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Daggis Leben - Notizen aus der Vorstadt

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Mittwoch, Januar 31, 2007

Procurement

eine kleine Geschichte über perfekten Support und die beste Möglicheit, sein Hardwarelager aufzustocken...
Ob das auch bei Wiis gehen würde?



Dienstag, Januar 30, 2007

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa


27:25



Kölsche Jungs

Handballviertelfinale, mal wieder Spanien - Deutschland. Ich bin ja eingefleischter Handball-Fan und habe mir daher die meisten übertragenen Spiele angesehen, aber bei der letzten Übertragung bin ich extrem erschrocken. Nicht weil die Isländer stark waren, nein, der Song zur Handball-WM wird von den Höhnern gesungen.

Unfassbares Grauen, ich kann jetzt Daggis Gefühle nachempfinden.

Natürlich stellt sich mir die Frage, was die Höhner (bzw. die kölsche Kultur) und Handball gemeinsam haben. Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten auch nix, die einzige Gemeinsamkeit könnte auf den dritten Blick sein, dass man sowohl beim Handball als auch im kölschen Brauhaus viel Ellbogeneinsatz braucht, um durchzukommen. Ein Kollege meinte außerdem, dass es noch eine Gemeinsamkeit gibt...

Passend dazu sind wir auch alle Trainer:

bildbeschreibung


Und jetzt schaue ich mir das Spiel an und pflege meinen Herzinfarkt.



2000 Bloggers

bildbeschreibung

nette Idee

via quickonlinetips



Montag, Januar 29, 2007

Im Baumhaus oder Wie hoch sind eigentlich 20 Meter?
Sonntag, 10. Dezember 2007

Als wir mit dem ausgetauschten Jeep endlich im Green Magic Resort in Vythiri ankamen, verschlug es mir beim Anblick des Baumhauses erst einmal die Sprache. Aus der Nähe sah es doch deutlich zusammengeschusterter aus als ich gedacht hatte. Davon mal abgesehen wurde mir erst jetzt richtig bewusst, wie hoch 20 Meter wirklich sind. Der kleine Lift zum Baumhaus schaukelte friedlich im Abendlicht und ich fühlte mich zum ersten Mal an diesem Tag wirklich unbehaglich.

bildbeschreibung

Ein Seitenblick auf Daniel zeigte mir, dass es ihm nicht anders ging.

Zwei Mann zogen uns die 20 Meter nach oben, mit einer zweiten Fuhre folgte unser Gepäck. Oben angekommen, schauten wir uns ein wenig ratlos an und begannen dann sehr vorsichtig, das Baumhaus genauer zu erkunden. Ich habe wirklich noch nie unter Höhenangst gelitten und mir wird auch normalerweise nicht schwindelig, wenn ich aus großer Höhe nach unten schaue. Aber dieses Baumhaus war doch noch ganz anders. Es gab insgesamt drei Stockwerke. Unten befand sich auf einer großzügigen Plattform in der Mitte ein Schlafraum, an den das Badezimmer grenzte. Drumherum gab es eine Art Veranda mit Sitzgelegenheit. Alles war offen, lediglich das Schlafzimmer war mit Wänden abgetrennt und hatte eine Tür. Die Dusche befand sich quasi direkt im Freien, was ja eigentlich auch gar nicht schlimm gewesen wäre, wenn es dahinter nicht 20 Meter abwärts gegangen wäre. Im 2. Stock befand sich ein weiteres Schlafzimmer mit Badezimmer und darüber noch eine winzige Sitzecke. Daniel ging gar nicht erst nach oben. Ich schaute mir noch das zweite Zimmer an und warf einen Blick in den 3. Stock, danach war es beschlossene Sache, dass wir dort auf keinen Fall schlafen würden. Die winzige Wendeltreppe war abenteuerlich und bei jedem Schritt bogen sich die Bodenplatten bedenklich durch. Außerdem hatte sich Daniel schon an der deutlich größeren Wendeltreppe auf dem Hausboot den Kopf blutig geschlagen.

bildbeschreibung

Im Baumhaus gab es elektrisches Licht, allerdings wurde der Generator dafür erst um 18.00 Uhr an- und gegen später wieder abgestellt. Für die Zeit dazwischen gab es entweder Tageslicht oder Kerzen. Um 20.00 Uhr wollte man uns wieder zum Essen herunterholen. Auf meine Frage, wie wir uns denn bemerkbar machen könnten, erklärte uns der Hotelmanager, wir sollten einfach laut rufen.

