. Diesen Service lernte ich in Mumbai sehr schnell zu schätzen.

Abends wollten wir ins Trishna zum Essen, einem Restaurant, das in Mumbai für seine gute Fischküche bekannt war. Als wir das Hotel verließen, kam ein Junge direkt auf uns zugestürmt und bot uns seine Hilfe bei der Suche nach einem Taxi an. Da direkt vor uns eines der schwarzen Taxis stand, sahen wir zunächst wenig Nutzen in seiner Hilfe. Allerdings sprach der Taxifahrer kein Wort englisch, so dass der Junge immerhin unser gewünschtes Ziel übersetzen konnte. Noch bevor wir überhaupt auf die Idee kamen, ihm dafür ein Trinkgeld zu geben, streckte der Junge schon erwartungsvoll die Hand aus. Der Taxifahrer war nicht nur des Englischen nicht mächtig, er kannte auch das Restaurant Trishna nicht, so dass er eine vorbeilaufende Passantin nach dem Weg fragen musste. Der war das Trishna sehr wohl bekannt und bereitwillig erklärte sie dem Taxifahrer den Weg. Leider hatte dieser die Beschreibung aber nach zwei Straßenkreuzungen schon wieder vergessen und musste erneut fragen. Das ging insgesamt viermal so. Das Restaurant schien in Mumbai wirklich nicht unbekannt zu sein, denn jeder wusste sofort, wo es ist. Eine Passantin machte uns sofort darauf aufmerksam, dass es im Trishna sehr guten Fisch und tolle Meeresfrüche gäbe und wünschte uns einen schönen Abend. Jeder wußte, wohin wir wollten, nur unser Taxifahrer hatte keinen Plan. Zu Beginn der Fahrt dachten wir noch, wie clever es war, einen Festpreis von 100 Rupien mit dem Taxifahrer auszumachen. Zwei Euro schienen uns sehr günstig. Erst als wir auf dem umwegfreien Rückweg mit einem anderen Taxifahrer nur 50 Rupien bezahlen mussten (was wahrscheinlich auch noch Touristenpreis war), wurde uns klar, dass dieser unfähige Taxifahrer auf dem Hinweg auch noch ein richtiges Schnäppchen mit uns gemacht hatte.

Aber egal, das Essen im Trishna war wirklich exzellent und die Portionen so üppig, dass drei Leute davon satt geworden wären, wir konnten unmöglich alles aufessen. Zunächst dachte ich noch, dass es wirklich überflüssig war zu reservieren. Bei unserer Ankunft war das Restaurant völlig leer, wir fast die einzigen Gäste und auf jeden anwesenden Gast kamen ca. drei Kellner. Aber so gegen 20.00 Uhr wurde das Restaurant auf einen Schlag rappelvoll, da waren wir doch sehr froh über unsere Reservierung.

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Mittwoch, April 04, 2007

Ein fauler Tag im Siolim House
Montag, 18. Dezember 2006

Wirklich geglaubt hatte ich es vorher ja nicht, aber das Siolim House* bietet seinen Gästen tatsächlich kostenlosen Internetzugang. Und nicht nur ein schlappes Modem, sondern Breitbandinternet, so dass wir erst einmal ausgiebig mailen konnten. Ansonsten hatten wir diesen letzten Tag in Goa als Relaxtag geplant, den wir daher in erster Linie lesend am Pool verbrachten.

Vor unserer Reise nach Indien hatte ich sehr häufig den Hinweis erhalten, wir sollten bloß gut auf uns aufpassen, Indien sei gefährlich, dort gibt es wilde Tiere, exotische Krankheiten, keine Hygiene und alle hofften, dass wir wieder gesund nach Hause kommen. Nun gut, bisher hatte ich nicht das Gefühl, mir hätte auf unserer Rundreise wirklich etwas Schlimmes passieren können. Selbst der Blutegel im Treehouse war ja mehr eklig als gefährlich gewesen.

Als ich mich nun ganz gemütlich im Garten des Siolim House auf meinen Liegestuhl setzen, diesen aber vorher noch ein Stück weiter nach vorne in die Sonne schieben wollte, klemmte ich mir dabei so heftig die linke Hand ein, dass sie sich in wenigen Sekunden dunkelrot verfärbte und scheußlich wehtat. Das hätte mir in der Tat zuhause genauso passieren können.

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Aber davon mal abgesehen hatten wir einen sehr entspannten Tag am Pool, sonnten uns, lasen oder schwammen ab und zu ein paar Runden durch das kühle Wasser. Daniel vertrieb sich eine Weile die Zeit damit, den quirligen Haushund unermüdlich mit dem Ball quer durch den großen Garten zu jagen. Irgendwann war der Hund so platt, dass er sich kommentarlos zur Abkühlung in den Pool stürzte. Die Selbstverständlichkeit, mit der er das tat, sagte mir, dass das nicht sein erstes Mal gewesen war...

Abendessen gab es für uns an diesem Tag im Siolim. Dafür wurden für die anwesenden Gäste schön gedeckte Tische im Garten neben dem beleuchteten Pool aufgestellt und in dieser angenehmen Atmosphäre schmeckte uns das 3-Gänge-Menü gleich nochmal so gut.

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* Die Inder sagen übrigens Schiolim House, wobei man das erste i fast nicht hören kann.

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Montag, April 02, 2007

Abschied von der Villa, aber noch nicht von Goa
Sonntag, 17. Dezember 2006

Heute hieß es Abschied nehmen von Rinoo und der Villa Rivercat, aber bevor wir endgültig abfuhren, wollten wir noch einmal auf der Terrasse lunchen, da es wieder Garnelen gab. Bis zum Essen lagen wir faul auf der Terrasse, während uns Rinoo noch so einiges erzählte, auch von seiner Zeit in Finnland, von seiner Firma, seiner Tochter und dass er selber 'moody and lazy' sei. Man kann also trotzdem zu Geld kommen :-)



Nach dem Essen fuhren wir mit dem Taxi nach Siolim zum Siolim House, einem liebevoll restaurierten Hotel im alten portugiesischen Stil. Unser Zimmer war ein Traum, wunderschön und sehr groß mit einem tollen Bad, in dem 6 Treppenstufen zur Toilette hinaufführten wie zu einem Thron. Gegessen wurde immer draußen im grünen Innenhof, daneben befand sich ein Swimmingpool und zwei große Hunde gab es ebenfalls. Alles war ganz anders als bei Rinoo, aber uns gefiel es auch hier wirklich ausgezeichnet.



Nachmittags unternahmen wir einen kurzen Ausflug nach Alt Goa. Daniel war im Vorjahr schon mal dort gewesen und wollte mir die Stadt bzw. ihre Sehenswürdigkeiten zeigen.

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Alt Goa war beeindruckend, der gesamte Kirchenkomplex gehört zum Weltkulturerbe. Die alten, sehr gut erhaltenen portugiesischen Kirchen muteten mit ihrem Prunk und Protz zwischen all den Palmen und dem Dschungel drumherum sehr seltsam an. So bot uns Alt Goa ein völlig anderes Bild als wir es bisher von Indien bekommen hatten.

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An allen Ecken konnten wir erkennen, was der Monsun den Sommer über mit den Gebäuden anrichtet. Die Beschriftung vor den Kirchen waren bei Daniel Besuch im Vorjahr alle noch gut lesbar gewesen, während man jetzt nur noch Rudimente erkennen konnte. Diese wurden nun in akribischer Handarbeit wieder neu aufgemalt. Auch Rinoo hatte uns erzählt, dass er sein Haus jedes Jahr aufs Neue streichen muß.

Eigentlich wollten wir anschließend noch einen Abstecher nach Panjim unternehmen, hatten dabei aber vergessen, dass ja Sonntag war und die Geschäfte nicht offen hatten. Der Taxifahrer machte uns netterweise rechtzeitig darauf aufmerksam und so vertagten wir den Ausflug nach Panjim auf unseren Abflugtag nach Mumbai.

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Nun brauchten wir aber einen neuen Plan fürs Abendessen. Uns fiel wieder ein, was Rinoo zu Daniel gesagt hatte: 'Show your darling the Nilaya House' und genau das tat Daniel dann auch. Übernachten kann man im Nilaya als Normalverdiener leider wirklich nicht, die Zimmer kosten ca. 400 $ pro Nacht, aber ein Pineapple Juice und ein Abendessen bei schönem Sonnenuntergang war drin, also beschlossen wir, den Abend im Nilaya zu essen. Ein Taxi brachte uns den Berg hinauf zu diesem außergewöhnlichen Hotel mit seiner grandiosen Aussicht auf die Stadt und das Meer. Daniel hatte letztes Jahr schon einen Nachmittag hier verbracht. Diesmal kamen wir gerade noch rechtzeitig an, um einen wunderschönen Sonnenuntergang von oben zu betrachten. Die Atmosphäre war atemberaubend: Man hörte nur leise die Geräusche der Stadt, alles schien ganz weit weg zu sein, in der Ferne leuchtete das Meer, auf dem noch ein paar große Schiffe unterwegs waren und währenddessen ging am Horizont langsam die glutrote Sonne unter. Postkartenkitsch, aber trotzdem wunderschön. Ich freute mich schon unheimlich auf das Abendessen, zumal der Kellner bereits die Gänge angekündigt hatte: Blue Cheese Tortellini, Prawns with Couscous und icecream with strawberries. Obwohl ich das indische Essen wirklich jeden Tag genossen hatte und wirklich nur einmal etwas serviert bekam, was mir nur mäßig schmeckte, bin ich einfach ein absoluter Pastafan und freute mich daher nach der langen Abstinenz ganz besonders über die Tortellini. Das Essen war sehr, sehr lecker und mir gefiel dieses schöne Hotel ausgesprochen gut. Es war keineswegs protzig, sondern alles sehr geschmackvoll und ich konnte mir gut vorstellen, dass man hier mit dem nötigen Kleingeld ein paar erholsame Tage verbringen kann. Die Bungalows der Gäste waren gar nicht zu sehen, sondern völlig im Dschungel versteckt. Auch hier gab es Tiere, die sich aber ganz anders verhielten als Rinoos Zoo. Die Katze bettelte zwar auch, aber auf eine sehr vornehme, zurückhaltende Art und die beiden Rottweiler waren definitiv nicht zum Streicheln aufgelegt. Zum Essen hatte ich einen Rotwein, den ich zunächst geschmacklich überhaupt nicht einordnen konnte. Er schmeckte völlig anders als jeder Rotwein, den ich bisher getrunken hatte, deutlich herber und überhaupt nicht beerig. Auf meine Frage, was für ein Wein das sei, antwortete der Kellner nur 'Goawine'.

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Sonntag, April 01, 2007

Die Villa Rivercat

Normalerweise ist es Daggis Aufgabe, Reiseberichte zu bloggen - dieser Beitrag wurde mir überlassen/aufgetragen - obwohl ich schon einen Bericht über die Villa gebloggt habe. De facto soll nun eine ultimative Lobhudelei auf die Villa Rivercat kommen, einer von 2 Plätzen (neben der Cascina Grassi im Piemont), wo wir uns sofort "heimisch" fühlten.



Leckeres Essen, ein entspanter Gastgeber und vor allem ein sehr schönes, preiswertes, günstiges (!= billiges) Hotel in einer (noch nicht) überlaufenen Gegend Goas.

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Die Zimmer sind wie das ganze Haus wirklich geschmackvoll eingerichtet, das Essen imer lecker und frisch, mit tollen Rückzugs/Sitzmöglichkeiten im Garten, einer schönen Veranda und der Strand ist auch sehr nah.




Bitte vergesst den obigen Text. Der hat doch nur zur Folge, dass das Hotel überlaufen wird und wir da keinen Platz mehr bekommen, sollten wir nochmals nach Goa wollen. Also, sucht euch lieber eine Hütte am Strand, ohne Strom und mit Kakerlaken :-)

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Samstag, März 31, 2007

Mit dem Scooter durch Goa
Samstag, 16. Dezember 2006

Für den heutigen Tag hatte uns Rinoo einen Scooter organisiert, damit wir noch etwas vom Hinterland von Goa sehen konnten. Meine letzte Fahrt mit einem Scooter war in der Tat schon 16 Jahre her, ich hatte auch nicht unbedingt viel Übung im Fahren und schon gar nicht mit zusätzlichem Ballast in Form von Daniel hinter mir.



Aber immerhin war es ein Scooter mit Automatikschaltung, dass machte die Sache etwas einfacher. Trotzdem bewegten wir uns anfangs kaum schneller als ein Fußgänger, aber mit der Zeit bekam ich etwas mehr Übung und dann klappte es auch super. Es war ein Heidenspaß so querfeldein durch Goa zu fahren, völlig fernab von den Touristenzentren. Wir wollten zuerst nach Fort Terakol und anschließend zum Paradise Beach, Rinoo hatte uns die Strecke genau erklärt. Irgendwann trafen wir auf dem Weg dorthin überhaupt keine anderen Touristen mehr, sondern nur noch die einheimische Bevölkerung. Viele Leute, an denen wir vorbeifuhren, riefen hello und winkten uns zu, insbesondere die Kinder. Manche von ihnen liefen sogar ein Stückchen mit uns mit, riefen uns hinterher und lachten, wenn wir sie letztendlich doch abhängten. Es war ein völlig anderes Gefühl, hier auf diesen Straßen mit dem Scooter zu fahren als mit dem Auto.

Trotz Rinoos Wegbeschreibung mußten wir unterwegs öfter nach dem Weg fragen, was aber kein Problem war. Die meisten Inder verstanden uns und zeigten uns direkt die Richtung, in die wir fahren sollten. Nur Frauen ließen sich nicht ansprechen, sondern gingen einfach weiter. Ich fragte mich, ob sie uns nicht verstanden oder ob es ihnen unangenehm war, von Fremden angesprochen zu werden. Vielleicht gehörte es sich auch einfach nicht, daher hielten wir uns lieber wieder an die männliche Bevölkerung.

Das Hinterland von Goa ist wirklich bezaubernd und sieht ganz anders aus als alles, was wir bisher gesehen hatten. Die Landschaft ist sehr urtümlich, man sieht viele winzige Hütten und dazwischen immer wieder Seen und ab und zu im Vergleich zu Kerala sehr kleine Reisfelder. Manche Straßen waren in einem unglaublich schlechten Zustand, nicht nur unaspaltiert, sondern auch mit riesigen Schlaglöchern versehen. Hier war das Fahren mit dem Scooter wirklich kein Spaß und mit meinen Kontaktlinsen machte mir auch der Staub sehr zu schaffen. Aber die meiste Zeit empfand ich das Fahren unheimlich unbeschwert, was sicher auch daran lag, dass wir weder Helm noch Schutzkleidung trugen und es für uns auch keine wirklich erkennbaren Verkehrsregeln gab. Kein Vergleich zum Fahren in Deutschland.



Mit der Fähre setzten wir nach Fort Terekol über. Fort Terekol liegt ganz oben auf einem Berg, von dem man eine grandiose Aussicht auf das Meer hat. In dem Fort befindet sich auch ein schönes Hotel und laut Rinoo servieren sie dort tollen Icetea. Den haben wir allerdings nicht ausprobiert, wir wollten lieber zum Paradise Beach weiterfahren.

Nach mehrmaligem Nachfragen kamen wir auch endlich dort an, fast hatten wir schon nicht mehr damit gerechnet, den Strand wirklich zu finden. Im Nachhinein stellten wir fest, dass wir schon viel früher zum Meer hätten abbiegen können - offensichtlich hatten wir die Wegbeschreibungen der Inder nicht immer richtig verstanden. Der Strand ist unheimlich lang und völlig touristenfrei. Insgesamt war kaum eine Menschenseele an diesem Strand unterwegs, lediglich in der Ferne sahen wir ein paar Inderinnen mit ihren Kindern. Ich musste unwillkürlich an Maspalamos auf Gran Canaria denken. Was für ein Unterschied.

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Nachdem wir eine Weile die Ruhe und Einsamkeit am Paradise Beach genossen hatten, ging es weiter. Richtig viel Benzin hatten wir nicht im Tank und auch wenn Rinoo gesagt hatte, dass uns zwei Liter locker für den ganzen Tag ausreichen, war uns doch nicht ganz wohl, mit fast leerem Tank durch so weitab gelegene Gegenden zu fahren. So machten wir uns auf die Suche nach einer Tankstelle. Irgendwie mussten ja auch die ganzen anderen Motorräder, Scooter und Tuk Tuks an Benzin kommen. Eine Tankstelle konnten wir allerdings nirgendwo entdecken. Ein Mann, den wir daraufhin ansprachen, erklärte uns, dass der eine oder andere Laden in dem Dorf um die Ecke Benzin verkaufen würde. Also fragten wir uns durch und fuhren dabei mit unserem Scooter mitten durch die engen, mit Fußgängern, Tuk Tuks und anderen Zweirädern vollgestopften Straßen. Es war schon ein ungewöhnliches Gefühl, hier mitten durch zu fahren, aber alle Leute, mit denen wir sprachen, waren ausnahmslos freundlich und hilfsbereit. Schließlich hatten wir uns bis zu besagtem Laden durchgefragt, erkannt hätten wir ihn nicht, denn er sah nicht annähernd wie eine Tankstelle aus, genau gesagt noch nicht einmal wie ein Geschäft, in dem man überhaupt etwas einkaufen kann. Aber dort bekamen wir einen Liter Benzin aus einer Plastikflasche, der Inhalt sah aus wie Lipton Icetea, den uns der Verkäufer in den Tank füllte, 50 Rupien dafür und schon konnten wir weiterfahren, wieder zurück ins Hotel.

Anschließend wollten wir mit der Fähre wieder auf die andere Seite des Flusses übersetzen. Teilweise trafen wir an der Anlegestelle wieder die gleichen Leute wie auf der Hinfahrt. Schon auf der Hinfahrt war mir ein Scooterfahrer aufgefallen, der neben seinem Beifahrer noch zwei Hunde dabei hatte. Wie sich die Hunde dabei auf dem Scooter hielten, war mir ein Rätsel. Aber als wenn das noch nicht genug wäre, transportierte er auf dem Rückweg noch zwei zusammengebundene Schweine auf dem Trittbrett. Dieser Aufzug verursachte allerdings einigen Aufruhr bei den zahlreichen Hunden, die an der Fähranlegestelle herumstreunten. Mit wütendem Gebell rannten sie den Hang hinauf, um dort den Scooterfahrer abzufangen und ihm mit anhaltend wütendem Gebell hinterherzujagen.