Mit sehr mulmigem Gefühl saßen Daniel und ich nun da oben in unserem Baumhaus und überlegten, was wir tun sollten. Wir waren uns beide nicht sicher, ob uns das alles so richtig gefiel. Um uns herum war es stockfinster, lediglich die Terrasse mit der Küche 20 Meter unter uns war spärlich beleuchtet. Langsam begannen sich auch immer mehr Insekten für uns zu interessieren, dazu wurde es richtig kalt, so dass ich sehr froh war über meine Winterjacke, die ich auf der Fahrt zum Düsseldorfer Flughafen getragen hatte.

Nach zwei sehr langen Stunden war Essenszeit, allerdings schien sich unten nichts zu rühren. Aber lautes Rufen sollte ja ausreichen. Also rief ich. Erst laut. Dann lauter. Ich war müde, kaputt, ich hatte ein ausgesprochen flaues Gefühl im Magen, dazu all die Insekten um mich herum . Ich wollte einfach nur noch festen Boden unter den Füßen haben. Auf meine ersten Rufe konnte ich überhaupt keine Reaktion auf der Veranda erkennen. Vermutlich wurde jedes Geräusch vom lauten Rauschen des Baches geschluckt. Nach immer lauterem Rufen - ich klang schon deutlich gereizter - antwortete mir unten jemand, allerdings konnte ich praktisch nichts verstehen. Und erst recht konnte ich nicht erkennen, ob sich jemand in Richtung Lift bewegte.

bildbeschreibung

Richtig Panik bekamen Daniel und ich, als wir nun vor dem wenig vertrauenerweckenden Lift standen und beide nicht wußten, ob da unten wirklich jemand war, der uns herunterlassen bzw. den Lift halten würde. Spätestens in dem Moment war uns wohl klar, dass wir nicht im Baumhaus übernachten konnten. Selbst als ich ein Rucken an dem Liftseil bemerkte, war ich nicht hundertprozentig sicher, ob da jemand an dem Seil zog, um auf sich aufmerksam zu machen, oder ob es lediglich der Wind war, der das Seil in Bewegung versetzte. Ein wirklich unangenehmes Gefühl und der Gedanke an die 20 Meter abwärts machte es nicht besser.

Als wir endlich unten waren, fragten wir den Manager, ob wir das Treehouse gegen ein normales Zimmer eintauschen könnten. Zum Glück war das kein Problem und insgeheim vermutete ich, dass wir nicht die ersten Gäste waren, die sich ein wenig überschätzt hatten. Auf jeden Fall waren wir beide wirklich sehr erleichtert. Richtig aufatmen konnten wir aber erst, als wir nach dem sehr leckeren Essen auf der Veranda mit unserem Gepäck das neue Appartment betraten.

Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (auf der folgenden Seite weitere, ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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Sonntag, Januar 28, 2007

Ambient Festival in St. Aposteln

Er so:
Ambient Festival in einer der alten romanischen Kirchen - klingt spannend, dachte ich mir und daher gingen wir am Freitag relativ spontan ins Konzert. Die Kirche war sehr schön ausgeleuchtet, der DJ am Anfang legte entspannende Ambientklänge auf und ich war schon auf die "Computer-Live" Performace gespannt. Im Vorfeld hatte ich Daggi ein paar Pop Ambient Platten vorgespielt, die ihren Gefallen fanden und ich dachte leider nicht daran, dass auch noch ein "anderes" Ambient gepielt werden könnte - was dann der Fall war. Ich fand die Performance sehr spannend, die Geräuschkulisse spannte für mich eine Geschichte auf und auch den Rahmen der Kirche fand ich sehr passend für diese Art von Musik. Leider konnte ich das anschliessende Set nicht mehr anhören, da Daggi genug hatte.

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Zum Glück konnte ich sie aber zu einem weiteren Versuch überreden, Marsen Jules (neue Platte auf seiner Webseite kann man auch ein mp3 anhören/runterladen) anzuhören und so machten wir uns am Samstag wieder auf nach St. Aposteln. Diesmal gab es zwei Konzerte, zuerst Marsen Jules solo, dann in Begleitung von zwei Geigen. VJs waren auch dabei. Das Konzert war super (beide Teile), ein sehr schöner und entspannender Abend, der auch Daggi besser gefallen hat.

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Sie so:
Die erste Stunde am Freitag abend hat mir richtig gut gefallen. Die Musik präsentierte sich mir wie ein warmer Klangteppich, der sofort bewirkte, dass meine Gedanken ihre eigenen Wege gingen und völlig abschweiften. Das gedämpfte Licht in der Kirche und die Lichtspiele an den Wänden taten ihr Übriges dazu. Das Konzert hatte fast etwas Meditatives und die Welt schien für mich in Ordnung. Die eisige Kälte draußen war ganz weit weg.

In diesem Gemütszustand befand ich mich bis der zweite Künstler mit seiner Darbietung begann. Es dauerte nur wenige Minuten und ich hatte das Gefühl, für meine Ohren war die Schmerzgrenze des Hörbaren längst überschritten und ich schwankte zwischen dem Gedanken an einen Bahnhof, durch den eben mal ein langer Güterzug raste, und an ein Flugzeug, bei dem gerade die Turbinen angeworfen wurde. Und ich direkt daneben. Das einzige Gefühl, dass diese Musik dieser Lärm bei mir hervorrief, war pure Aggression und als ich nach einer weiteren Stunde* die Kirche verließ, war ich einfach nur richtig wütend, bis mich Daniel langsam wieder beruhigen konnte.

bildbeschreibung

Am Samstag sind wir trotzdem nochmal hin. Und nachdem ich diesmal die Musik mit Geigen und Klavier wirklich genießen konnte, war ich auch wieder ein kleines bißchen versöhnt.

---
* Eine halbe Stunde, weil ich irgendwie doch die ganze Zeit dachte, dieses Inferno muß gleich aufhören und dann fängt es richtig an. Mit Musik.



Samstag, Januar 27, 2007

James Bond

Eventuell ist mein Geekfaktor schon zu hoch, aber mir ist vor kurzem, als wir uns einen James Bond (Liebesgrüße aus Moskau) angesehen haben, aufgefallen, daß alle James Bond Filme nicht nur eine Struktur haben, die Computerspielen sehr ähnelt, nein, ein James Bond ist wie eine Mischung aus verschiedenen Computerspielgenres.

Jeder Film ist wie ein Spiel, nicht interaktiv, mit linearen Leveldesign, eine Mischung aus Jump and Run, Adventure und Larry, mit regelmäßigen Zwischengegnern und einem Bosskampf. Bis auf Casino Royal - da ist der Bosskampf am Ende eher mau.



Freitag, Januar 26, 2007

Mit dem Bähnchen Mit dem Auto nach Ooty
Sonntag, 10. Dezember 2006

Um 7.00 Uhr machten wir uns mit Sabu auf den Weg nach Ooty. Unser Weg führte uns wieder durch wunderschöne Landschaft, die Straßen gingen steil bergauf, aber trotzdem fuhren die Busse in einem mörderischen Tempo.