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Wieder in der Villa angekommen, entschieden wir uns nach einer kurzen Pause, die Fahrt mit dem Scooter noch eine Weile fortzusetzen und unser Mittagessen im Restaurant La Plage einzunehmen. Rinoo hatte uns dieses französische Fischrestaurant mehrmals ans Herz gelegt und in der Tat war das Essen auch sehr gut. In zwei Wochen in Indien hatte ich bereits soviel Fisch gegessen wie in all den letzten Jahren nicht. Aber langsam gewöhnte ich mich daran, denn der Fisch war immer frisch und sehr lecker.

Nach einer kurzen Lesepause im Hotel packten wir schweren Herzens unsere Sachen zusammen. Abends wollten wir uns Ingos Nightmarket ansehen, der mich allerdings nicht sehr beeindruckt hat: Sehr viel touristischer Nepp mit deutlich überhöhten Preisen und sehr aufdringlichen Händlern.

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Am Eingang bot einer der Händler Daniel ein Holzsspiel an, das Daniel aber nicht brauchte. Nach mehrmaligem erfolglosen Anbieten hatte das auch der Händler verstanden und schwenkte daher kommentarlos auf seine Briefmarkensammlung um. Aber auch dafür zeigte Daniel kein Interesse, so dass der Händler letztendlich noch ein kleines Kamasutra hervorzog.

Diese Verkaufsstrategie hat mich schon fast wieder amüsiert.

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Mittwoch, März 21, 2007

Neue Gäste in der Villa Rivercat
Freitag, 15. Dezember 2006

Obwohl ich eigentlich kein Frühaufsteher bin, fand ich es immer ausgesprochen schön, von den ersten Sonnenstrahlen geweckt zu werden, die schon früh morgens durch die Fenster fielen.

Nach einem kurzen Strandspaziergang und einem kleinen Frühstück gingen wir zum Einkaufen in 'die Stadt' mit anschließendem Besuch des winzigen Internetcafés. Dort lernte ich DSL mal wieder ganz neu zu schätzen: Ist das Surfen im Internet sowieso schon ausgesprochen mühsam und zeitaufwändig, wenn insgesamt vier Rechner an einem Modem hängen, wurde die Geschwindigkeit nochmal drastisch gedrosselt durch einen döseligen Touristen, der unbedingt eine 5 MB-Datei herunterladen mußte, während noch zwei weitere Rechner belegt waren.

Einmal Mailabrufen und Mailschreiben dauerte so ganze 50 Minuten, aber immerhin konnten wir noch ein paar Mumbaitipps ausdrucken, die mir ein indischer Kollege zugeschickt hatte. Der angeschlossene Drucker erweckte zwar zunächst nicht unbedingt den Anschein, als wenn er zwei Seiten am Stück drucken könnte, aber schließlich klappte es doch.

Danach hielten wir wieder Siesta im Garten, die aber plötzlich durch penetrantes Fiepen gestört wurde. Während wir uns noch über die Herkunft dieses Fiepsens wunderten, tauchten neben uns auf einmal zwei winzige schwarze Hundeköpfe auf. Nach einigem Hin und Her hatten es die beiden Welpen auch geschafft, über eine niedrige Stelle des Gartenzauns zu klettern und begannen sofort, fröhlich durch den Garten zu tollen und alles in Beschlag zu nehmen.


Rinoo meinte, dass sicher jemand diese Welpen absichtlich direkt neben seinem Garten ausgesetzt hätte, da bekannt sei, dass es Tieren bei ihm gut geht. Auf unsere Frage, was denn nun mit den Welpen passieren würde, meinte er nur schlicht:
'Well, we`ll keep them.'
Als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Und Mary war schon mit Futterschälchen und Flohpulver unterwegs.


Am Abend kam noch ein Bekannter von Rinoo aus Dänemark mit seinem kleinen Sohn vorbei, der gerade eine 1 ½-jährige Weltreise mit seiner vierköpfigen Familie (Frau und 6-jährige Tochter) machte. Das fand ich schon sehr beeindruckend, meines Erachtens gehört dazu viel Mut. Aber insbesondere für die Kinder finde ich es eine großartige Erfahrung und fremde Nationen sind für sie damit nicht mehr fremd. Es war interessant, sich mit ihm zu unterhalten und der Abend war sehr kurzweilig, lediglich immer wieder mal von einem Powercut unterbrochen, so dass wir schließlich ganz gemütlich bei Kerzenlicht auf der Terrasse saßen und plauderten.

Von Rinoo erhielten wir noch ein paar Tipps für die Gestaltung unseres letzten Tages in der Villa Rivercat. Nachdem wir nun drei Tage lang grenzenlos gefaulenzt hatten, wollten wir an diesem Tag doch noch etwas unternehmen, obwohl es mir wirklich schwer fiel. Ich wollte jede Minute hier auskosten, es war einfach zu schön.

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Dienstag, März 20, 2007

Faulenzen nonstop
Donnerstag, 14. Dezember 2006

Früh bei Tagesanbruch wachte ich auf, ich hatte mich immer noch nicht der Zeitverschiebung angepaßt. Die indischen Gäste waren schon deutlich zu hören, ich hatte überhaupt keine Vorstellung, wie viele es überhaupt waren. Das Haus schien plötzlich voll mit Indern zu sein. Als wir uns zum Frühstück unten auf die kühle Terrasse setzten, meinte Rinoo:
'One more day indian family...'
Am Vortag war ich leider während der Abenddämmerung ziemlich von Mücken zerstochen worden, aber wenn man sich in dieser Zeit im Haus aufhält, halten sich auch die Mückenstiche in Grenzen.

Den Tag über lasen Daniel und ich wieder ausgiebig, während wir gemütlich in der Sonne saßen. Erst auf der Terrasse, danach im Garten, nachdem wir uns für einen der zahlreichen Liegeplätze entscheiden konnten. Der Tag war etwas windiger und zunächst nicht ganz so heiß, aber im Laufe des Tages legte die Sonne ordentlich zu. Zum Lunch gab es wieder frische Pancakes und Lemonpie und im Anschluß marschierten wir ca. 2,5 Stunden bei strahlendem Sonnenschein am Strand entlang nach Arambol.

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Bei unserem ausgiebigen Spaziergang beobachteten wir auch die zahlreichen kleinen und teilweise auch größeren Krebse, die sich am Strand tummelten. Einmal erspähten wir einen richtig großen Krebs, der reglos am Rand seines Sandlochs verharrte, solange wir ihn beobachteten. Ich war neugierig und wollte sehen, ob er in seinem Loch verschwindet oder davonläuft, wenn ich auf ihn zugehe. Daher machte ich einen forschen Schritt auf sein Loch zu. Blitzartig zückte der Krebs eine seiner zwei scharfen Scheren, was sehr beeindruckend aussah. Ich zog es vor, ihm lieber aus dem Weg zu gehen.

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Richtung Norden wurde der Strand immer belebter. Während bei uns vor dem Hotel praktisch kaum Leute am Strand unterwegs sind, tummelten sich im Norden jede Menge Touristen und damit auch aufdringliche Händler, die uns permanent etwas verkaufen wollten. Arambol fand ich furchtbar: Zu laut und zu voll, aber mir war es mittlerweile auch zu heiß, um mich durch die engen Straßen zwischen den dichtgedrängten Verkaufsständen hindurchzuzwängen. Trotzdem war es mir ein Rätsel, warum die Leute lieber hierher kamen als weiter nach Süden, wo der Strand viel leerer war. Nach den ruhigen, entspannten Tagen, die wir hinter uns hatten, waren mir das hier viel zu viele Leute.

Nach dem Strandspaziergang stürzten wir uns das erste Mal ins Meer. Es war wirklich herrlich, kaum eine Menschenseele lief bzw. schwamm uns über den Weg, die Wellen waren perfekt und das Wasser flach, angenehm warm, aber doch sehr erfrischend bei der Hitze.

Zum Abendessen hatte Rinoo frische Garnelen mitgebracht, so unglaublich lecker und geschmackvoll, wie ich sie noch kaum gegessen hatte. Hinterher bekamen wir noch etwas Gemüse extra, das Rinoo für die indischen Gäste hatte zubereiten lassen. Entsprechend scharf war es dann auch. Die Garnelen schmeckten nicht nur ausgezeichnet, sondern rochen auch sehr gut, was insbesondere bei den zahlreichen Katzen auf großes Interesse stieß. Nur mit Mühe und mehreren Bücherbarrieren konnten wir die verfressenen Tiere davon abhalten, während des Essens auf unseren Tisch zu klettern.

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Mittwoch, März 07, 2007

In der Villa Rivercat
Mittwoch, 13. Dezember 2006

Am frühen Morgen wurde ich von Meeresrauschen und Vogelzwitschern aufgeweckt. Es war noch nicht richtig hell, die Sonne ging gerade erst auf. Wir hatten ein wirklich schönes Zimmer im obersten Stock der Villa Rivercat, direkt vor der Balkontüre raschelten leise die Kokospalmen.


Nach einer endlich mal wieder ausgiebigen Dusche spazierten Daniel und ich ein wenig ums Haus herum und weiter ins Dorf*, kauften in dem kleinen Supermarkt Getränke ein und verschickten im nebenan gelegenen Internetcafé ein paar Mails an die Verwandschaft zuhause. Anschließend wanderten wir lange am Meer an einem schönen Sandstrand entlang, der im Hintergrund mit Kokospalmen gesäumt war. Dort waren viele winzige Krebse unterwegs, die ganz hektisch auseinanderspritzen, wenn man ihnen zu nahe kam. Der Sand war stellenweise wirklich mit kleinen Krebslöchern übersät und teilweise konnten wir sehen, wie sich die Krebse auch dichter am Wasser blitzschnell im Sand eingruben.


Rinoo hatte uns das nahegelegene Fischrestaurant 'La Plage' empfohlen, das wollten wir uns mal ansehen. Allerdings hatten wir nicht genügend Geld dabei und wegen eines Stromausfalls waren auch nicht alle Gerichte verfügbar (vielleicht waren in dem Moment auch nicht alle zu empfehlen). Rinoo hatte uns erzählt, dass einige seiner Gäste üble Lebensmittelvergiftungen inklusive Krankenhausaufenthalt gehabt hätten, da das Essen am Strand schlechter geworden sei. Gerade die billigen Stände benutzten häufig altes, schlechtes Öl, das Eis in den Getränken wäre aus Leitungswasser gemacht und der Fisch sei teilweise verdorben und ungenießbar. So verließen wir uns lieber auf Rinoos Empfehlungen, denn auf eine Lebensmittelvergiftung waren wir wirklich nicht scharf.

Die Sonne schien herrlich und mir fiel auf, dass einige ausländische Touristen mit kleinen Kindern unterwegs waren. Für Kinder mußte dieser Strand das reinste Paradies sein.

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Nachdem es nun mit dem Essen im 'La Plage' diesmal nicht geklappt hatte, gab es wieder ein leckeres, frisch zubereitetes Mittagessen in der Villa. Anschließend ging es ab in den Garten zum Lesen und Relaxen. Nachdem ich einige Mühe hatte, zwischen all den zur Verfügung stehenden Liegeplätzen den mir angenehmsten herauszufinden schlief ich letztendlich in der großen Hängematte tief und fest ein und fühlte mich anschließend deutlich fitter als vorher. Am frühen Abend beschlossen wir, uns den Sonnenuntergang vom Strand aus anzuschauen - ein wirklich schönes Schauspiel und ich genoß die ausgesprochen friedliche Stimmung hier.

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In der Villa Rivercat waren mittlerweile indische Gäste eingetroffen, die meiner Meinung nach hier gar nicht so recht hinpassten. Rinoo erzählte uns später, dass offensichtlich der Sohn übers Internet die Zimmer für die Familie gebucht hätte, aber alle etwas völlig anderes erwartet hätten. Rinoo schien sich darüber sehr zu amüsieren. Die Gäste wollten unbedingt Zimmer im 5. Stock, den es in der Villa aber gar nicht gibt. Rinoo erzählte uns auch, dass es Inder immer laut und hektisch haben möchten, doch dafür war die Villa natürlich der völlig falsche Ort. Die indischen Gäste wollten natürlich auch viel schärferes Essen, aber in der Villa Rivercat ist man da eher auf europäische Touristen eingestellt und kocht nicht so scharf. Da die Gäste auch eine gehbehinderte Frau ohne Beine dabei hatten, war der nicht vorhandene Fahrstuhl allerdings wirklich ein Problem. Die Frau hatte keinen Rollstuhl, sondern bewegte sich auf dem Boden mit den Armen vorwärts. Das war in der Tat ein sehr ungewöhnlicher Anblick, mir kam sie vor wie ein Hund. Zu allem Überfluß gab es im Gegensatz zu einem großen Ressort auch keinen Pool. Rinoo meinte:
'Das ist der Nachteil des Internets - man weiß nicht, wer da bucht.'
Abends gab es frischen Pomfret zum Dinner, der ausgezeichnet schmeckte und mit einer kleinen brennenden Kerze sehr hübsch dekoriert war. Zum Nachtisch gab es eine Art frittierte Bananen, die wir in ähnlicher Form schon auf dem Hausboot gegessen hatten. Nach dem Essen gesellte sich Rinoo zu uns und unterhielt sich eine ganze Weile mit uns. Ich war sehr angetan von diesem Mann, der genauso war wie ihn mir Daniel letztes Jahr bei seinem ersten Besuch geschildert hatte.

Schließlich gingen Daniel und ich auf unser Zimmer. Auf dem Schreibtisch stand ein kleiner Elefant aus Stein und daneben saß ein Frosch, der uns beiden bisher noch gar nicht aufgefallen war. Während Daniel überlegte, ob der Frosch echt sei, war ich mir sehr sicher, dass wir ihn bisher nur noch nie beachtet hatten. Immerhin stehen in der Villa ja allerhand Steinfiguren herum. Etwas verunsichert war ich aber doch, so dass ich den Frosch eine Weile beobachtete. Als er sich schließlich doch bewegte, war die Sache klar: Eine Steinfigur war das nicht. Mit einem echten Frosch wollten wir aber nur ungern das Zimmer teilen, also bat ich daraufhin Rinoo und Mary um Rat. Beide lachten und Mary kam uns mit einer Zeitung zu Hilfe. Aus sicherer Entfernung beobachtete Daniel unsere etwas ungeschickten Versuche, den Frosch mit einer Zeitung dingfest zu machen. Doch so leicht wollte der sich nicht einfangen lassen. Stattdessen warf er sich lieber Daniel mit einem beherzten Sprung an die Brust, worauf dieser erst einmal bis auf weiteres mental außer Gefecht gesetzt war. Nach noch ein paar weiteren wilden Sprüngen durch unser Zimmer gelang es Mary und mir schließlich, den an der Gardine hängenden Frosch aus dem Fenster zu schubsen. Mit einem gewagten Hechtsprung hopste dieser über das Balkongeländer, worauf Mary mit ihrem gediegenen britischen Akzent ganz trocken meinte:
'Goodbye froggy. I think you jumped a little bit too far.'
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* Dorf ist eigentlich schon zuviel für die Ansammlung von ein paar winzigen Geschäften und ein paar Hotels.

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Montag, Februar 19, 2007

Auf dem Weg ins Paradies
Dienstag, 12. Dezember 2006

Als mitten in der Nacht unser Weg klingelte, war der Generator noch nicht eingeschalten, so dass wir uns zunächst im Schein von Taschenlampen und Kerzen ankleiden mußten. Ich war ja noch ein wenig skeptisch, ob mit dem Fahren alles so klappen würde, wie wir es am Vortag mit dem Manager abgesprochen hatten und ob Sabu wirklich unten an der Straße auf uns warten würde. Aber pünktlich um 3.30 Uhr sprang der Generator an und alle fünf Mann des Hotels waren wach. Zwei von ihnen, um unser Gepäck zum Auto zu tragen, zwei um uns ins Tal zu fahren und der Manager selber, um uns zu verabschieden. Alles klappte reibungslos. Die Fahrt im Dunkeln ins Tal war wieder spektakulär und ich überlegte, ob diesmal bergrunter statt dem Getriebe vielleicht die Bremse versagen würde. Wir erreichten aber ohne irgendwelche Zwischenfälle um 4.30 Uhr die verabredete Stelle, wo der gute Sabu bereits auf uns wartete. Er war mindestens genauso müde wie wir und auch das Fahren im Dunkeln offensichtlich nicht gewohnt, was man seinem Fahrstil anmerken konnte. Er fuhr deutlich langsamer als sonst, die Hupe kam im Dunkeln allerdings genauso oft zum Einsatz wie tagsüber.

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Ich war überrascht, wie viel hier auf dem Land um diese frühe Uhrzeit schon los war. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass es überall noch dunkel und daher alles noch ganz ruhig ist. Aber es waren zahlreiche Busse und auch schon etliche Fußgänger unterwegs. Als wir nach langer Fahrt endlich den winzigen Flughafen von Calicut erreichten, war es bereits hell.

Am Flughafen wurde uns mitgeteilt, dass unser Gepäck nicht bis Goa durchgecheckt werden könne, sondern dass wir es in Mumbai abholen und noch mal neu einchecken müssten. Außerdem müssten wir dort vom internationalen zum nationalen Flughafen wechseln. So etwas Blödes war mir noch selten beim Fliegen passiert und dieser Umweg kostete uns natürlich deutlich mehr Zeit als geplant.

Einigermaßen pünktlich erreichten wir den internationalen Flughafen von Mumbai. Der Flughafen war aus meiner Sicht eine Katastrophe: Völlig unübersichtlich, es gab kaum vernünftige Wegbeschreibungen und die, die wir fanden, waren auch noch falsch. Zwar standen überall Securityleute herum, die die Passagiere weiterleiteten, aber das trug eher zum allgemeinen Durcheinander bei als das es half und daher wußten wir schließlich überhaupt nicht mehr, wo wir eigentlich hinsollten. So standen wir schließlich am entgegengesetzten Ende des Flughafens am völlig verkehrten Gepäckband und lediglich ein sehr wütend schimpfender Inder* machte uns mit seinem Gezeter gegenüber einem Flughafenmitarbeiter darauf aufmerksam, dass auch wir hier völlig falsch waren. Während uns langsam die Zeit davonlief, machten wir uns also eiligst auf zum entgegengesetzten Ende des Flughafens. Unser Gepäck stand bereits da, an dem kostenlosen Bustransfer zum nationalen Flughafen hatte sich allerdings schon eine lange Schlange gebildet.