ooty

Das war wirklich noch viel schlimmer als in Italien. Vor jeder Kurve wird einfach langanhaltend gehupt, ob man etwas sehen kann oder nicht und ein Bus wird trotzdem überholt. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie der Verkehr in Indien funktioniert, aber in Teilen ist es wohl mehr ein Miteinander als ich das von Deutschland kenne. Will man beispielsweise einen Bus oder LKW überholen, gibt der Busfahrer Handzeichen, ob man fahren kann oder nicht. Kommt ein überholendes Auto in Bedrängnis, da unerwarteter Gegenverkehr auftaucht, hält nicht etwa der Überholende, sondern die beiden anderen Fahrzeuge bremsen ab, damit der Überholvorgang durchgeführt werden kann. Gehupt wird in der Regel nicht (meine ich zumindest), um dem anderen zu signalisieren, wie beschissen sein Fahrstil ist, sondern um jemanden zu warnen oder einen Überholvorgang anzukündigen. An Bussen und LKWs sieht man sehr häufig auch ein Schild Sound horn, da die Fahrer selten in den Rückspiegel oder anderweitig nach hinten schauen.

Sound horn

Und es schert sich auch keiner darum, wenn man mit einem 10-cm-breiten Abstand an ihm vorbeipfeift, das gehört hier dazu. Ich wäre als Fahrer schon längst einem Herzinfarkt nahegewesen und zog es daher vor, gar nicht weiter nach vorne zu schauen, sondern lieber die Landschaft zu genießen.

bildbeschreibung

In Indien wird ja überlicherweise alles mit Manpower erledigt, da das günstiger ist als viel Technik. So sahen wir zum Beispiel einmal an einer Mautstelle, wie man gleich drei Personen beschäftigen kann: Einer händigte den Passierschein aus, einer kassierte und einer hielt das Stoppschild hoch, bis der Autofahrer bezahlt hatte. Aus meiner Sicht wären auch zum Fahren zwei Personen optimal gewesen: Einer der lenkt (und dabei gelegentlich noch telefoniert) und einer der die Hupe betätigt.


Während der Fahrt nach Ooty teilte uns Sabu mit, dass wir mit dem Auto nicht über die Mainroad fahren konnten, da auch hier eine Brücke eingestürzt war. Sabu wusste aber zum Glück noch einen anderen Weg und konnte uns auf dieser Strecke wieder einiges zeigen, unter anderem die vielen Affen, die sich immer wieder am Straßenrand tummelten.

bildbeschreibung

In einem kleinen Ort machten wir einen kurzen Zwischenstopp, damit Sabu frühstücken konnte. Wir schlenderten in der Zwischenzeit über den kleinen Markt und kauften für Tobi einen kitschigen Jesuskalender sowie etwas Tee.

Als wir schließlich in Ooty ankamen, war es dort schon ein wenig kühler. Ooty liegt ca. 2200 m hoch, war aber trotzdem noch ohne Jacke gut auszuhalten, zumindest solange die Sonne schien. Nicht ohne Grund war Ooty früher Sommerfrische der Briten. Deren Einfluß war in Teilen auch noch gut erkennbar, z. B. im Botanischen Garten, der sehr hübsch an einem Hang angelegt war. Für Inder war das natürlich etwas Besonderes, daher waren auch nicht wenige indische Touristen unterwegs. Für uns wirkte der Garten dagegen sehr vertraut mit seinen italienischen Gärten, den Geranien und dem gepflegten Rasen. Direkt neben dem Botanischen Garten befand sich ein tibetanischer Markt, auf dem Sabu ein knallbuntes Kuscheltier erstanden hatte. Den zeigte er uns auch gleich ganz stolz und er erzählte uns von seinem kleinen Sohn, für den das Spielzeug gedacht war. In Ooty gab es auch noch einen großen See mit einem kleinen Vergnügungspark davor, hier konnte man Boote mieten und Karusell fahren, außerdem gab es daneben mehrere Essstände, an denen Süßigkeiten und Eis verkauft wurden. Die Karusells sahen wenig vertrauenerweckend aus, aber das schien außer uns niemanden zu stören.

bildbeschreibung

Hinter Ooty war die Straße wirklich abenteuerlich und Sabu hangelte sich von Schlagloch zu Schlagloch. Da reichte selbst Schlangenlinienfahren nicht aus. Zum ersten Mal hörten wir Sabu beim Fahren leise fluchen. Uns fiel auch auf, wie er während der Fahrt immer wieder an ein kleines Kreuz faßte, dass an einem Rosenkranz am Rückspiegel hing. Anschließend bekreuzigte er sich jedesmal. Ab dem 2. Tag berührte er anschließend auch noch immer das Armaturenbrett, für uns ein recht merkwürdiges Ritual, das wir bis zum Ende unserer Reise nicht ganz durchschaut hatten. Allerdings gab es während unserer gemeinsamen Fahrt durchaus verschiedene Situationen, bei denen auch ich ganz gerne mal das Kreuz berührt hätte.

Unser Weg führte uns wieder durch wunderschöne Teeplantagen hindurch, die oft von wildem Pfeffer unterbrochen wurden. Die Landschaft war wirklich ein Traum und der Kontrast, den die leuchtend rote Erde zu all der grünen Pracht bildete, war einfach nur herrlich, so dass ich die meiste Zeit damit beschäftigt war, aus dem Fenster zu schauen und zu staunen (oder ab und zu ein Nickerchen zu machen). Zwischendurch fuhren wir noch mal durch ein Wildresort, nur leider sahen wir auch hier keine Elefanten, aber immerhin Rehe direkt neben unserem Auto, verschiedenste Affen, Giant Squirrels und Schlangenhäuser. Sabu zeigte uns außerdem Everlasting Flowers, die ewig blühen und außerdem eine Blume, die nur etwa alle 12 Jahre blüht. Er passte immer ganz genau auf, damit er uns das alles zeigen konnte.

Etwa drei Stunden dauerte die Fahrt bis wir an der Stelle ankamen, an der uns ein Jeep vom Green Magic Resort abholen und in einer 30-minütigen Fahrt quer durch den Dschungel zum Treehouse bringen sollte.

bildbeschreibung

Sabu hatte ab jetzt frei, bis er uns in der Nacht auf Dienstag zum Flughafen bringen musste. Die Übergabe klappte auch reibungslos, aber die Fahrt zum Treehouse war wirklich abenteuerlich. Mittlerweile war es nach 17.00 Uhr und ich hatte schon Sorge, daß wir die Strecke im Dunkeln fahren müssten. Der Weg war teilweise sehr steil und unheimlich holprig und führte immer wieder über wenig vertrauenerweckende Holzbrückchen, die einfach nur wie quergelegte Holzpaletten aussahen und über die wir mit dem schweren Jeep fahren mußten. Aber dem Fahrer und seinem Begleiter war das ganze offensichtlich vertraut.
'Die kennen das und auch der Jeep ist hier sicher schon 1000 mal hochgefahren.'
So dachte ich mir das. Aber 1001 mal ist eben doch einmal zuviel. An einem besonders steilen Stück sprang der Gang heraus, so dass der Fahrer den Jeep ein sehr langes Stück zurückrollen lassen musste, um wieder anfahren zu können. Danach wollte allerdings der 1. Gang nicht mehr so richtig, so dass ab sofort der Beifahrer den Job erhielt, die Gangschaltung gut festzuhalten. Es dauerte danach aber nicht mehr allzu lange, bis das Getriebe ganz schauerliche Geräusche von sich gab, die irgendwann auch die beiden Inder nicht mehr ignorieren konnten. Dieser Jeep war nicht mehr fahrtauglich - zumindest nicht mehr bergauf. So wurde er kurzerhand mit einem von oben entgegenkommenden Jeep des Resorts ausgetauscht, der abreisende Gäste nach unten bringen sollte.

bildbeschreibung

Runterfahren konnte unser Jeep ja noch. Dazu braucht es schließlich nur funktionierende Bremsen.