Als der nächste Shuttle endlich eintraf, war der Bus voll bevor wir überhaupt einsteigen konnten, so dass wir weiter warten mussten. Als wir nach langem Warten doch noch endlich am richtigen Flughafen ankamen, flitzten wir sofort los, um Gepäckabgabe und Securitycheck zu erledigen, bis uns der Mann bei der Gepäckabgabe sagte, dass unser Flug sowieso eine Stunde Verspätung hätte. Aus der einen Stunde wurden schließlich vier, die wir somit auf dem Mumbaier Flughafen verbrachten. Aufgrund starken Nebels über Delhi hatten sämtliche Maschinen von und nach Delhi starke Verspätung bzw. konnten nicht starten oder landen.

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Die vier Stunden am Mumbaier Flughafen waren so ziemlich das Nervigste, was uns in diesem Urlaub passiert ist. Es war unglaublich laut, ein Geschrei und Gedränge, überall klingelten Mobiltelefone, die anderen Passagiere riefen durch die Gegend, fuchtelten und gestikulierten wild mit den Händen, Kinder schrien ohrenbetäubend, so dass ich mich kaum auf mein Buch konzentrieren konnte. Immerhin hatten wir zwei der knappen Sitzplätze im Wartesaal ergattert und mußten wenigstens nicht stehen oder auf dem schmutzigen Boden sitzen. Zwischendurch fiel immer wieder der Strom aus und die Anzeigetafel mit den Flugzeiten war für eine ganze Weile überhaupt nicht mehr funktionsfähig.

Richtig los ging das Gedränge, als gleichzeitig mit unserer Maschine der Securitycheck für zwei weitere Maschinen begann. Beim Securitycheck waren Frauen und Männer immer hübsch gedrängt und ich konnte es kaum fassen, wie rücksichtslos sich die indischen Frauen vordrängelten. Ich hatte schon Sorge, mir könnte mein Rucksack abhanden kommen, der den Securitycheck deutlich schneller passierte als ich.

Aber endlich saßen wir im Flugzeug nach Goa und konnten erleichtert aufatmen. Als wir in Goa ankamen, hatte ich den Eindruck, eine völlig andere Welt zu betreten. Auf dem Flughafen waren diesmal die nichtindischen Touristen deutlich in der Überzahl. Der Flughafen war klein und übersichtlich und während ich mit unserem Gepäck auf Daniel wartete, der ein Taxi organisieren wollte, erschien mir das Treiben um mich herum wie ein wildgewordener Hühnerhaufen. Der kleine Flughafenshuttle hatte vorne auf der Ablage eine Art Hausaltar liebevoll dekoriert mit Ganesha und Jesus in friedlicher Koexistenz neben einem glimmenden Räucherstäbchen, das das gesamte Taxi in eine esoterische Rauchwolke einhüllte.

Schon auf der etwa 1 ½ stündigen Fahrt zu unserem Hotel fiel mir auf, dass hier in Goa alles völlig anders war als Kerala. Auf den Straßen ging es deutlich trubeliger zu. Trotz der Dunkelheit herrschte überall noch lebhaftes Treiben und zahlreiche junge Leute waren noch mit Motorrädern oder -rollern unterwegs. In Kerala dagegen war es in der Regel mit Einbruch der Dunkelheit überall sehr still geworden. Landleben eben.

Nach der langen Reise war ich sehr froh, als wir endlich die Villa Rivercat erreichten, in der Daniel schon im Vorjahr ein paar schöne Tage verbracht hatte. Als ich das mit Lampions und Kerzen beleuchtete Haus inmitten lauter Kokospalmen betrat, kam ich mir vor wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Der Anblick war bezaubernd und die Villa erschien mir wie eine Oase der Ruhe und Entspannung. Von Rinoo, dem Hotelbesitzer, und seiner Lebensgefährtin Mary wurden wir sehr freundlich begrüßt.

Den Rest des Abends verbrachten wir auf der wunderschönen Terrasse bei Kerzenlicht, es gab noch ein leckeres Abendessen mit Apfel- und Zitronenquarkkuchen zum Nachtisch. Eine von Rinoos zahlreichen kleinen Katze war direkt neben uns nach einer ausgiebigen Katzenwäsche tief und fest eingeschlafen. Rinoo selber setzte sich später noch für einen Moment zu uns und erzählte von der dänischen Hochzeit, die er im Vorjahr in der Villa ausgerichtet hatte. Während wir uns unterhielten, streunten seine Hunde und Katzen zum ersten Kennenlernen an uns vorbei. Alles wirkte unheimlich friedlich und ruhig.

Erst spät gingen wir zu Bett. In der Nacht konnten wir das Meer hinter der Villa rauschen hören. Ab und zu bellte leise ein Hund.

Ich hatte das Gefühl, ich war im Paradies angekommen.

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* Übrigens der erste und einzige, den ich während unseres Urlaubs zu Gesicht bekam.

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Sonntag, Februar 18, 2007

Ein Tag im Green Magic Resort
Montag, 11. Dezember 2006

Die Geräuschkulisse nachts im Green Magic Resort war einfach unglaublich. Das Rauschen des Baches war ohrenbetäubend, dazu kamen noch die Zikaden, deren Zirpen schlagartig bei Tagesanbruch einsetzte, als hätte sie jemand mit einem Schalter aktiviert. Während Daniel noch fest schlief, hörte ich am frühen Morgen schon Affen kreischen, zahlreiche Vögel zwitschern und dazu noch die Geräusche anderer Tiere, die ich nicht kannte.

Ausgeschlafen und bei Tageslicht sah am nächsten Tag alles schon wieder ganz anders aus als am Abend davor. Die Sonne schien, der Bach rauschte, die Vögel zwitscherten und ich hatte trotz der Kälte einigermaßen gut geschlafen.

Die Lage des Resorts war einmalig, grün soweit das Auge reichte, fernab von jeglicher Zivilisation. Andere Häuser oder gar ein Dorf waren weit und breit nicht zu sehen. Stattdessen konnten wir Giant Squirrels beobachten, die von Baum zu Baum hüpften. Der Himmel war strahlend blau und das Personal sehr freundlich.

Aber nichtsdestotrotz - ich bin ein verweichlichter Städter und freute mich daher sehr über die beiden amerikanischen Touristen aus Philadelphia. Mir schienen Tara und Mike in diesem Moment Gleichgesinnte, vielleicht sogar Leidensgenossen, mit denen ich mein mulmiges Gefühl teilen wollte, das mich seit unserer Ankunft am Vortag nicht gänzlich verlassen hatte. Oder von denen ich mir einfach nur Verständnis erhoffte. Hätten die Bus- und Taxifahrer nicht gestreikt, wären die Zwei schon einen Tag früher abgereist. Sie bewohnten das 2. Baumhaus, ca. 10 Minuten Fußmarsch vom Haupthaus entfernt. Als ich sie fragte, ob man die Strecke zu Fuß laufen könnte, bejahten sie das. Man müsse nur gut aufpassen wegen der vielen Blutegel, die im Gras unterwegs seien, und unbedingt feste Schuhe tragen. Tara erzählte uns außerdem, dass sie bereits ein Blutegel am Knie erwischt hätte.

Wie eklig!

Während Tara erzählte und uns ihren Biß zeigte, erblickte ich einen dicken Blutegel, der langsam und schwerfällig direkt vor mir über die Terrasse robbte und dachte so bei mir:
Der ist aber ganz schön fett...!
Just in dem Moment bemerkte ich meinen blutenden Fuß und stellte mit blankem Entsetzen fest, dass sich dieses wiederliche Vieh offensichtlich an meinem Zeh verköstigt hatte. Ich dachte in dem Moment nicht daran, dass sich mein Fuß vielleicht irgendwie entzünden könnte, es tat auch nicht weh, im Gegenteil, ich hatte von dem Biß überhaupt nichts mitbekommen. Aber ich fand die Tatsache so unglaublich ekelhaft, dass sich ein Blutegel an meinem Zeh festgesaugt und dass ich das noch nicht einmal bemerkt hatte. Meine Stimmung sank wieder rapide in den Keller. In diesem Moment wollte ich nur noch nach Hause in mein warmes, kuscheliges Bett, um mir dort die Decke über den Kopf zu ziehen.

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Stattdessen saß ich im indischen Niemandsland mit einem blutenden Fuß und einem betrunkenen Blutegel, der gemächlich davontorkelte, bis ihn Daniel von der Veranda kickte. Aber Tara beruhigte mich, ein solcher Biß sei gar nicht schlimm, sondern einfach nur eklig. Und allein die Tatsache, dass sie und ihr Mann (immerhin ein Arzt) genauso paranoid reagierten wie wir, beruhigte mich wieder ein wenig. Ich hatte das Gefühl, dass wenigstens die beiden nachvollziehen konnten, wie es mir ging. Mir fehlte vielleicht nur ein wenig die amerikanische Leichtigkeit.

Für eine Nacht hatte auch ein Mitarbeiter eines indischen Reiseveranstalters aus Mumbai im Baumhaus übernachtet (das wir ja gekündigt hatten, sonst hätte er über uns im 2. Stock schlafen müssen). Der Hotelmanager wollte ihm die gesamte Anlage zeigen und nahm uns und die beiden Amerikaner gleich mit. Die Anlage war deutlich größer als ich gedacht hatte. Es gehörten noch mehrere sehr hübsche Häuschen dazu, allerdings schien allem hier die Feuchtigkeit des Dschungels ziemlich zu schaffen zu machen. Von einem der Häuschen hatte man eine geradezu grandiose Sicht ins Tal. Diese Seite des Hauses bestand aus einer riesigen Fensterfront, die sich vollständig öffnen ließ. So bot sich einem ein herrlicher Blick hinab ins Tal und der Dschungel lag direkt vor der Tür.

Wir fuhren den Vormittag über alle zusammen mit dem Jeep über die holprige Straße von Haus zu Haus und ich fand es sehr angenehm und amüsant, in der Zeit mit den Amerikanern zu plaudern, die von ähnlichen Erlebnissen berichteten wie wir. Die Landschaft war atemberaubend, wir sahen einen Stsmm wilder Bienen, Orchideen wuchsen wie Unkraut einfach so am Baum. Es war kaum zu glauben, wenn man nur daran denkt, wie sie bei uns gehätschelt werden müssen, damit sie blühen.

Vorsorglich hatten wir uns für diesen Ausflug wegen der vielen Blutegel eigene Anti-Leech-Socken gebastelt.

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Zum Schluß wollten Tara und Mike uns und dem Mann von der Reiseagentur noch das Baumhaus zeigen, in dem sie übernachtet hatten. Ich war mir nachher nicht sicher, was ich wirklich schlimmer gefunden hätte: Unseren Lift, auf den wir nur bedingt Einfluß hatten oder die schaukelnde Hängebrücke, die zu dem 2. Baumhaus führte und die man natürlich auch im Stockfinstern überqueren mußte. Dieses Baumhaus war noch deutlich abgeschiedener als unseres, bei dem ich trotzdem schon das Gefühl gehabt hatte, wir seien ganz allein auf der Welt. Die beiden Amerikaner beschlossen ebenfalls, die letzte Nacht in einem der Häuschen am Boden zu verbringen und hofften, dass am nächsten Tag auch der Streik wieder vorbei sein würde.

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Den Rest des Tages verbrachten wir in erster Linie lesend auf der Veranda. Der Ausblick, den wir dabei in das grüne Tal hatten, war unheimlich schön. Abends veranstalteten unsere Gastgeber für uns vier Gäste ein Candlelightdinner auf der Veranda, bei dem alle elektrischen Lichter ausgeschaltet und stattdessen jede Menge Kerzen und Öllampen auf der gesamten Veranda verteilt wurden. So wurde es ein wirklich schöner Abend, an dem wir uns sehr nett mit den Amerikanern unterhalten konnten. Die beiden entsprachen übrigens überhaupt nicht den Klischeeamerikanern, die ich bisher in der Regel kennengelernt hatte, aber die trifft man wahrscheinlich auch nicht unbedingt im indischen Dschungel.

Da wir sehr früh in der Nacht aufstehen mussten, um in Calicut unseren Flug zu erreichen (3.30 Uhr), gingen Daniel und ich recht zeitig zu Bett und verbrachten eine weitere Nacht in klammen Laken.

Letztendlich kam ich für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass mir der Tag im Green Magic Resort sehr gut gefallen hatte, die beiden Nächte allerdings weniger. Insgesamt war es eine interessante Erfahrung für mich und ich würde das Resort auch durchaus weiterempfehlen. Allerdings denke ich auch, dass man etwas besser vorbereitet sein sollte, als wir das waren und in etwa wissen sollte, was einen hier erwartet.

Denn ein normales Hotel ist das Green Magic Resort ganz sicher nicht.

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Montag, Januar 29, 2007

Im Baumhaus oder Wie hoch sind eigentlich 20 Meter?
Sonntag, 10. Dezember 2007

Als wir mit dem ausgetauschten Jeep endlich im Green Magic Resort in Vythiri ankamen, verschlug es mir beim Anblick des Baumhauses erst einmal die Sprache. Aus der Nähe sah es doch deutlich zusammengeschusterter aus als ich gedacht hatte. Davon mal abgesehen wurde mir erst jetzt richtig bewusst, wie hoch 20 Meter wirklich sind. Der kleine Lift zum Baumhaus schaukelte friedlich im Abendlicht und ich fühlte mich zum ersten Mal an diesem Tag wirklich unbehaglich.

bildbeschreibung

Ein Seitenblick auf Daniel zeigte mir, dass es ihm nicht anders ging.

Zwei Mann zogen uns die 20 Meter nach oben, mit einer zweiten Fuhre folgte unser Gepäck. Oben angekommen, schauten wir uns ein wenig ratlos an und begannen dann sehr vorsichtig, das Baumhaus genauer zu erkunden. Ich habe wirklich noch nie unter Höhenangst gelitten und mir wird auch normalerweise nicht schwindelig, wenn ich aus großer Höhe nach unten schaue. Aber dieses Baumhaus war doch noch ganz anders. Es gab insgesamt drei Stockwerke. Unten befand sich auf einer großzügigen Plattform in der Mitte ein Schlafraum, an den das Badezimmer grenzte. Drumherum gab es eine Art Veranda mit Sitzgelegenheit. Alles war offen, lediglich das Schlafzimmer war mit Wänden abgetrennt und hatte eine Tür. Die Dusche befand sich quasi direkt im Freien, was ja eigentlich auch gar nicht schlimm gewesen wäre, wenn es dahinter nicht 20 Meter abwärts gegangen wäre. Im 2. Stock befand sich ein weiteres Schlafzimmer mit Badezimmer und darüber noch eine winzige Sitzecke. Daniel ging gar nicht erst nach oben. Ich schaute mir noch das zweite Zimmer an und warf einen Blick in den 3. Stock, danach war es beschlossene Sache, dass wir dort auf keinen Fall schlafen würden. Die winzige Wendeltreppe war abenteuerlich und bei jedem Schritt bogen sich die Bodenplatten bedenklich durch. Außerdem hatte sich Daniel schon an der deutlich größeren Wendeltreppe auf dem Hausboot den Kopf blutig geschlagen.

bildbeschreibung

Im Baumhaus gab es elektrisches Licht, allerdings wurde der Generator dafür erst um 18.00 Uhr an- und gegen später wieder abgestellt. Für die Zeit dazwischen gab es entweder Tageslicht oder Kerzen. Um 20.00 Uhr wollte man uns wieder zum Essen herunterholen. Auf meine Frage, wie wir uns denn bemerkbar machen könnten, erklärte uns der Hotelmanager, wir sollten einfach laut rufen.

Mit sehr mulmigem Gefühl saßen Daniel und ich nun da oben in unserem Baumhaus und überlegten, was wir tun sollten. Wir waren uns beide nicht sicher, ob uns das alles so richtig gefiel. Um uns herum war es stockfinster, lediglich die Terrasse mit der Küche 20 Meter unter uns war spärlich beleuchtet. Langsam begannen sich auch immer mehr Insekten für uns zu interessieren, dazu wurde es richtig kalt, so dass ich sehr froh war über meine Winterjacke, die ich auf der Fahrt zum Düsseldorfer Flughafen getragen hatte.

Nach zwei sehr langen Stunden war Essenszeit, allerdings schien sich unten nichts zu rühren. Aber lautes Rufen sollte ja ausreichen. Also rief ich. Erst laut. Dann lauter. Ich war müde, kaputt, ich hatte ein ausgesprochen flaues Gefühl im Magen, dazu all die Insekten um mich herum . Ich wollte einfach nur noch festen Boden unter den Füßen haben. Auf meine ersten Rufe konnte ich überhaupt keine Reaktion auf der Veranda erkennen. Vermutlich wurde jedes Geräusch vom lauten Rauschen des Baches geschluckt. Nach immer lauterem Rufen - ich klang schon deutlich gereizter - antwortete mir unten jemand, allerdings konnte ich praktisch nichts verstehen. Und erst recht konnte ich nicht erkennen, ob sich jemand in Richtung Lift bewegte.

bildbeschreibung

Richtig Panik bekamen Daniel und ich, als wir nun vor dem wenig vertrauenerweckenden Lift standen und beide nicht wußten, ob da unten wirklich jemand war, der uns herunterlassen bzw. den Lift halten würde. Spätestens in dem Moment war uns wohl klar, dass wir nicht im Baumhaus übernachten konnten. Selbst als ich ein Rucken an dem Liftseil bemerkte, war ich nicht hundertprozentig sicher, ob da jemand an dem Seil zog, um auf sich aufmerksam zu machen, oder ob es lediglich der Wind war, der das Seil in Bewegung versetzte. Ein wirklich unangenehmes Gefühl und der Gedanke an die 20 Meter abwärts machte es nicht besser.

Als wir endlich unten waren, fragten wir den Manager, ob wir das Treehouse gegen ein normales Zimmer eintauschen könnten. Zum Glück war das kein Problem und insgeheim vermutete ich, dass wir nicht die ersten Gäste waren, die sich ein wenig überschätzt hatten. Auf jeden Fall waren wir beide wirklich sehr erleichtert. Richtig aufatmen konnten wir aber erst, als wir nach dem sehr leckeren Essen auf der Veranda mit unserem Gepäck das neue Appartment betraten.