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Donnerstag, Januar 25, 2007

Musiktipp

Seit gestern findet die "Zivilisation der Liebe" statt, ein Ambient-Festival in St. Aposteln. Leder konnnten wir die Eröffnung gestern nicht besuchen, aber morgen ist ein Besuch eingeplant.



Mittwoch, Januar 24, 2007

Spielesplitter

Wie zuvor schon angedeutet, bin ich ein Konsolenspieler. Ein überzeugter, da ich den ganzen Tweaking/Tuning/Aufrüstwahn nicht mitmachen will. Seit wir allerdings das Notebook haben, laufen mir immer mehr kleine nette Spiele über den Weg, die dann doch den Weg auf das Notebook finden. Diesmal ist es Knyt, ein putziges nettes Freeware Jump and Run, das ich bei Phlow gefunden habe.

**

Als überzeugter Konsolenspieler habe ich auch eine Xbox. Als nachlässiger* allerdings ohne das neue Netzkabel, da mir die Orderprozedur immer zu lästig war. Allerdings konnte ich mich heute aufraffen und habe ein neues Kabel bestellt - bei einer bemerkenswert kundenfreundlichen Hotline. MS bekommt irgendwie ein immer besseres Image bei mir...

**

Da ich gerade eine Glücksträhne habe, die ich ausnutzen muss, mache ich bei einem weiteren Versuch mit, mit dem Blog etwas zu gewinnnen und poste daher das Banner von wiiarefree. Daumen drücken!

Wii Are Free - Nintendo Wii Blog

*Dagmar war übrigens etwas entsetzt, dass wir seit 2 Jahren in Brandgefahr leben.



Dienstag, Januar 23, 2007

Rapper´s Deutsch

Vielen Dank an den Spreeblick, der mich auf "German under covers" aufmerksam machte. Dort werden die besten abstrusesten Coverversionen deutscher Musiker wieder ans Licht der Öffentlicheit gebracht. Manche hätten allerdings lieber im Dunkel der Vergessenheit bleiben sollen, so z.B. Gottschalk/Laufenberg/Sexauer mit Rappers delight!

Ein Video zu diesem bahnbrechenden Meisterwerk deutschen Hiphops findet man bei Kalkofe (Pro7-Videolink).



Montag, Januar 22, 2007

Frage des Tages

Wiiso habe ich eigentlich Muskelkater im rechten Arm?



Sonntag, Januar 21, 2007

Dienstreise

Bei Dienstreisen bleibe ich leider doch auch mal länger abends am Fernseher hängen und erlebe da auch die 9live Rateshows. Beim joblog gibt es einige Auflösungen zu den Rätseln - mal ehrlich, wer kommt schon auf so triviale Begriffe wie
Pferdeleute
Pferdemenschen
Pferdeunkundige
Pferdeheunetz
Pferdebeschreibungen
Pferdetandem
Pferdeanspannung?


Ergänzend dazu hat Stefan Niggermeier für einen Artikel am Sonntag in der FAS 9live einige Fragen gestellt und sehr ausführliche Antwort bekommen (meine Lieblingsstelle ist die mit dem Auto).



Samstag, Januar 20, 2007

Vormerken:

Wenn ich mich jemals bei Karneval im Büro befinden sollte, dann nur so!



Freitag, Januar 19, 2007

Fernsehtipp

Sarah Wiener hat eine Kochsendung auf Arte, die - erfrischend anders als Mälzer, Kerner, Lafer und Konsorten - die gesamte Entstehung eines leckeren Essens zeigt. Wenn es Perlhuhn gibt, dann muss es auch geschlachtet und gerupft werden, wenn man Trüffel braucht, muß man (=Sie) diese auch suchen. Die Sendungen wurden alle in verschiedenen Teilen Frankreichs gedreht, so bekommt man auch gleich einen schönen kulinarischen Überblick.