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Freitag, Januar 26, 2007

Mit dem Bähnchen Mit dem Auto nach Ooty
Sonntag, 10. Dezember 2006

Um 7.00 Uhr machten wir uns mit Sabu auf den Weg nach Ooty. Unser Weg führte uns wieder durch wunderschöne Landschaft, die Straßen gingen steil bergauf, aber trotzdem fuhren die Busse in einem mörderischen Tempo.

ooty

Das war wirklich noch viel schlimmer als in Italien. Vor jeder Kurve wird einfach langanhaltend gehupt, ob man etwas sehen kann oder nicht und ein Bus wird trotzdem überholt. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie der Verkehr in Indien funktioniert, aber in Teilen ist es wohl mehr ein Miteinander als ich das von Deutschland kenne. Will man beispielsweise einen Bus oder LKW überholen, gibt der Busfahrer Handzeichen, ob man fahren kann oder nicht. Kommt ein überholendes Auto in Bedrängnis, da unerwarteter Gegenverkehr auftaucht, hält nicht etwa der Überholende, sondern die beiden anderen Fahrzeuge bremsen ab, damit der Überholvorgang durchgeführt werden kann. Gehupt wird in der Regel nicht (meine ich zumindest), um dem anderen zu signalisieren, wie beschissen sein Fahrstil ist, sondern um jemanden zu warnen oder einen Überholvorgang anzukündigen. An Bussen und LKWs sieht man sehr häufig auch ein Schild Sound horn, da die Fahrer selten in den Rückspiegel oder anderweitig nach hinten schauen.

Sound horn

Und es schert sich auch keiner darum, wenn man mit einem 10-cm-breiten Abstand an ihm vorbeipfeift, das gehört hier dazu. Ich wäre als Fahrer schon längst einem Herzinfarkt nahegewesen und zog es daher vor, gar nicht weiter nach vorne zu schauen, sondern lieber die Landschaft zu genießen.

bildbeschreibung

In Indien wird ja überlicherweise alles mit Manpower erledigt, da das günstiger ist als viel Technik. So sahen wir zum Beispiel einmal an einer Mautstelle, wie man gleich drei Personen beschäftigen kann: Einer händigte den Passierschein aus, einer kassierte und einer hielt das Stoppschild hoch, bis der Autofahrer bezahlt hatte. Aus meiner Sicht wären auch zum Fahren zwei Personen optimal gewesen: Einer der lenkt (und dabei gelegentlich noch telefoniert) und einer der die Hupe betätigt.


Während der Fahrt nach Ooty teilte uns Sabu mit, dass wir mit dem Auto nicht über die Mainroad fahren konnten, da auch hier eine Brücke eingestürzt war. Sabu wusste aber zum Glück noch einen anderen Weg und konnte uns auf dieser Strecke wieder einiges zeigen, unter anderem die vielen Affen, die sich immer wieder am Straßenrand tummelten.

bildbeschreibung

In einem kleinen Ort machten wir einen kurzen Zwischenstopp, damit Sabu frühstücken konnte. Wir schlenderten in der Zwischenzeit über den kleinen Markt und kauften für Tobi einen kitschigen Jesuskalender sowie etwas Tee.

Als wir schließlich in Ooty ankamen, war es dort schon ein wenig kühler. Ooty liegt ca. 2200 m hoch, war aber trotzdem noch ohne Jacke gut auszuhalten, zumindest solange die Sonne schien. Nicht ohne Grund war Ooty früher Sommerfrische der Briten. Deren Einfluß war in Teilen auch noch gut erkennbar, z. B. im Botanischen Garten, der sehr hübsch an einem Hang angelegt war. Für Inder war das natürlich etwas Besonderes, daher waren auch nicht wenige indische Touristen unterwegs. Für uns wirkte der Garten dagegen sehr vertraut mit seinen italienischen Gärten, den Geranien und dem gepflegten Rasen. Direkt neben dem Botanischen Garten befand sich ein tibetanischer Markt, auf dem Sabu ein knallbuntes Kuscheltier erstanden hatte. Den zeigte er uns auch gleich ganz stolz und er erzählte uns von seinem kleinen Sohn, für den das Spielzeug gedacht war. In Ooty gab es auch noch einen großen See mit einem kleinen Vergnügungspark davor, hier konnte man Boote mieten und Karusell fahren, außerdem gab es daneben mehrere Essstände, an denen Süßigkeiten und Eis verkauft wurden. Die Karusells sahen wenig vertrauenerweckend aus, aber das schien außer uns niemanden zu stören.

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Hinter Ooty war die Straße wirklich abenteuerlich und Sabu hangelte sich von Schlagloch zu Schlagloch. Da reichte selbst Schlangenlinienfahren nicht aus. Zum ersten Mal hörten wir Sabu beim Fahren leise fluchen. Uns fiel auch auf, wie er während der Fahrt immer wieder an ein kleines Kreuz faßte, dass an einem Rosenkranz am Rückspiegel hing. Anschließend bekreuzigte er sich jedesmal. Ab dem 2. Tag berührte er anschließend auch noch immer das Armaturenbrett, für uns ein recht merkwürdiges Ritual, das wir bis zum Ende unserer Reise nicht ganz durchschaut hatten. Allerdings gab es während unserer gemeinsamen Fahrt durchaus verschiedene Situationen, bei denen auch ich ganz gerne mal das Kreuz berührt hätte.

Unser Weg führte uns wieder durch wunderschöne Teeplantagen hindurch, die oft von wildem Pfeffer unterbrochen wurden. Die Landschaft war wirklich ein Traum und der Kontrast, den die leuchtend rote Erde zu all der grünen Pracht bildete, war einfach nur herrlich, so dass ich die meiste Zeit damit beschäftigt war, aus dem Fenster zu schauen und zu staunen (oder ab und zu ein Nickerchen zu machen). Zwischendurch fuhren wir noch mal durch ein Wildresort, nur leider sahen wir auch hier keine Elefanten, aber immerhin Rehe direkt neben unserem Auto, verschiedenste Affen, Giant Squirrels und Schlangenhäuser. Sabu zeigte uns außerdem Everlasting Flowers, die ewig blühen und außerdem eine Blume, die nur etwa alle 12 Jahre blüht. Er passte immer ganz genau auf, damit er uns das alles zeigen konnte.

Etwa drei Stunden dauerte die Fahrt bis wir an der Stelle ankamen, an der uns ein Jeep vom Green Magic Resort abholen und in einer 30-minütigen Fahrt quer durch den Dschungel zum Treehouse bringen sollte.

bildbeschreibung

Sabu hatte ab jetzt frei, bis er uns in der Nacht auf Dienstag zum Flughafen bringen musste. Die Übergabe klappte auch reibungslos, aber die Fahrt zum Treehouse war wirklich abenteuerlich. Mittlerweile war es nach 17.00 Uhr und ich hatte schon Sorge, daß wir die Strecke im Dunkeln fahren müssten. Der Weg war teilweise sehr steil und unheimlich holprig und führte immer wieder über wenig vertrauenerweckende Holzbrückchen, die einfach nur wie quergelegte Holzpaletten aussahen und über die wir mit dem schweren Jeep fahren mußten. Aber dem Fahrer und seinem Begleiter war das ganze offensichtlich vertraut.
'Die kennen das und auch der Jeep ist hier sicher schon 1000 mal hochgefahren.'
So dachte ich mir das. Aber 1001 mal ist eben doch einmal zuviel. An einem besonders steilen Stück sprang der Gang heraus, so dass der Fahrer den Jeep ein sehr langes Stück zurückrollen lassen musste, um wieder anfahren zu können. Danach wollte allerdings der 1. Gang nicht mehr so richtig, so dass ab sofort der Beifahrer den Job erhielt, die Gangschaltung gut festzuhalten. Es dauerte danach aber nicht mehr allzu lange, bis das Getriebe ganz schauerliche Geräusche von sich gab, die irgendwann auch die beiden Inder nicht mehr ignorieren konnten. Dieser Jeep war nicht mehr fahrtauglich - zumindest nicht mehr bergauf. So wurde er kurzerhand mit einem von oben entgegenkommenden Jeep des Resorts ausgetauscht, der abreisende Gäste nach unten bringen sollte.

bildbeschreibung

Runterfahren konnte unser Jeep ja noch. Dazu braucht es schließlich nur funktionierende Bremsen.

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Sonntag, Januar 14, 2007

Mit dem Auto nach Coimbatore
Samstag, 09. Dezember 2006

Der heutige Tag war ohne Programm, da wir etwa 7 Stunden bis nach Coimbatore im Nachbarstaat Tamil Nadu fahren mussten. Dort sollte der Zug nach Ooty abfahren und von dort aus wollten wir weiter ins Treehouse im Green Magic Resort.

Sabu teilte uns allerdings gleich zu Beginn der Fahrt mit, dass es mit der Zugfahrt ein Problem gäbe - eine der Brücken auf der Strecke sei aufgrund des Monsuns eingestürzt und der Zug könne nicht fahren. Er wollte das aber abends in Coimbatore noch genau klären. Letzteres verwunderte mich ein wenig, denn entweder war die Brücke kaputt oder eben nicht. Welche Alternative sollte es sonst geben? Ich fragte mich, ob uns Sabu möglicherweise nur noch ein wenig vertrösten und die schlechte Nachricht so lange wie möglich herauszögern wollte.

Die Strecke nach Coimbatore war zwar sehr lang, aber die meiste Zeit landschaftlich wirklich wunderschön. Wir fuhren durch leuchtend grüne Reisfelder an Bananenplantagen und Weingärten vorbei (die übrigens ganz anders aussehen als bei uns). Im Hintergrund sah man immer die hübschen krummen Kokospalmen, die einen schönen Kontrast zu den Reisfeldern boten. Außerdem gab es jede Menge Zuckerrohrfelder - der Anblick war traumhaft. Als wir Kerala verließen und nach Tamil Nadu kamen, reihte sich an der Straße ein Tempel am anderen. Die Straße erinnerte mich eher an eine einspurige Landstraße bei uns, war aber die Hauptverbindung nach Coimbatore und es war einiges an Verkehr unterwegs. Dazwischen sahen wir immer wieder Pilger, die zu einem Tempel marschierten oder Bauern mit Rinderkarren, Leute, die irgendwelche Sachen auf dem Kopf transportierten, spielende Kinder, dösende Hunde und immer wieder auch kleine Orte. Aber hier wirkte alles gänzlich untouristisch und zum Teil auch wirklich arm, ganz anders als die Orte in Kerala, die wir bisher gesehen hatten. Die Straße säumten viele armselige Wellblechhütten oder Zelte mit stinkenden Abwassergräben davor. Das war wohl Indien von seiner weniger schönen Seite in herrlicher Landschaft versteckt. In den Orten herrschte ein unglaublicher Trubel. Es fuhren jede Menge Busse, die immer in einem unglaublichen Tempo unterwegs waren und man mußte gut aufpassen, um ihnen rechtzeitig auszuweichen.

Markt

Um die Mittagszeit machte Sabu einen kurzen Stopp, um etwas zu essen. Wir verzichteten hier lieber auf einen Lunch und schauten uns stattdessen ein wenig den Ort an. Den haltenden Bussen bzw. den Passagieren wurden von Händlern immer wieder Essenswaren auf Tabletts durch die offenen Fenster angeboten - Nüsse, Ananasstücke, Kokosnüsse etc. Der Gestank war teilweise atemberaubend, insbesondere in der Nähe der Abwasserrinne. Überall lag Unrat herum, aber trotz des schmutzigen Eindrucks, den die Stadt insgesamt machte, waren die Waren an den kleinen Markständen hübsch aufgestapelt. Es gab alles mögliche zu kaufen, die Frauen trugen leuchtende Saris und es herrschte ein buntes Treiben auf der Straße. Auch hier wurden wir wieder sehr neugierig gemustert, angesprochen hat uns aber niemand.

Marmeladenfleck

Als wir uns Coimbatore näherten, veränderte sich auch die Landschaft. Es gab weniger Plantagen, das Umfeld wurde eher städtisch. Während mich in Deutschland und auch im Ausland Städte bisher immer sehr fasziniert hatten, waren es in Indien eher die kleinen Orte, die mir gut gefielen. Die Städte dagegen sind in der Regel laut, schmutzig und hektisch.* So war auch Coimbatore. Im Reisebüro hatte man uns allerdings schon darauf vorbereitet, dass Coimbatore selbst wenig spektakulär sei und da wir vom frühen Aufstehen und der langen Fahrt ohnehin sehr müde waren, hatten wir auch weiter nichts vor, als mal wieder ausgiebig zu duschen, etwas zu essen und anschließend früh ins Bett zu gehen. Sabu infordmierte uns, dass wir - sollte der Zug fahren - um 6.00 Uhr los müssten.
"Sharpish"
Von unserer deutschen Pünktlichkeit war es bisher wohl noch nicht so recht überzeugt.

M

Wie sich herausstellte, fuhr der Zug aber wirklich nicht und wir konnten eine Stunde länger schlafen.

Das Residency (Coimbatores finest hotel) war ein großes indisches Luxushotel, vielleicht nicht ganz nach deutschem Standard, aber die Einrichtung war sehr komfortabel und der ganze übliche Schnickschnack wie Fernseher, Badewanne, Fön etc. war natürlich dabei. Dem Hotel fehlte lediglich das persönliche Flair eines Wildernests, aber insgesamt fand ich es eine Nacht ganz angenehm, all die Annehmlichkeiten nutzen zu können.

Das Personal war unglaublich freundlich und hilfsbereit und der Mann am Empfang sehr zuvorkommend. Ein Nichtraucherzimmer mit Doppelbett war leider erst ab 18.00 Uhr frei, so dass man uns zunächst in ein Zimmer mit zwei Einzelbetten brachte und später unser Gepäck in das andere Zimmer bringen wollte. Da das natürlich unsere Zeit etwas einschränkte und wir solange weder duschen noch uns sonst irgendwie in dem Zimmer ausbreiten konnten, versuchte Daniel, auf das Zimmer mit den zwei Einzelbetten umzubuchen. Das verursachte wohl ein wenig Aufruhr an der Rezeption mit dem Ergebnis, dass zum einen wirklich jeder Bedienstete unsere Zimmernummer wusste und wir zum anderen sofort ein Zimmer mit Doppelbett erhielten - ein Raucherzimmer direkt am Fahrstuhl. Nicht immer ist es einfach, sich verständlich zu machen und irgendwie hatten der Mann am Empfang Daniels Wunsch wahrscheinlich in den falschen Hals bekommen. Für die eine Nacht war uns das dann aber auch egal, zumal wir sowieso todmüde waren und nach dem afghanischen Essen wie ein Stein ins Bett fielen.

M

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* Kochin hat zwar auch über eine Million Einwohner, davon hatten wir allerding mehr oder weniger nur Fort Kochin gesehen, was völlig anders aussieht als der Rest der Stadt.

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Freitag, Januar 12, 2007

Dreimal quer durch Periyar
Freitag, 08. Dezember 2006


Da Winter war wurde es in Indien abends zwar immer sehr zeitig dunkel, aber morgens trotzdem schon früh wieder hell. Die Inder schienen sich mit ihrem Tagesrhythmus dem Tageslicht anzupassen, so dass alle schon immer sehr zeitig wach waren. Für mich war 5.30 Uhr aufstehen dennoch zu früh, auch noch zu früh für ein Frühstück. Ich fragte mich, wie sich Sabu wohl in der Zwischenzeit die Zeit vertrieben hatte und wo er eigentlich immer übernachtete. Daniel machte mich darauf aufmerksam, dass er wahrscheinlich im Auto schlafen würde, was sich später auch bestätigte. Auf der einen Seite war das schon irgendwie merkwürdig, denn immerhin waren wir es ja, wegen denen Sabu im Auto übernachten musste, während wir uns ein geräumiges Hotelzimmer teilten. Auf der anderen Seite konnte er dadurch überhaupt Geld verdienen. Wahrscheinlich hatte ich mit dieser Situation deutlich mehr Probleme als Sabu selber.

Um das Boot für die Bootssafari rechtzeitig zu erreichen, mußten wir so früh los. In das Periyar Wildlife Ressort kam man nur mit einer speziellen Genehmigung hinein, alles andere gilt als Straftat und ab 18.00 abends sind gar keine fremden Autos mehr erlaubt. Die Bootsafari selber hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Ich war davon ausgegangen, dass wir mit einem kleinen Boot und einer Gruppe von maximal 10 Personen über den See fahren. Aber das Boot war viel größer, fasste sicher 50 Leute, so dass wir es uns mit einigen ausländischen und sehr vielen indischen Touristen teilten. Bevor wir überhaupt ablegen konnten, mussten alle aus den ersten Sitzreihen noch einmal aufstehen und weiter Richtung Heck des Bootes gehen, da das Boot vorne zu schwer war, zu fest am Ufe aufsaß und daher nicht ablegen konnte.

Marmeladenfleck

Von Ruhe konnte bei so vielen Indern keine Rede sein. Immer wenn unser Steuermann die Fahrt wegen eines Tiers verlangsamte, fingen alle ganz aufgeregt zu reden und zu rufen an und standen auf, um sich auf die entsprechende Seite des Boots zu begeben, von der aus man die Tiere besser sehen konnte. Das führte dazu, das sich unser Boot ständig in einer merkwürdigen Schieflage befand und insgeheim fragte ich mich, wie leicht so ein Kahn eigentlich kentern kann.

Allzu spektakulär war unsere Ausbeute an gesichteten Tieren nicht, was bei dem Lärm nicht verwunderte, aber die Fahrt durch das noch nebelverhangene Ressort, in dem sich die Sonne nur allmählich ihren Weg bahnte, war dennoch wunderschön. Wir sahen Wasserotter beim Fischfang, scheue Rehe und sogenannte Barking Deers** im Dickicht, nistende Kormorane auf den vertrockneten Baumspitzen im Wasser*, einige Affen, King Fisher und andere Vögel sowie ein paar Wildschweine. Leider bekamen wir keine wilden Elefanten zu sehen, aber dem Spektakel an Bord war es auch kein Wunder, dass sich alle Tiere verkrochen.

Marmeladenfleck

Nach der Bootssafari hatten wir erst einmal Pause. Als wir wieder im Hotel ankamen war gerade noch Frühstückszeit und da wir nicht wussten, wie gut wir Lunch oder Abendessen in unser heutiges Programm integrieren konnten, kam uns das gerade recht. Eine heiße Tasse Kaffee schien mir nach der Fahrt genau das richtige. Wir waren doch ganz ordentlich durchgefroren, obwohl während der Fahrt nachher die Sonne schien, aber die Luft war doch noch sehr frisch. Außerdem war das Boot auch tropfnaß gewesen vom Tau, so dass während der Fahrt immer wieder Wasser fast wie Regen von der Decke tropfte. Im Wildernest gab es kein typisch indisches Frühstück, sondern Ei mit Toast, Croissants und dazu von der Frau des Chefs selbstgemachte Peanutbutter und Ananasmarmelade. Nach dem Frühstück setzten wir uns zum Aufwärmen auf den großen, sonnigen Balkon und lasen.

Das Personal im Hotel war unheimlich freundlich und zuvorkommend und offensichtlich wurde großer Wert daraufgelegt, dass alles immer ordentlich und sauber war. Sogar die Steine in der Gartenanlage wurden wieder zurechtgerückt, wenn ein paar von ihnen durcheinander geraten waren. Abends wurde die Anlage mit Weihrauch und DET eingeräuchert.
'Against the mosquitos'
wie uns der Manager erklärte. Als ihn Daniel fragte, ob Moskitos hier ein großes Problem seien, erwiderte er:
'Mosquitos only like light skin. So they are no problem for us'
Da er dabei schmunzelte, waren wir uns allerdings nicht ganz sicher, ob das ernst gemeint war.

Für nachmittags war noch eine dreistündige Trekkingtour geplant. Außerdem entschieden wir uns später für eine nächtliche Wanderung mit Wildhütern durch den Park, die ebenfalls etwa drei Stunden dauern sollte. Sabu fand das sehr merkwürdig und er fragte uns, ob wir wirklich freiwilllig sechs Stunden laufen wollten. Zehn Minuten sei seiner Meinung nach das absolute Maxium. Er holte uns aber trotzdem wieder sehr pünktlich um 13.30 Uhr am Hotel ab.

Marmeladenfleck

Diesmal war ich sehr überrascht, dass Daniel und ich nur zu zweit mit dem Guide unterwegs waren, eigentlich hatte ich wieder eine Gruppe erwartet. Zunächst bekamen wir eine Art übergroße Kniestrümpfe, die wir über unsere Hosen und in die Schuhe tragen sollten wegen der zahlreichen Blutegel, die es im Park gerade rund um den See gibt. Der Guide erklärte uns, Blutegel seien ein Problem, insbesondere bei feuchtem Wetter. In einem der kleinen Supermärkte hatte uns die Verkäuferin schon erzählt, dass es eine Woche vorher trotz Trockenzeit überraschend heftig geregnet hatte. Bei solchem Wetter waren die Strümpfe wirklich notwendig, damit einem beim Laufen keine Blutegel erwischten. Ich war froh, dass ich eine lange Hose und meine Trekkingschuhe anhatte und beides sollte sich später noch als sehr sinnvoll erweisen.

Marmeladenfleck

Am Ufer des Sees erwartete uns ein schmales Floß für die Überfahrt zum anderen Ufer. Bei diesem Anblick musste ich an die Münchnerin vom Tempelfest denken, die mir erzählt hatte, dass sie mal in Thailand eine Floßfahrt gemacht hätte bei der ihr Exfreund ins Wasser gefallen sei. Ich war ein wenig besorgt ? Daniel ist ja manchmal so schusselig. Aber obwohl das Boot während der Fahrt schwankte und schon vor dem Ablegen teilweise unter Wasser lag, machten wir unsere Sache gut und blieben ruhig sitzen, während uns unser Guide mit Hilfe eines quer über den See gespannten Seils auf die andere Seite zog. Dort ging es direkt bergauf und ich war schon nach wenigen Metern ziemlich aus der Puste. Unser Guide führte uns querfeldein, zeigte uns Elefantenspuren, Affen, verschiedene Pflanzen, Wildschweine und Malabar Giant Squirrels. Er nahm sich sogar noch die Zeit, für eine bessere Sicht mit uns einen Hügel zu besteigen. Unser Weg führte uns steil bergauf quer durch fast mannshohes Elefantengras, aber von oben hatten wir eine grandiose Sicht auf den Park und konnten sogar noch ein paar Bisons erkennen.*** Da kein Pfad den Berg hinaufführte und das Gelände sehr uneben war, wären für diesen Teil Trekkingsandalen oder leichten Schuhe wirklich nicht zu empfehlen gewesen.

Unser Guide machte uns außerdem auf die Geräusche wilder Hühner (wild chicken) aufmerksam, zeigte uns schwarze Affen mit langen Schwänzen (wir haben leider nicht alle Namen verstanden und kannten bei weitem auch nicht alle Tiere) und Rocketbirds mit sehr langen Schwänzen, führte uns an mehreren Termitenhügeln vorbei und erklärte uns, welche Tiere jeweils die Löcher im Boden gegraben hatten.

Außerdem wies er uns auf verschiedene Tigerspuren hin, die uns selber gar nicht aufgefallen wären. So sahen wir Fußabdrücke im matschigen Untergrund sowie tiefe Kratzspuren an einem Baum, mit denen ein Tiger sein Revier für andere Tiger gut sichtbar markiert. Unser Guide erzählte uns, dass er selber nur zweimal einen Tiger gesehen hätte, da die Tiere Menschen in der Regel viel früher bemerken als umgekehrt. Wenn man doch einmal das Glück hätte, wäre es meistens auch nur ein kurzes Aufblitzen des gestreiften Fells im Gebüsch.

Marmeladenfleck

Auch während dieser Tour bekamen wir also leider keine allzu beeindruckenden Tiere zu sehen, keinen Tiger, keine Elefanten, keinen Bären und ich fragte mich, welches vernünftige Tier sich um diese Uhrzeit und bei diesen Temperaturen überhaupt von der Stelle bewegen würde. Wahrscheinlich zogen sie es alle vor, sich im schattigen Dickicht die Eier zu schaukeln zu verharren und dabei die doofen Touristen zu beobachten, die sich schwitzend durch den Park quälten, was unser Guide natürlich genau wußte, sich aber vermutlich trotzdem noch einen Spaß daraus machte, uns den steilen Berg hochzujagen. Wahrscheinlich hatte man auch nur wegen der Touristen und des besonderen Flairs keine breiten Holzbretter über die Flüsse gelegt, sondern einfach nur schmale Holzstämme darübergelegt, immer in der Hoffnung, daß doch mal ein Tourist ins Wasser fällt. Später brachte uns Rinoo noch auf die Idee, dass natürlich auch die Tigerspuren nur gefälscht seien und dass es dafür extra Stempel gäbe, die für die alles glaubenden Touristen in den Matsch gedrückt werden.

Oder wir hatten einfach nur kein Glück an diesem Tag :-)

Nichtsdestotrotz genossen wir diesen nicht ganz unanstrengenden Spaziergang durch den Park. Anschließend hatten wir nur noch wenig Zeit fürs Abendessen, denn um 6.45 Uhr begann die Nachtführung. Da die großen Restauants alle noch nicht geöffnet hatten, aßen wir daher im kleinen Jungle Palace, das sich erst bei näherem Hinsehen als sehr gemütlich erwies. Die sehr hübsche, ruhige Terrasse war von der Straße aus überhaupt nicht sichtbar, aber der Kellner bot uns gleich die schönen Sitzplätze hinten im Garten an, ganz weg von der belebten Straße mit schönem Blick ins Grüne. Direkt in Sichtweise graste ein Wildschwein. Das Essen war zwar einfach, aber günstig und lecker.

Als wir am vereinbarten Treffpunkt ankamen, war es bereits dunkel. Insgesamt nahmen 10 Touristen an der Führung teil, so dass wir in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Auf einmal kam mir die Vorstellung, im Stockfinstern durch einen mir unbekannten Park mit wilden Tieren zu laufen, doch sehr unheimlich vor und ich war sehr froh, daß jeder eine kleine Taschenlampe bekam, um sich selbst am Boden den Weg zu leuchten. Nicht ganz so froh war ich über den 2. Wildhüter, der mit einem geladenen Gewehr über der Schulter mit uns mitmarschierte und ich achtete sehr genau darauf, nicht hinter ihm zu laufen. Der Nachthimmel war grandios. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen so klaren Sternenhimmel mit einer solchen Unmenge an Sternen gesehen habe. Um uns herum herrschte aber absolute Finsternis und der Wald war sehr dicht und dunkel, man sah kaum die Hand vor Augen. Die meiste Zeit marschierten wir schweigend durch die Dunkelheit, die Wanderung hatte fast etwas Meditatives. Unser Guide leuchtete immer wieder rechts und links das Gelände ab, einmal auf der Suche nach potentiellen Wilddieben, aber auch um möglicherweise die Augen eines Tieres aufblitzen zu sehen, das er uns dann zeigen konnte.

Als allererstes zeigte uns der Guide einen Schwarm Glühwürmchen, die wirklich hell leuchteten. Es sah wunderschön aus im Dunkeln. Wann hatte ich das letzte Mal Glühwürmchen gesehen? Wir sahen jede Menge Barking Deers, normale Rehe, Wildschweine beim Fressen, hörten Eulen, erfuhren, dass die kleinste Eule den größten Spektakel macht, sahen Frösche, die Nester von fliegenden Ameisen und ein frisch gegrabenes Bärenloch. Ich sah auch noch zwei eklige Blutegel, einen davon an Daniels Schuh. Dass ich ihn vor einem Monsteregel gerettet habe, hat Daniel allerdings nicht nachhaltig beeindruckt.

Während insbesondere die Londoner Gäste die Wanderung ziemlich doof fanden ('no fucking animals'), fand ich diesen Spaziergang unheimlich beeindruckend. Da er in Teilen auch durchs Moor führt, sind feste Schuhe unbedingt notwendig.

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* Das Ressortgebiet war vor gut 100 Jahren geflutet worden. Daher ragten noch jede Menge alter Baumspitzen aus dem Wasser, was es nicht gerade einfach macht, den See mit einem Boot zu befahren, sondern gute Ortskenntnis voraussetzt.
** Heißen so wegen der bellenden Laute, die sie von sich geben.
*** Daniel ist allerdings bis heute überzeugt, dass es Elefanten waren.

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Donnerstag, Januar 11, 2007

Die Gewürzstraße entlang nach Thekkady
Donnerstag, 07. Dezember 2006


An unserem letzten Tag auf dem Hausboot bekamen wir noch ein ausgezeichnetes Frühstück, eine Art Nudeln mit Bananencurry. Deutsche Touristen hatten wohl versucht, Valentin ein paar Worte deutsch beizubringen und so fragte er immer uns immer 'Lekka lekka'? Das erinnerte mich wieder daran, dass Inder alles mehrmals wiederholen beim Sprechen.

Nur noch eine Stunde Fahrt hatten wir heute auf dem Boot, was mir wirklich schwerfiel. Im Nachhinein waren unter anderem gerade die Stunden auf dem Hausboot für mich die entspanntesten. Auch die Crew war unheimlich nett und der Koch freute sich immer ganz besonders, wenn es uns so gut schmeckte.

Schließlich legten wir in Kottayam am Vembanadlake in 2. Reihe an, denn in dem schmalen Kanal standen die Ausflugsboote wirklich dicht gedrängt. Sabu wartete schon auf uns, denn Valentin hatte ihm rechtzeitig Bescheid gegeben, wann wir ankommen. Es war wirklich alles perfekt organisiert. Mit dem Ambassador ging es nun weiter die Gewürzstraße entlang nach Thekkady, eine Fahrt von insgesamt mehreren Stunden, da wir die sehr kurvige und steile Straße hinauf nach Thekkady nicht wirklich schnell fahren konnten. Empfand ich schon den Verkehr in Italien immer als sehr waghalsig kam er mir gerade auf dieser Serpentinenstraße wirklich halsbrecherisch vor. Unterwegs wurde Sabu nicht müde, immer wieder anzuhalten, um uns die verschiedenen Pflanzen zu zeigen, und uns alles zu erklären. Ich hatte ja noch nie Ananas wachsen sehen oder Pfeffer, Gummibäume wuchsen direkt neben Kaffeebäumen und Kakao - hier wuchs wirklich einfach alles. Sabu hatte auch keinerlei Bedenken, auf der Gegenfahrbahn in den engen Serpentinen zu wenden und uns einen großen Jackfruitbaum mit riesigen Früchten zu zeigen, nachdem wir erzählten, dass wir Jackfruits noch nie gesehen hätten.

Tea

Nachdem Sabu an unseren ersten gemeinsamen Tagen eher still gewesen war, hatte ich das Gefühl, er blühte regelrecht auf, während er uns die üppige Vegetation von Kerala zeigte. Die Landschaft war wirklich ein Traum und je weiter wir nach oben kamen, desto grandioser wurde die Aussicht. Als wir schließlich die Teeplantagen erreichten, die wie herrlich grüne Teppiche vor uns lagen und ich vor lauter Begeisterung gar nicht wußte, was ich sagen sollte, meinte Sabu nur lächelnd:
'It's Gods own country.'
Und so wie er es sagte, klang es nicht einfach wie ein platter Werbespruch, sondern genau so war es.

Auf der Fahrt die steilen Straßen hinauf mussten wir mehrmals anhalten, damit Sabu einen Eimer Wasser organisieren konnte. Der Motor seines Ambassadors war von der steilen kurvigen Strecke völlig überhitzt. Um ihn wieder abzukühlen leerte Sabu das Wasser dafür jedes Mal einfach unter die Motorhaube.

MWasser

Auf unserem Programm während der Fahrt nach Thekkady stand auch der Besuch einer Plantage. Nachdem uns Sabu immer neue Felder und Pflanzen am Straßenrand zeigte, dachte ich schon, ich hätte diesen Programmpunkt vielleicht ein wenig überschätzt und wir würden die Plantage nicht wirklich 'besuchen', sondern einfach durchfahren. Aber tatsächlich erreichten wir schließlich eine private Plantage, eine Art großem botanischen Garten, der aber nicht nur für Touristen gedacht war, sondern in dem wirklich Landwirtschaft betrieben, gepflanzt und geerntet wurde. Hier sahen wir sämtliche Gewürze wachsen, die ich sonst nur aus dem Gewürzregal im Supermarkt kenne: Verschiedenste Pfeffer- und Chilisorten, Kardamom, Vanille, Kaffee (arabica und robusta), Zimt* und Muskatnuss**. Wir lernten, dass in Indien von der Banane nicht nur die Frucht, sondern auch die Blüte gegessen wird, außerdem sahen wir Kardamompflückerinnen bei der Arbeit, erfuhren, dass es Baumtomaten gibt, staunten über große Papayas und die berauschende Betelnuß hoch oben in den Palmen und verschiedenste Heilpflanzen, jede Menge Kräuter, Okra, Limone, Ginger und ... und ... und.

Tea

In einem kleinen Laden konnte man Gewürze und Kaffee kaufen. Da ich bei dem kräftigen Zimtgeruch augenblicklich an Crêpes, Pfannkuchen und Milchreis denken mußte, nahm ich sofort ein Päckchen mit, dazu noch eine große Vanillestange und Kaffee. Auf einem Schild an der Ladentüre stand:
'We consider the costumer as a king.

A king never bargains.'
Von der Plantage aus war es nur noch ein kurzes Stück zu fahren bis zu unserer nächsten Station, dem Wildernest, einem kleinen, hübschen Hotel mit verwinkelten, großzügigen Zimmern. Lediglich das Bad war für meinen Geschmack ein wenig lieblos eingerichtet, aber im Vergleich zu einem indischen Bad sicherlich noch sehr komfortabel.

Für abends arrangierte Sabu noch eine ayurvedische Massage für uns. Wie ich feststellen mußte, versteht man in Indien unter einer Ganzkörpermassage offensichtlich wirklich eine Ganzkörpermassage, ganz im Gegensatz zu Ganzkörpermassagen zuhause. Unter den Händen der zierlichen Pria, über und über mit Ayurvedaöl eingeschmiert, kam ich mir dabei vor wie ein übergroßes Walroß, weshalb meine Gefühle dabei stark schwankten zwischen angenehmem Dahinschmelzen und größter Peinlichkeit. Während der Massage kam es zu einem Powercut (meinem ersten in Indien), so daß schlagartig die scheppernde Musik und das Licht ausfielen. was unsere Masseure aber keine Sekunde in der Arbeit einhalten ließ. Offensichtlich war so ein Powercut für sie nichts Ungewöhnliches. Stattdessen wurde nach wenigen Minuten der Generator angeworfen, so daß wir wenigstens gedämpftes Licht hatten.

Anschließend gingen wir ins Cardamom County, wo es abends immer Buffet gab. Im Nachhinein muß ich allerdings sagen, dass meine Kenntnisse der indischen Küche für ein Buffet noch nicht ausreichten. Wahrscheinlich mischten wir uns ganz abstruse Kombinationen zusammen, aber das Essen war dennoch gut, ganz besonders die Jumboprawns. Die mußte man zwar extra bestellen und bezahlen, aber für 125 Rupien (ca. 2 Euro) wirklich ausgesprochen günstig.***

Danach gingen wir recht zeitig ins Bett, da uns Sabu am nächsten Tag schon um 6.15 Uhr für eine Bootssafari abholen wollte.

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* Peinlich, aber ich hatte mir noch nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wo eigentlich der Zimt herkommt. Ich war völlig fasziniert von der Tatsache, dass es sich bei Zimt um simple Baumrinde handelt. Aber als Stadtmensch verzeiht man mir vielleicht die Idee, die Zimtstangen könnten direkt auf Bäumen wachsen.
** Die Muskatnuss fällt praktischerweise einfach vom Baum, wenn sie reif ist, so daß man sie anschließend nur noch einsammeln muß.
*** Unbedingt zuerst bestellen, nicht erst nach dem Buffet ? die zusätzliche Portion ist wirklich zu groß.

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Montag, Januar 08, 2007

Ein weiterer Tag auf dem Hausboot
Mittwoch, 06. Dezember 2006

Am nächsten Morgen, dem Tag nach dem Tempelfest, wurden wir von den Sonnenstrahlen geweckt, die durch die offenen Fenster unserer Kabine hereinschienen. Der Blick auf das glitzernde Wasser und das von Kokospalmen gesäumte Ufer war einfach bezaubernd und so genossen wir ausgiebig die friedliche Atmosphäre auf dem Boot.

Lediglich die fette Kakerlake, die sich die Nacht über in unser Moskitonetz geschlichen hatte und oben an der Decke hing, trübte diese Stimmung einen Moment, bis einer der Crewmitglieder sie netterweise mit der Hand einfing und sie entsorgte. Über die Kakerlake wollte ich dann lieber nicht weiter nachdenken.

bildbeschreibung

Das für 8.00 Uhr angesetzte Frühstück fand dann nach indischer Zeit erst um 8.30 Uhr statt, aber trotz meiner Müdigkeit war ich froh, dass wir so zeitig aufgestanden waren. Die Backwaters wirkten sehr idyllisch und so kitschig das Wort auch klingen mag, hier passte es einfach. Am Ufer herrschte schon reges Treiben: Frauen, die fleißig Wäsche am Fluß wuschen, Kinder auf dem Weg zur Schule und Männer, die schon zeitig mit ihren Booten unterwegs waren. Es war ein unheimlich friedlicher Anblick mit einem wunderschönen Panorama.

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Nach einer kurzen Fahrt legten wir einen Stopp ein, nachdem uns Valentin angeboten hatte, einen traditionellen Kerala-Kindergarten zu besuchen und uns ein für die Backwaters typisches Snakeboat zu zeigen. Wir wurden von einem TukTuk abgeholt, das uns die holprigen Lehmwege entlangfuhr. So konnten wir auch noch einen Blick auf das Hinterland mit seinen unglaublich grünen Reisfelder werfen. Wir fuhren am Wasser entlang auf schmalen Wegen, die uns an den Häusern der Einheimischen vorbeiführten. Zuerst zeigte uns Valentin ein Snakeboat. Er erzählte uns, dass diese Boote für Bootsrennen genutzt werden und dass er selber in einem Team mit einem solchen Boat fährt. Jeder Ort hat ein eigenes Snakeboat mit einem Team, das bei den jährlich stattfindenden Rennen mitfährt. Dabei nehmen ca. 120 Mann auf diesen langen, aber sehr schmalen Booten Platz. Der Steuermann steht vorne und während der Fahrt wird zu 'Hurti-hurti'-Rufen im Takt gerudert. Dazu wird der Takt mit einem langen Stock geklopft. Hatten wir schon in der Nacht davor auf unserem im Vergleich hierzu recht komfortablen Boot Sorge, ins Wasser zu fallen, erschien mir das Fahren mit einem solchen Boot geradezu ein akrobatischer Akt zu sein. Valentin freute sich sichtlich, dass er uns mit dem Boot so beeindrucken konnte.

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Anschließend fuhren wir weiter zu einem kleinen Kindergarten. Valentin hatte mich vorher gefragt, ob wir vielleicht ein paar Kulis oder andere Mitbringsel für die Kinder dabei hätten. Daniel hatte zum Glück schon vorher davon gehört, dass ausländische Werbekulis hier sehr gefragt sind, so dass wir damit und außerdem einer Tüte Gummibärchen ganz gut ausgestattet waren.

Vor dem kleinen Häuschen, dass genau aus einem Raum bestand, lagen die winzigen Kinderschuhe wild durcheinander, innen saßen 23 kleine Jungs und Mädchen im Alter von ca. 3 - 5 Jahren. Ihre Lehrerin erählte uns, dass die Kleinen seit etwa 1 - 8 Monaten im Kindergarten Malayalam lernten. Dabei benutzten sie keine Tafel wie wir das kennen, sondern schrieben die gelernten Buchstaben direkt vor sich in den Sand, was den Vorteil hatte, dass die Lehrerin sofort mit einem langen Stock korrigieren konnte, wenn einer etwas falsch geschrieben hatte. Die etwas größeren Kinder hatten kleine Schiefertafeln und einen Kreidestift, da sie schon etwas besser schreiben konnten. Ich war von dem Prinzip fasziniert, war es doch simpel und schlicht, aber doch zielführend. Etwas Ähnliches hatte ich noch nicht gesehen. In Kerala ist es üblich, dass die Kinder schon sehr früh lesen und schreiben lernen. Die Lehrerin demonstrierte uns, wie die Kinder die Buchstaben lernen, indem sie vorsprach und alle Kinder im Chor nachplapperten. Sicher war da auch mal ein Kind dazwischen, das dabei ein wenig schummelte. Aber alle waren mit beeindruckendem Eifer bei der Sache, was sicher nicht nur daran lag, dass sie nun Besuch hatten, der ihnen staunend beim Buchstabieren zuhörte. Die Kinder reagierten ganz unterschiedlich auf ihre Gäste. Alle zeigten große Neugier, aber manche waren doch mutiger als die anderen. Valentin gab uns schließlich ein Zeichen, die Gummibärchen an die Kinder zu verteilen und wie sich so jedes Kind ein oder (die etwas Mutigeren) zwei Gummibärchen aus der Tüte nahmen und ausgiebig darauf herumkauten und schmatzen, musste ich daran denken, wie ich immer eher gedankenlos eine Handvoll Gummibärchen nehme, dreimal darauf herumkaue um schon die nächste Hand voll aus der Tüte zu holen.

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Zum Abschied winkten uns die Kinder lachend und fröhlich hinterher und wir machten uns wieder auf den Weg zurück. Valentin wollte eigentlich mit dem Bus fahren, der aber nicht kam, wofür sich Valentin gleich mehrmals entschuldigte. Ich erzählte ihm, dass auch wir durchaus unpünktliche Busse kennen, was er gar nicht glauben konnte. Wo die Deutschen doch so als pünktlich gelten. Da der Weg zum Boot aber wirklich nicht weit war, entschieden wir uns für einen kleinen Spaziergang und schlenderten gemütlich bei schönstem Sonnenschein an den Reisfeldern entlang zurück zum Boot, wo schon ein frisch zubereitetes Lunch auf uns wartete.

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Da ich mir auf dem Hausboot nicht ständig meine Haare waschen und fönen wollte, trug ich fast die ganze Zeit ein buntes Kopftuch. Valentin hatte das offensichtlich eine Weile beobachtete, denn in einem ruhigen Moment nahm er mich zur Seite und fragte mich, ob ich keine Haare auf dem Kopf hätte, da man sie nicht sehen könnte. Ich erklärte ihm, dass meine Haare so kurz seien, dass sie unter dem Kopftuch nicht erkennbar wären, was ihn irgendwie nicht recht zufriedenstellte. Später las ich in meinem Buch, dass man in Indien den Prostituierten früher die Haare abgeschnitten hat, um sie auf den ersten Blick erkennen zu können.

Den Nachmittag verbrachten wir alle ganz faul auf dem Boot, lasen, genossen die herrliche Aussicht und liesen uns die unglaublich leckeren gebackenen Bananen unseres Kochs bei einem Kaffee schmecken. Das Essen war wirklich sehr gut und immer frisch, nur der Kaffee war eine herbe Enttäuschung für mich. Da in Indien Kaffee wächst, war ich automatisch davon ausgegangen, er müsse sehr gut und aromatisch sein. Da wurde ich leider schnell eines Besseren belehrt.

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Freitag, Januar 05, 2007

Auf dem Tempelfest
Dienstag, 05. Dezember 2006


Abends nahm uns Valentin zu einem Tempelfest mit, das zu Ehren irgendeiner Göttin abgehalten wurde. Ich schreibe 'irgendeiner', da zum einen die Inder unglaublich viele verschiedene Gottheiten kennen, die unsereins gar nicht alle auseinanderhalten kann, und zum anderen weil es für meine Ohren manchmal ausgesprochen schwer war, alles zu verstehen, was die Inder mit ihrem indischen Akzent erzählten, auch wenn sie in der Regel alles mehrmals wiederholen. Letzteres verwirrte mich zunächst ziemlich, hatte ich doch das Gefühl, ich wirkte ausgesprochen begriffstutzig. Letztendlich gelangte ich aber zu der Überzeugung, dass das dreimalige Wiederholen eines Satzes eben auch nur eine indische Marotte ist.

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Heute war der letzte Tag des Festes, an dem eine Prozession mit Lichterlauf und einem geschmückten Elefanten stattfinden sollte. So fuhren wir gegen 17.00 mit einem kleinen Canalboat (= Nußschale) die Backwaters entlang bis wir zu einem kleineren Kanal kamen, den unser Hausboot nicht hätte passieren können. Am hinteren Ende war der Kanal durch Schlick verstopft (kam mir irgendwie bekannt vor), so dass wir zu Fuß weitergehen mussten. Die meisten Leute, an denen wir vorbeikamen, lächelten freundlich und ich hätte gerne ein paar Worte in ihrer Sprache gekonnt, um sie anzusprechen. Wir passierten den Kanal über eine winzige Brücke, kamen an bereits aufgestellten Öllampen vorbei sowie an einem großen Baldachin, einer Art Tempel. Ich mußte wieder an einzelne Traumschiffsequenzen denken, die mir von früher im Gedächtnis waren, bis wir schließlich an den Anfang der Prozession kamen, wo verschiedene Musiker auf einer großen Bühne sehr laut mit Unterstützung mehrerer Lautsprecher für meine Ohren sehr schräge Musik machten.


Davor saßen und standen jede Menge Leute, wir waren mit Fatima und noch zwei Münchner Frauen von unserem Schwesternboot die einzigen Touristen. Das ganze Spektakel hatte also nicht allzuviel mit Traumschiff zu tun, da es sich nicht um eine Attraktion für Touristen handelt, sondern um eine große Feier der Einheimischen.

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Vor allem die Kinder schauten uns sehr neugierig an, die Mädchen waren eher schüchtern und trauten sich nicht, uns anzusprechen. Die Jungs waren in der Regel mutiger, so dass wir den Abend über sehr häufig erzählten, wie wir heißen, wo wir herkommen, was wir in Indien machen und wo wir noch überall hinfahren werden etc. Am schwierigsten fand ich die Frage, was Indien und Deutschland gemeinsam haben. Mir fiel dazu wirklich nicht viel ein. Schon nach meinen ersten Tagen in Indien hatte ich den Eindruck, dass die indischen Sitten und Gebräuche völlig anders waren als unsere, dass die Sprache sehr fremd, die Menschen im Wesen ganz unterschiedlich, das Essen nicht vergleichbar und auch die Landschaft kaum Parallelen zuließ. Keine sehr befriedigene Antwort für den jungen Inder, der sie mir stellte, und der gerne als Krankenpfleger nach Deutschland gehen wollte.

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Die Offenheit und offensichtliche Neugierde der Inder auf alles Fremde faszinierte mich völlig und auch der Gedanke an einen Inder in einem kleinen schwäbischen Dorf ließ keinerlei Parallelen zu. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass er dort so offen begrüßt und angesprochen werden würde wie wir in diesem kleinen Provinzdorf mitten in den Backwaters.

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Es dauerte unglaublich lange, bis die Prozession startete, Valentin hatte uns bereits vorgewarnt:
'It will start at 8.00 o´clock, but you know, indian 8 o´clock!'
Und in der Tat verzögerte sich alles bis etwa 9 Uhr, aber für uns war es wirklich ein außergewöhnlicher Anblick. Vorher wurde noch ein Tanz aufgeführt, bei dem nur Männer mit geschmückten Federbüschen auf dem Kopf im Kreis tanzten. Das Ganze sah aus, als würden die Tänzer Blumentöpfe auf dem Kopf balancieren. Ich möchte mich gar nicht lustig machen über andere Sitten, aber der Anblick war für europäische Augen tatsächlich sehr ungewöhnlich und toppte aus meiner Sicht noch die tanzenden Nonnen, die wir mit Tobi in Rom gesehen hatten. Ein unheimlich bizarres Spektakel.

Bizarr war auch das, was mir vom Rest des Abends im Kopf hängenblieb, als die Lichterketten in kleinen Öllämpchen angezündet wurden, die unheimlich hübsch zurechtgemachten Mädchen in Freudengeheul zu Ehren der Göttin ausbrachen, als der über und über mit Gelb, Gold und Silber dekorierte Elefant die Prozession startete und die Jungs mit Fackeln und glitzernden Schirmen hinterherliefen. Die Prozession hielt immer wieder an während des Laufs, um an einzelnen Stationen der Göttin zu huldigen und Opfer darzubringen. Zwischendrin hatten wir kurz Gelegenheit, mit den beiden anderen Gästen aus München zu reden, aber die meiste Zeit wurden wir von den indischen Jungs in Beschlag genommen. Die Mädchen schauten auch meistens sehr neugierig zu uns rüber, waren aber viel zu schüchtern, einfach auf uns zuzugehen, so dass sie sich darauf beschränkten, uns zu beobachten und immer wieder in fröhliches Lachen auszubrechen. In der Hinsicht war dann wirklich kein großer Unterschied mehr zu jungen Teenagern wie wir sie von zuhause kennen.

Einer der Jungs malte uns zu Ehren der Göttin einen gelben Punkt auf die Stirn, außerdem wurden uns von verschiedenen Seiten Wunderkerzen zugesteckt, die wir halten sollten, bis sie abgebrannt waren. Einer der Jungs wollte uns auch noch ganz nach vorne zu der Prozession mitnehmen, wo zu Beginn die Göttin aufgestellt war, bevor sie auf den Elefanten gehoben wurde. Wir sollten nur die Schuhe ausziehen. Aber irgendwie hatten Daniel und ich doch das Gefühl, dass wir dort nicht hingehörten und lehnten daher freundlich ab.

Besonders ich musste den Menschen hier ein sehr ungewohntes Bild geboten haben, da sie sicher nicht allzu oft Touristen zu Gesicht bekamen. Ich war mit Ausnahme von einem kleinen Mädchen die einzige weibliche Person, die Hosen trug, hatte meistens die Hände in den Hosentaschen und wirkte wahrscheinlich ausgesprochen männlich, zumal ich mich mit Daniel unterhielt, mit ihm aus einer Flasche Wasser trank und mich in den Gesprächen nicht diskret zurückhielt.

Gegen später hatten wir den Eindruck, dass Valentine wieder zum Boot zurückwollte, da seine Mannschaft dort noch das Dinner für uns zubereiten sollte. Es war mittlerweile längst dunkel, eine Tatsache, die mich am ersten Tag sehr überraschte, man vergisst hier sehr schnell, dass eigentlich Winter ist und so gegen 17.00 Uhr die Dämmerung einsetzt.

Wir begleiteten die Prozession bzw. den Elefanten noch ein Stück und überholten den Zug, sobald die Straße etwas breiter wurde. Vorher wäre ein Überholen gar nicht möglich gewesen, da der schmale Weg von mit Wasserhyazinthen bedeckten Wasserflächen gesäumt war. Es war ein eigentümlicher Zug, vorneweg der Elefant, dann all die Menschen mit ihren Öllampen und Ölfackeln, in die immer wieder Kokosöl nachgeleert wurde. Daneben gab es ein unglaublich lautes Feuerwerk, das zum Teil direkt unter den Bäumen angezündet wurde.

Am Ende des Weges wartete schon unser winziges Boot auf uns. Auch die zwei Münchnerinnen waren nun dabei und sollten mit uns zurück zu ihrem Hausboot fahren. Im Dunkel in dieser Nussschale durch die Backwaters zu fahren hatte etwas sehr Gespenstisches. Es war Vollmond, so dass man zwar sehr gut sehen konnte, wie sich die Palmen, die den Uferrand säumten, in der völlig ruhigen Wasseroberfläche spiegelten, aber im Wasser selber konnte man kaum etwas erkennen und das Boot wackelte nicht wenig. Zwischendurch hielten wir noch an einem kleinen Häuschen, wo ein anderer Fahrer zustieg. Ein Hund bellte und an der Seite sah man den Kopf einer Kuh durch einen schmalen Spalt in der Stallwand. Zum Ablegen wurden keine Ruder verwendet, sondern lediglich ein langer Stab, mit dem sich der Bootsmann vom Boden abstößt. Erst in der Mitte des Wassers wollte er den kleinen Motor anwerfen, der dabei allerdings mehrmals seinen Dienst versagte. Es war schon eine merkwürdige Situation, mitten im Dunkeln auf einem winzigen Boot und einem Motor, der nicht ansprang. In dem Moment war ich froh, dass unser Reiseleiter ein Mobiltelefon dabei hatte, das auch tatsächlich Empfang hatte.

Letztendlich sprang der Motor aber doch noch an. Ich fand diese nächtliche Bootsfahrt ausgesprochen beeindruckend, trotz der Dunkelheit. Das Spiegelbild der Palmen im Wasser sah wunderschön aus, man hörte lediglich die Geräusche der Tiere, in erster Linie Vögel, außerdem hörte man auch hier noch die Musik der Prozession, die durch das Wasser weitergetragen und durch keinerlei Betonwände abgehalten wurde und somit die Backwaters sehr weitläufig beschallte. Eine sehr unwirkliche Situation, das Wort bizarr ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber selbst in der Dunkelheit erkannte unser Bootsmann noch rechtzeitig die drei Fischerboote, die nachts beim Angeln waren, so dass er den Motor abstellte und langsam an ihnen vorbeitrieb. Ich war sicherlich nicht die einzige, die in dem Moment fürchtete, der Motor würde anschließend nicht mehr anspringen. Letztendlich erreichten wir aber die beiden mittlerweile miteinander verankerten Hausboote, in denen die Bootscrew schon mit dem fertigen Essen auf uns wartete.

Danach sanken wir nur noch voll der neuen Eindrücke in unser großes Himmelbett, das glücklicherweise von einem großen Moskitonetz umgeben war, denn Moskitos und anderes Ungeziefer gibt es definitiv in den Backwaters. Noch immer hörten wir die Musik der Prozession, aber in weiter Ferne. Das sanfte Schaukeln des Bootes und die fremden Vogelgeräusche wiegten uns dennoch schnell in den Schlaf.

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Donnerstag, Januar 04, 2007

Nach Allepey zum Hausboot
Dienstag, 05. Dezember 2006

Sabu, unser Fahrer, holte uns morgens um 10.00 Uhr am Hotel ab. Während er wieder sehr pünktlich war, schafften wir es erneut, uns ordentlich zu verspäten und zerstörten damit wahrscheinlich endgültig das Bild von der deutschen Pünktlichkeit.

Auf der Autofahrt nach Allepey hielt Sabu zum Tanken an einer Tankstelle. Benzin fand ich verhältnismäßig teuer und etwas irritiert war ich, dass Sabu nach dem Tanken das Auto mehrmals ordentlich durchschüttelte. Auf meine Frage hin erläuterte er mir, dass so mehr Benzin in den Tank passen würde. Hmm. Entgegen der mir bekannten Autos befindet sich im Ambassador die Tanköffnung hinten im Kofferraum. Vermutlich hält das besser davon ab, den Tankinhalt abzusaugen. Danach fragen wollte ich ehrlich gesagt nicht mehr.

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In Allepey bestiegen wir unser Hausboot. Mir kam unser Urlaub bisher schon sehr unwirklich vor, was sicherlich daran lag, dass es mein 1. Indienaufenthalt war. Die Fahrt auf dem Hausboot hatte aber geradezu etwas Surreales für mich.


Das Boot war wirklich mit allem ausgestattet, was man sich so vorstellen kann, das Bad gefliest mit einem beleuchteten Waschbecken, in unserer großzügigen Kabine stand ein Doppelbett mit Moskitonetz, Fensterscheiben gab es keine, so dass man das Rauschen des Wassers hören konnte, während man im Bett lag.

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Auf dem Boot selber wurden wir beide mit einer frisch aufgeschlagenen Kokosnuss begrüßt. Unser Hausboot war definitiv eins der schönsten auf den gesamten Backwaters und als eines der ganz wenigen Boote mit einem Oberdeck ausgestattet. Dort standen zwei Liegestühle, die wir natürlich sofort in Beschlag nahmen. Unsere Crew bestand aus dem Reiseleiter Valentine, einem Koch (der sich immer ausgesprochen darüber freute, dass uns sein Essen so gut schmeckte) und zwei Steuerleuten. Ausser Valentine hielt sich die Crew insgesamt eher im Hintergrund, aber alle waren unheimlich freundlich zu uns.

Später stieg noch eine weitere deutsche Touristin hinzu, die die nächsten Tage mit uns auf dem Boot verbringen sollte. Als sie uns ihren Namen nannte, verstanden wir beide Fatima, richtig war wohl Martina, aber da sie sich in mancher Hinsicht indischer benahm als mancher echte Inder, blieb es für uns bei Fatima. Als allererstes machte sie uns darauf aufmerksam, dass sie das Essen lieber mit der Hand ißt. Denn von einem Bananenblatt mit Besteck essen?
'Das krieg ich jetzt echt nicht hin.'
Wir schon.

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Während unserer Fahrt veränderte sich die Landschaft eigentlich ständig. Mal fuhren wir an Reisplantagen vorbei, mal wurden die Backwaters schmaler, dann wieder breit wie ein großer Strom, mal war das Ufer dicht von Palmen gesäumt und anschließend hatte man weiten Blick ins Hinterland. Immer wieder sahen wir winkende Kinder, andere Hausboote, die Landschaft war bizarr und exotisch zugleich, wie ich es bisher nur von Bildern und vom Fernsehen her kenne. Manchmal kamen wir auch an kleineren oder größeren Entenansammlungen im Wasser vorbei. Hierbei handelte es sich um Entenfarmen, außerdem sah man immer wieder Ziegen oder Kühe. Alles hier wirkte ausgesprochen ländlich und friedlich.

Inmitten der Idylle erinnerte mich lediglich das ab zu ertönende Handyklingeln an schlechte Jambawerbung.

Einmal sahen wir wie ein Mann am Ufer auf seinem Fahrrad entlang fuhr, der in regelmäßigen Abständen immer 'hooo' rief. Valentine erzählte uns, dass es sich dabei um einen Fischverkäufer handelte, der Fisch verkaufen wollte. So direkt am Wasser war er offensichtlich nicht besonders erfolgreich, da es für die meisten wahrscheinlich einfacher und günstiger war, ihren eigenen Fisch direkt vor der Haustüre zu fangen.

Das Flussufer war rechts und links gesäumt von Kokos- und Bananenpalmen, dazwischen kleine Häuschen, Frauen, die ihre Wäsche im Fluss wuschen, Kinder tollten am Ufer entlang, ab und zu hörte man Hundegebell oder das Schnattern von Enten. Hin und wieder konnte man sehen, wie sich jemand im Fluß die Zähne putzte und immer wieder konnte man Fischer beim Angeln oder bei der Muschelsuche beobachten. Ansonsten hörte man nur das leise Motorgeräusch der Hausboote und ab und zu mal ein kleines Motorboot vorbeiziehen.

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Zur Mittagszeit bzw. genauer während des Essens lag unser Boot immer vor Anker, so daß der Koch das Essen zubereiten und anschließend in Ruhe gegessen werden konnte - zunächst die Gäste und danach die Crew. Ich fragte mich, ob sie für sich separat kochten oder unsere Reste bekamen. Essen gab es reichlich, immer wieder auf einem Bananenblatt serviert, fast immer war Fisch dabei, den unser Koch frisch auf einem der umliegenden Märkte eingekauft hatte, außerdem viel Gemüse und den typischen Keralareis (deutlich dicker und bissfester als der mir bekannte Reis, sehr gut). Valentine gestand uns, dass nur für die deutschen Touristen so mild gekocht wird und die typische Keralaküche eigentlich viel würziger sei.

Während des Essens stand eigentlich fast immer jemand von der Bootscrew in der Nähe, allerdings nicht, um uns beim Essen zu beobachten, sondern um sicherzugehen, dass es uns an nichts mangelt. Auf der einen Seite war es schön, so umsorgt zu werden, auf der anderen Seite machte ich mir Gedanken, dass ich möglicherweise unhöflich wirke, wenn ich etwas ablehne und fragte mich, welchen dekadenten Eindruck wir wohl bei der indischen Crew hinterlasse mochten.

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Mittwoch, Januar 03, 2007

Stadtrundfahrt und Kathakali
Montag, 04. Dezember 2006


Bei Tag hätte ich kaum für möglich gehalten, wie still es hier nachts wird. All die fremden Geräusche des Tages waren nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich weitgehend verstummt, man hörte Grillen zirpen oder mal ein fremdes Tier schreien, manchmal ein Motorrad und das leise Surren der Klimaanlage. Insgesamt war es sehr ruhig.

Bis zum nächsten Morgen. Als wir aufwachten, konnten wir an dem sehr typischen Geräuschpegel erkennen, dass wir direkt neben einer Schule wohnten.

Unser Fahrer Sabu, der uns auch die nächsten Tage begleiten würde, holte uns um 9.30 Uhr vor dem Hotel ab und war (im Gegensatz zu uns und unseren Erwartungen) ausgesprochen pünktlich. Mit dabei war noch ein englischsprechender Reiseführer, der uns die Sehenswürdigkeiten von Fort Kochi zeigen wollte. Mit einem Ambassador ließen wir uns durch die verwinkelten Gassen von Fort Kochi kutschieren, machten dabei verschiedene Zwischenstopps, an denen uns der Reiseführer sämtliche Sehenswürdigkeiten erläuterte. So zeigte er uns als erstes die St. Francis Church mit dem Grab von Vasco de Gama. Die Kirche wirkte auf mich ungewohnt hell und freundlich und es dauerte eine Weile bis ich merkte, dass dieser Eindruck an den weit geöffneten Fensterläden lag. Fensterscheiben gab es gar keine. So sah man von innen direkt in den grünen Kirchhof mit all den blühenden Pflanzen. Ich musste an unsere düsteren Kirchen denken, in die in der Regel kaum ein Strahl Tageslicht gelangt.

kirche


Danach fuhren wir weiter zu den chinesischen Fischernetzen am Hafen von Fort Kochi. War mir am Vortag bei unserem ersten Rundgang noch alles irgendwie beunruhigend fremd erschienen, machte Fort Kochin nach einer einigermaßen durchgeschlafenen Nacht einen völlig anderen Eindruck auf mich. Das Meer leuchtete, der Himmel war strahlend blau, auf den Straßen herrschte ein buntes Treiben und alles wirkte grün und lebhaft. Unser Reiseleiter nahm uns zu einem der großen Fischernetze mit, wo wir selber mal ein Netz aus dem Wasser ziehen konnten. Die meisten Inder, die ich sah, waren eher schmächtig und klein. Es war mir ein Rätsel, wie sie die mit einigen 70 kg schweren Steinen beschwerten Fischernetze scheinbar mühelos aus dem Wasser ziehen konnten. Bei mir sah es dagegen eher unbeholfen und schwerfällig aus.

Weiter ging es zur Santa Cruz Basilica, einer ausgesprochen kitschigen Kirche, die zu bunt und überladen wirkte und die mich lange nicht so faszinierte wie die St. Francis Church. Danach folgten die jüdische Synagoge mit ihren schönen Fliesen und der Dutch Palace, in dem unser Reiseleiter versuchte, uns die verschiedenen Gottheiten (und deren Inkarnationen) des Hinduismus näher zu bringen. Bei der großen Anzahl an Göttern kein einfaches Unterfangen.

dhobi


Zum Schluß besuchten wir noch eine indische Wäscherei, in der alle Tätigkeiten noch mit der Hand gemacht werden und auch das Bügeleisen noch wie zu Großmutters Zeiten mit Glut angeheizt wird. Mir kam zunächst automatisch der Gedanke, wie rückständig das ist, wo man schließlich auch in Indien elektrische Bügeleisen und Waschmaschinen kaufen kann. Aber all diese elektrischen Geräte kosten viel und verursachen hohe Folgekosten. Arbeitskraft dagegen ist unglaublich billig, so dass man ein Hemd für umgerechnet ca. 10 Cent von Hand waschen und bügeln lassen kann. Und dieses Hemd ist anschließend so ordentlich gebügelt wie ich es selber noch nie hinbekommen habe.

dhobi


Wie befürchtet lotste uns unser Reiseleiter zum Schluss noch in einen weiteren Souvenirladen, wo er höchstwahrscheinlich Provisionen erhielt, sofern seine Touristen dort etwas einkaufen. Genau wie gestern empfand ich auch hier das Stöbern bzw. Einkaufen als sehr unangenehm. Man muss schon eine ausgesprochene Hartnäckigkeit an den Tag legen, um sich von den zumindest aus meiner Sicht unglaublich penetranten Verkäufern nicht zum Kaufen nötigen zu lassen. Ein simples Nein wurde auch in diesem Geschäft überhaupt nicht wahrgenommen bzw. es wurde genauestens gefragt, warum wir nichts kaufen wollten. Ausflüchte nutzten gar nichts, da der Verkäufer immer noch ein Gegenargument parat hatte. Selbst die Aussage, wir bräuchten die Sachen nicht, ließ er nicht gelten:
'Man kauft nicht, weil man etwas braucht, sondern weil es Freude macht'.
Mein armer Daniel wirkte auf die Verkäufer wahrscheinlich immer wie ein Mann, der zu geizig ist, seiner Freundin ein Geschenk zu machen. Dabei weiß ich natürlich, dass das überhaupt nicht stimmt.

Nach der Stadtführung hatten wir dann ein paar Stunden Zeit zu unserer freien Verfügung bis wir nachmittags von Sabu zu einer Bootstour abgeholt wurden. Als wir aber am Hafen von Fort Kochi ankamen, musste Sabu allerdings feststellen, dass unser Boot im Schlick festsaß und daher nicht ins Wasser gezogen werden konnte. Also fuhr uns Sabu auf die andere Seite des Sees zum Hafen von Ernakulam, der Schwesternstadt von Kochi auf dem Festland.

Die Fahrt dorthin führte direkt durch den Feierabendverkehr und ich bekam mal einen richtigen Eindruck, wie man in Indien Auto fährt. Für eine Autofahrt in Mumbai reichte meine Vorstellungskraft danach gar nicht mehr aus, denn eigentlich war ich der Meinung, dass es schlimmer gar nicht mehr geht. Auf einem Motorrad sitzen in der Regel mindestens zwei Personen, die Frau sitzt meistens hinten, aber im Damensitz, so daß ich mich insgeheim fragte, ob sie in Rechtskurven nicht eigentlich hintenüber vom Motorrad fallen müsste. Vielfach sitzen noch 1/2 Kinder mit auf dem Motorrad, entweder irgendwo dazwischen oder noch vor dem Fahrer. Oder es wird irgendetwas Großes transportiert. Meine bisherigen Vorstellungen, was auf einem Motorrad oder Scooter so alles Platz hat, wurden völlig über den Haufen geworfen. In Indien herrscht grundsätzlich Linksverkehr. Grundsätzlich sage ich, weil meines Erachtens der normale Inder einfach dort fährt, wo er Platz findet, ganz egal, ob das nun links oder rechts auf der Straße ist. Vielfach ist das auch einfach in der Straßenmitte. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn ständig Autos direkt auf einen zufahren. Und während Sabu auf der Fahrt nach Ernakulam ständig nach rechts und links auf irgendwelche sehenswerten Dinge zeigte, hielt ich den Blick in der Zwischenzeit lieber geradeaus auf die Straße gerichtet.

Einer musste das ja tun.

Die Situation auf der anderen Seite war allerdings die gleiche ? zuviel Schlick durch Ebbe und daher keine Möglichkeit, Boote ins Wasser zu lassen. Nun könnte man natürlich sagen, dass sich Sabu das hätte denken können. Man könnte natürlich auch sagen, dass man das besser hätte organisieren können. Aber schließlich waren wir in Indien, über solche Dinge sollte man sich hier nicht ärgern und damit taten wir das auch nicht, sondern übten uns in Gelassenheit. So fuhr uns Sabu wieder mitten durch den Feierabendverkehr von Ernakulam zurück nach Fort Kochi. Und als Entschädigung für die entgangene Bootsfahrt bekamen wir Tickets für eine Kathakali-Aufführung.

strand


Leider hatte ich mich in Bezug auf meinen Jetlag etwas überschätzt, so dass mir auf der Stelle die Augen zufielen bei der für meine Ohren recht eintönigen Musik, dem gedämpften Licht und dem Geruch der umstehenden Öllämpchen. Ein wenig bekam ich noch von der sehr aufwändigen Schminkphase der Künstler mit, aber richtig wach wurde ich erst, als einem der Zuschauer hinter uns mit lautem Krachen die Rückenlehne brach. Ab da konnte ich mich auch wieder auf die skurrile Veranstaltung konzentrieren. Die Story ist schnell erzählt. Mann bedrängt Frau, diese wehrt sich, so dass er Gewalt anwendet. Frau heult sich bei Bruder aus, der daraufhin umgehend den Vergewaltiger umbringt.

Zunächst schminkten sich dazu die Tänzer sehr aufwändig mit verschiedenen Farben aus verschiedenen Materialien (z. B. Umbra), die zunächst gemahlen wurden, damit die Farbe weich wurde. Anschließend wurde anhand einer separaten Vorstellung gezeigt, welche Gesten, Gesichtsausdrück und Tanzschritte für einzelne Aussagen stehen, denn das gesamte Schauspiel findet ohne Worte statt. Man sollte sich also im Schnelldurchlauf alles merken, was anhand dieser kurzen Einführung erläutert wurde. Für Touristen ist das kaum möglich, aber früher war Kathakali auch noch keine Touristenattraktion, sondern richtiges Schauspiel, das bis zu sechs Stunden dauern konnte. Nach der Erläuterung ging das Stück los, sehr exotisch, erstaunlich, skurril, die einzigen Zuschauer waren Touristen. Wahrscheinlich ist dieses Spektakel für Inder heute so etwas Ähnliches wie für uns Steiners Theaterstadel. Ein wenig kam ich mir vor wie in einer Traumschiff-Folge: Man schaut sich Dinge an, die einem, wenn man ehrlich ist, nicht wirklich gefallen, aber da sie aus einem fremden Land kommen, klatscht man trotzdem hinterher und ist beeindruckt.

strand


Nach ca. 2 ½ h war das Spektakel vorbei und ich wieder richtig ausgeschlafen. So begaben wir uns direkt nach nebenan ins Old Port, das uns unser Reiseführer und unser Hotel empfohlen hatte. Das Essen war rustikal und lecker, inbesondere das Butternaan hatte es mir angetan.

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Dienstag, Januar 02, 2007

Ankunft in Fort Kochi
Sonntag, 03. Dezember 2006

Bei der Ankunft in Kochi erwartete uns ein aus unserer Sicht* kleiner Provinzflughafen mit zahlreichen fremden Gerüchen, viele Reisende hatten Kinder dabei, die uns anlachten und winkten. Es waren kaum nicht-indische Touristen dabei, alle warteten geduldig in der endlos langen Schlange am Immigration-Office, die unglaublich langsam kürzer wurde. Der Immigration-Officer freute sich, dass er auf deutsch "Guten Morgen" sagen konnte.

Wir uns auch.

Am Flughafen wurden wir von einem Taxifahrer abgeholt, dessen Name so ähnlich wie Richie klang und der mich bei der Begrüßung als Daniels weibliche Begleitung geflissentlich übersah. Auch mal etwas ganz Neues für mich, woran ich mich aber die nächsten Wochen gewöhnen musste (das wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht). Abgesehen davon, dass ich als Frau für ihn keine bedeutende Rolle spielte, war er aber ansonsten ausgesprochen freundlich und erzählte uns Daniel auf der ca. 1-stündigen Fahrt zum Hotel schon einiges über die Stadt und Indien an sich. Während der Fahrt schnallte er sich etwa viermal an und wieder ab, was mir die Gewissheit gab, dass er sich definitiv nicht zu seiner eigenen Sicherheit anschnallte (was aus meiner Sicht dringend notwendig gewesen wäre), sondern lediglich weil irgendwo ein Polizist in der Nähe war. Obwohl es Sonntag war und daher der Verkehr nur halb so wild wie an einem Werktag, überzeugte mich schon der erste Eindruck, dass in Indien wirklich jeder fährt wie er kann. Laut unserem Taxifahrer benötigt man drei Dinge beim Autofahren:
'A good brake, a good horn and good luck.'
Das klang für mich einleuchtend, nur war mir noch nicht ganz klar, wozu die Hupe nutzen sollte. Hupen tat hier jeder und zwar ständig und aus meiner Sicht auch ohne ein entsprechendes Konzept dabei.

ambassador

Ich nahm mir vor, das weiter zu beobachten.

Schon auf der Fahrt zum Hotel bekamen wir einen recht bunten Eindruck von unserer neuen Umgebung. Wegen des Abfalls, der vielfach am Rand der Straßen herumlag, waren etliche Krähen unterwegs, herrliche Häuser standen direkt neben eingefallenen Baracken, dazwischen immer wieder Kokospalmen und exotische Landschaft. So wechselte sich Schönes mit Hässlichem ab und ich wurde nicht müde, aus dem Autofenster heraus alles zu beobachten.

Schließlich kamen wir im Hotel Raintree Lodge an, einem netten, kleinen Hotel mit sehr freundlichen Mitarbeitern. Der junge Mann, der unser Gepäck scheinbar mühelos die Treppe zu unserem Zimmer hinauftrug, war weniger als halb so breit wie ich und ich musste daran denken, wie ich rumgemault hatte, als ich den Koffer in Köln die Treppe hinaufschleppen musste. Unser Zimmer war schön, sehr sauber und hatte einen kleinen Balkon auf die Straße hinaus. Da wir mittlerweile doch ziemlich müde waren, schliefen wir erst einmal eine Runde auf dem breiten Bett. Immerhin fehlte uns eine Nacht, die wir im Flugzeug bzw. in Dubai auf dem Flughafen verbracht hatten.

raintree

Nach unserem Mittagschlaf waren wir beide ziemlich unentschlossen, was wir nun als nächstes tun sollten. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nirgendwo so fremd gefühlt wie hier in dieser indischen Stadt in der für mich alles unbekannt war und wo ich überhaupt nicht wusste, was man tun kann und was man lieber lässt, ich sprach die Sprache der Menschen hier nicht, wusste ihre Gesten nicht zu deuten und mir gingen so blöde Gedanken durch den Kopf, ob es möglicherweise gefährlich sei, zu Fuß durch die Stadt zu laufen. In dem Moment wäre ich am liebsten einfach nur im Bett liegen geblieben, schob diese Gedanken glücklicherweise aber auf Müdigkeit und Jetlag.

Der sehr nette junge Mann am Empfang erklärt uns geduldig und ausgiebig, was wir alles in Fort Kochi machen konnten und wir merkten erst jetzt, wie nah wir am Wasser wohnten. So entschieden wir uns also für einen ersten Spaziergang und waren wirklich in fünf Minuten schon am Meer.

strand

Da Sonntag war, waren viele Inder am Strand (der kein Strand nach unserem Verständnis war) unterwegs, etliche von ihnen sehr hübsch herausgeputzt und auch wieder sehr viele Kinder dabei, die sich unbändig freuten, wenn sie uns sahen. Sie winkten uns zu oder probierten ihre Englischkenntnisse aus, während uns die Erwachsenen in der Regel unverhohlen anstarrten. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich der Exot bin, denn allzu viele nicht-indische Touristen sah man hier nicht und ich hätte mir vorher auch nicht träumen lassen, dass mich der Anblick von Touristen in der Fremde mal so erfreuen würde. Hier in Fort Kochi war mir aber so vieles fremd, dass ich beinahe erleichtert aufatmete, als mir der erste Tourist über den Weg lief. So hatte ich wenigstens das Gefühl, dass sich hier auch noch andere Menschen genauso mit all dem Fremden auseinandersetzen mussten wie ich.

Daniel und ich liefen einmal am Strand an der schmalen Promenade entlang, uns bot sich ein völlig anderes Bild als wir es bisher von unseren Reisen kannten, die Geräusche waren neu, die Gerüche unbekannt und mir schien alles so fremd, dass ich mich in meiner Müdigkeit am liebsten in meinem Hotelzimmer verkrochen hätte.

strand

Auf dem Rückweg zum Hotel wollten wir auch kurz in einen Andenkenladen einkehren. Hier lernten wir allerdings die weniger schöne Seite des freundlichen Services kennen, denn der Verkäufer bedrängte uns auf kaum vorstellbare Art und Weise, doch unbedingt etwas bei ihm zu kaufen. Er war fast nicht abzuschütteln und wir konnten ihm schwer klarmachen, daß auch wir nicht einfach mal so im Vorbeigehen einen Pashmina für 60 Euro mitnehmen. Aber für indische Verhältnisse sind wir als Touristen natürlich Goldesel, die es unbedingt zu schröpfen gilt. Das sollten wir während unserer Reise leider noch öfter feststellen.


Nach unserem Spaziergang gönnten wir uns erst einmal eine kleine Lesepause auf der hübschen Dachterrasse des Hotels, von der man einen wunderschönen Blick auf Palmen, eine Kirche, verwinkelte Gärten und andere Dachterrassen hatte. Wir beobachteten den relativ kurzen Sonnenuntergang mit seinem typischen leuchtenden Dämmerlicht, den wir in nächster Zeit noch häufiger sehen sollten. Ein wirklich herrlicher Anblick.

dach

Abends aßen wir im Malabar House mit Lifemusik. Das Restaurant war ausschließlich von Touristen besucht und während wir dort saßen, dachte ich mir, daß wir gerade genauso in einem indischen Restaurant am Prenzlauer Berg sein könnten. Ich verwarf den Gedanken allerdings sofort, als wir nach dem Essen wieder auf der unasphaltierten Straße standen, den kreuz- und querfahrenden Motorrädern auswichen und die aufdringlichen TukTuk-Fahrer abwiegeln mußten, da wir die paar Meter doch lieber zu Fuß gehen wollten. Das Essen war übrigens ausgezeichnet. Ich war begeistert von meinem Fischcurry, da ich bisher nur selten so feinen Fisch gegessen hatte. Aber auch das sollte in den nächsten Wochen häufiger vorkommen.

Weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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* ein Begriff, der mir so oder ähnlich in den nächsten Wochen noch häufiger durch den Kopf gehen sollte.

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Montag, Januar 01, 2007

Indien - es geht los

Als Ende November unser Urlaub begann, schienen mir die 4 ½ freien Wochen, die vor uns lagen, unglaublich lang, Weihnachten war ganz weit weg, die Arbeit schon ab dem 1. Urlaubstag in weite Ferne gerückt. Stattdessen stand unser Indienurlaub vor der Tür.

Heute liegt alles leider schon wieder hinter uns, der Flug nach Kochi in Kerala ist lange vorbei, auch Weihnachten mit alle seinen Geschenken und Besuchen ist zu Ende gefeiert und in zwei Tagen heißt es wieder arbeiten.

Es gibt aber einiges zu erzählen, denn ich habe im Urlaub fleißig mitgeschrieben und so nach und nach werde ich jetzt mein Blog mit Indienbeiträgen füllen. Schade für diejenigen, die das nicht so interessiert, aber dazwischen ist mit Sicherheit auch immer wieder mal etwas für die weniger Reiselustigen dabei :-)

Flug von Düsseldorf über Dubai nach Kochi

Samstag, 02. Dezember 2006

Samstag, der 02. Dezember, heute war der große Tag, an dem Daniel und ich endlich nach Indien fliegen sollten, mit Emirates nach Kochi, der 'Perle' Indiens etwa in der Mitte des Bundesstaats Kerala an der Küste gelegen. Die Inder sagen in der Regel Kerla, das "A" in der Mitte hört man kaum bis gar nicht. Das hatte ich mir schon im Vorfeld gemerkt, ansonsten brachte ich aber die alten britischen und die neuen indischen Namen regelmäßig durcheinander.

Am Flughafen trafen wir ein deutsches Paar, das für 5 Monate durch Indien reisen wollte. Der Mann erzählte uns natürlich sofort, dass er sich vor 15 Jahren in Indien eine schlimme Malaria eingefangen hatte:
'Muss in Kochi gewesen sein.'
So etwas hasse ich ja.

In Dubai hatten wir einen kurzen Zwischenstopp und der Flughafen war so überkandidelt wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Überall blinkte es nur so vor lauter Gold und Silber, man konnte unglaublich teuren Schmuck kaufen und sogar die Flughafenuhr war eine Rolex. Die Plumpsklos haben mich dann doch etwas überrascht. Eigentlich hatte ich hier stattdessen mit einem beheizbaren Thron mit Samtüberzug gerechnet.

Dubai

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Montag, Dezember 18, 2006

Grüße aus Siolim

Nur noch 5 Tage Urlaub übrig, heute ist der letzte Tag vor dem Transfer nach Mumbai und wir sind im Siolim House eingetroffen. Sehr schön hier, ein ganz anderes Flair als in der Villa Rivercat, aber auch sehr ruhig (obwohl wir diesmal in der "Ortsmitte" wohnen...).

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Samstag, Dezember 09, 2006

Kurzes Lebenszeichen aus der Ferne

Uns geht es gut, wir erholen uns prächtig!

Rest der Stachelpalme

Ein ausführlicher Bericht folgt...

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Sonntag, März 19, 2006

Goa und die Renter

Anscheinend habe ich bei meiner Beschreibung der Goa-Zielgruppen eine neue, aufstrebende Zielgruppe vergessen:

Die Rentner.

Danke an Tobi für den Hinweis, ich hoffe, das war keine Anspielung auf unser Alter/unsere Urlaubspläne.

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Mittwoch, Februar 08, 2006

Indien - Panjim oder wie ich wieder lernte, nein zu sagen

Goa

Goa war super, Mandrem Beach, ein Platz an dem man sich in Ruhe vom Stress der letzten Tage, der Hektik der Weihnachtszeit und dem des Jahresendes erholen konnte.

Goa

Super Idee, jedem anzuraten, hält aber nur solange vor, wie man nicht auf die Idee konmt, auf der Rückfahrt die Fahrt zum Flughafen mit einer kleinen Rundfahrt durch Goa zu kombinieren (Schwabenansatz: spart Zeit und Geld, wenn man sowieso schon zurückfährt, dann kann man auch gleich den ganzen Tag dafür nutzen und sich die Gegend ansehen).

Alt-Goa

Alt Goa war beeindruckend, die alten Kirchen und Anlagen, man konnte sich richtig vorstellen, wie das alles zur Zeit der Portugiesen mit Leben erfüllt war.

Alt-Goa

Panjim war, wie soll ich es nur sagen, "special". Der Taxifahrer hat mich, wir hatten nur noch eine Stunde, nach Panjim in die Nähe der Kirche gefahren. Die Kirche ist beeindruckend, am Berg gelegen, 1000000 Stufen, die ich bei 30 Grad nicht erklimmen wollte. Daher war Shopping angesagt, Geschenke für die Familie, Tobi den gewünschten Buddah; dann noch den nicht gewünschten, als Überaschung geplanten indischen Rum (Old Monk).

Panjim

Also die Einkaufstrasse hoch und runtergelaufen, um mal zu sehen, was die Läden so im Angebot haben. Der eigentliche Einkauf hätte dann auch schnell durchgeführt werden können, hätte ich nicht alle 5 Meter einen fliegenden Händler mit n+1 "NO" vergraulen müssen. Jeden Händler mindestens 4 mal, jeweils beim Erkunden der Läden, dann auch beim eigentlichen Einkauf.

Glück im Unglück: Meine Kollegen können sich freuen, mein Vorrat an no habe ich jetzt schon an die Goaner Verkäufer verbraucht, das heisst, die bekommen jetzt eine Weile nur noch ein ja, aber :-)

Nachtrag: Auch hier gilt wieder: Nachts um 3 am weltbesten Flughafen geschrieben (wie auch die anderen Beiträge), daher evtl. etwas verzerrt, wenn man mehr Zeit in Panjim verbringt (z.b. wie das Wortschnittchen) bekommt man sicher einen besseren/anderen Eindruck von Panjim...

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Montag, Februar 06, 2006

Indien - Goa, Teil 2

Hotel Rivercat

Die Villa Rivercat hatte anfangs bei der Auwahl einen schweren Stand bei mir. Die Bilder sahen fantastisch aus, aber der Preis passte irgendwie nicht dazu. Dagmars erste Vermutung (Jugendherberge) erwies sich allerdings als falsch, dazu gleich mehr. Darüberhinaus wurde auch noch eine Vorauszahlung via Western Union verlangt, dass roch doch arg nach 419 Scam. Habe dann aber doch kurzentschlossen gebucht, laut Wikipedia sollte das Hotel auch an einem sehr ruhigen Strand liegen. Wie schon gestern angedeutet, war das Hotel perfekt für mich.

Villa Rivercat

Nach einer 90 minütigen Fahrt vom Flughafen erwartete mich eine Oase der Ruhe, mit zahlreichen Hunden und Katzen, idyllisch an einem Fluss gelegen.

Villa Rivercat

Da der Flug schon um 5:30 startete (Begründung der Organisatoren: damit ich noch was vom Tag hätte) und ich daher schon um 3:30 aufstehen musste, setzte ich mich erst mal in den am Fluss gelegenen Garten und schlief eine Runde. Dann Auspacken, Lesestoff raus, in die Hängematte rein, Lesen, von der Hängematte in den Hängestuhl, danach in den Liegesessel, wieder in den Hängestuhl, oh, schon dunkel?

Villa Rivercat

Na gut, dann sich vom sehr freundlichen und extrem entspannten Chef beraten lassen (Chicken Tikka, this time) und zusammen mit ihm essen.

Lecker

Dabei habe ich erfahren, dass er das Hotel als Steckenpferd betreibt und eigentlich eine Firma mit Export von indischem Kram und 500 (roundabout) Filialen in 3 Kontinenten besitzt. Die Firma läuft jetzt ohne ihn und er kann sich ganz seiner Muse hingeben: seinem Hotel. Eigentlich seinen Hotels, denn er arbeitet schon an einem zweiten, ganz in der Nähe.

Villa Rivercat

Das Haus ist wirklich cool, Hängematten überall, die Zimmer schlicht eingerichtet, aber liebevoll gestaltet, wie auch der ganze Eingang. Der Garten ist allerdings der Blickfang, direkt am Fluss, mit diversen Liegemöglichkeiten. Der Strand erwies sich ebenso als perfekt, keine Trödler wie ein paar Kilometer weiter nördlich, die einem irgendwas andrehen wollen, keine Trance-Beats und Hütten sondern Sand und Meer, ganz für dich mich alleine.

So stellte sich schnell ein Tagesrhythmus ein. Aufwachen, in den Garten legen, etwas Lesen, Mittags an den Strand, Spaziergang zur weissen Pyramide (3 km Strandspaziergang), da eine Flasche Wasser und ein Sandwich und lesen, wieder am Strand entlang, auch mal die andere Richtung, zurück zum Hotel, ab in die Hängematte und schwupps ist es schon wieder abends 8 Uhr, die Kellner kommen, Qual der Wahl, was will ich zum Abendessen?

Strand

Alles in allem, sehr enstpannte 3 Tage, die ich gerne etwas ausdehnen würde, muss nur noch Daggi dazu überreden.

Strand


Nachtrag: Auch dieser Text ist wie die anderen Nachts um 3 Uhr am armseligen Flughafen von Bombay geschrieben, das "Daggi-überzeugen" scheint nach der Präsentation der Bilder erfolgreich verlaufen zu sein.

Daggi: "Da will ich auch hin!"


Villa Rivercat

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Sonntag, Februar 05, 2006

Indien - Goa

Goa

Goa hat zur Zeit anscheinend zwei Zielgruppen. Die immer verstrahlten Alt-Hippies und Neu-Hardtrance Fans, die alles Geld für Pilze, Pappen, Pillen, und Seelenheil verbraten und daher auch für 3$ die wackelige Bambushütte am Strand mieten. Toilette braucht es da keine, der liebe Gott hat es gegeben und wird es auch wieder nehmen, ein Busch/eine Palme findet sich immer. Rastas sind dann auch ein "must", oder eine schicke wilde Frisur/Haarfarbe und Tattoos - ganz wichtig, man ist ja anders, ausgeflippt, unangepasst in seiner Uniformität, irgendwie muss ja die Peer Group dann doch passen. Dann noch ein paar Jonglierbälle, Feuerkram und Fahnen und man ist der König der Welt Bambushüte.

Hütten


Oder man hat viel Geld durch Drogen (bei Zielgruppe 1), Öl oder andere dubiose Geschäfte verdient und kann sich die 200+ Dollar/Tag Beach Ressorts leisten, abgeschirmt von all dem Elend (nicht nur Zielgruppe 1, vor allem den Einheimischen selbst) abgeschottet in seinem Strandabschnitt, eigenem Pool (den man ja auch braucht, weil das Meer 200 Meter von der Liege enfernt ist) und Vollpension. Nur nicht rausgehen, reality bites, ob DomRep, Malle oder Gran Canaria, Hauptsache die Sonne scheint und die Peer Group stimmt (hier unterscheiden sie sich wenigstens nicht von der anderen Zielgruppe).

Goa


Dummerweise höre ich kein Trance oder Hendrix und habe auch keine Ölfirma in Rußland, wollte aber trotzdem nach Goa, wenn auch nur für 3 Tage. Zielgruppe Spiesser, der einfach mal ohne Zwangsparty (sei es Goa-Trance oder Clubanimation) in Ruhe etwas entspannen wollte. Beachressort war kein Thema, Strandhütte auch nicht, die Studentenzeiten sind vorbei, man ist alt und bequem geworden. Also die übliche Vorgehensweise, Internet anwerfen (=googlen) und kleine Hotels suchen. Vier waren in der engeren Auswahl und guess what, Haupttreffer. Mehr dazu allerdings morgen im nächsten Teil.

Goa


Anmerkung: Evtl. beeinträchtigte das erschreckende Erlebnis am Flughafen Mumbai die Objektivität der Berichterstattung, da ich den Text (mangels Zeitung) dort nachts am Flughafen getippt habe...

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Samstag, Januar 21, 2006

Indien - Teil II

Sound horn

Was bedeutet der Hinweis sound horn an einem Auto/LKW in Indien?

Auflösung in den Kommentaren

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Montag, Januar 09, 2006

BombayMumbai - Indien, Teil I

(geschrieben um 2 Uhr nachts, vor Ort)....
Stadt der 16 millionen einwohner, Weltstadt, die neben einer grossen Zahl an 5+Sterne Hotels auch 2 Flughäfen besitzt, einen nationalen und eine internationalen ist:
Ein Dreckloch.
Ein kleines, mieses Vorstadtnest.
Provinz.
Utterly, utterly Frankfurt Hahn.
Nein, nicht nur, weil der Weltstadtflughafen die Atmosphäre einer Bahnhofskneipe versprüht (hier wurde ich schon vorgewarnt), vielmehr wegen eines entscheidenden Umstands:
Der gesamte Flughafen hat KEINEN Zeitungsladen.
KEINEN
EINZIGEN
Zeitungsladen
.
Keinen.

Ich dache zuerst, der Oberaufseher der Immigrations-Behörde wollte mich auf den Arm nehmen, musste ihm dann aber nach einer kurzen Suche Recht geben.
Zum Glück hatte ich noch eine eiserne Notreserve im Rucksack.

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Freitag, Dezember 16, 2005

Goa, 32 Grad, Sonne, leerer Strand.
:-)

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