Bei einer Trüffelsuche wären wir auch gerne im Piemont dabeigewesen, wir waren zwar zur Trüffelzeit im Piemont und haben dort auch Trüffelsucher gesehen, Trüffel aber nur im Restaurant und auf der Trüffelmesse. Bei dieser war der Rekordtrüffel ein Prachtstück für 125 000 Euro (1.6 kg)!



Donnerstag, Januar 18, 2007

Jahresrückblick 2006 (Daniel)

ich weiss, etwas spät...

Beste Platte/CD:
Schwer. Auf Anhieb fallen mir folgende Alben ein:
Dendemann, Sambass 3, die neue Koop.
Last.fm sagt dagegen:
Tiken Jah Fakoly, Dezarie, Lotek Hi-fi. Grime hat bei mir irgendwie immer immer noch nicht gezündet.
Beste Single:
Kate Moss Wie im letzten Jahr auch dieses Jahr wieder eine alte Single: Paid in full im Remix von Coldcut - vor dem Konzert wieder ausgegraben.
Bestes Konzert:
Schwer. Jamie Lidell im Wettkampf mit Senor Coconut und Coldcut.
Bester Kinofilm:
"Inconvinient Truth", eng gefolgt von "We feed the world"
Bester Film on DVD:
Jackie Brown
Beste Party:
keine Party in diesem Jahr besucht. Werde alt.
Bestes Event:
Fussball WM, Spiel um Patz 3
Schlechtestes Event:
WM Halbfinale am Dom. Der Karneval - immer wieder.
Top 5 Weblogs (außer Deinem eigenen):
wenig Änderungen - ohne Rangfolge:
Lyssa , Anke, all die guten Spieleblogs, beide Dons und natürlich das Bildblog.
New kids on the blog: Beetlebum und My daily Grind.
Beste Entscheidung:
Eine Familienfeier im Jahr 2007 zu veranstalten
Schlechteste Entscheidung:
Die Feier zu organisieren
Neue, lehrreichste Erfahrung:
Wer jammern will, findet immer einen Grund.
Neue, überflüssigste Erfahrung:
Geiz ist ungeil
Meine beste Frisur:
Die derzeitige :-)

12

Bester Ausflug:
Rollerfahrt nach Paradise Beach. Das Piemont im Herbst
Die teuerste Anschaffung:
Notebook. Auch wenn es ein Supersonderangebot war.
Die überflüssigste Anschaffung:
Gameboy Micro: Wenn ich mobil spiele, dann derzeit nur mit dem DS.
3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können:
Das Wetter im August. Die überschüssigen Kilos. Die überflüssigste Erfahrung.
2006 mit einem Adjektiv:
Turbulent.

Das habe ich 2005 bzw. 2004 geschrieben.



Mittwoch, Januar 17, 2007

Salat ist gesund. Balaststoffe wie eine Currywurst, Wasseranteil einer Wassermelone...



Montag, Januar 15, 2007

Unbeabsichtigter Bildungsbürgerwitz

Kollege: G. kann zu dem Termin nicht kommen, der ist da in der Verbotenen Stadt.
Daggi: Oh cool, in Peking!
Kollege: Nein. In Düsseldorf.



Sonntag, Januar 14, 2007

Mit dem Auto nach Coimbatore
Samstag, 09. Dezember 2006

Der heutige Tag war ohne Programm, da wir etwa 7 Stunden bis nach Coimbatore im Nachbarstaat Tamil Nadu fahren mussten. Dort sollte der Zug nach Ooty abfahren und von dort aus wollten wir weiter ins Treehouse im Green Magic Resort.

Sabu teilte uns allerdings gleich zu Beginn der Fahrt mit, dass es mit der Zugfahrt ein Problem gäbe - eine der Brücken auf der Strecke sei aufgrund des Monsuns eingestürzt und der Zug könne nicht fahren. Er wollte das aber abends in Coimbatore noch genau klären. Letzteres verwunderte mich ein wenig, denn entweder war die Brücke kaputt oder eben nicht. Welche Alternative sollte es sonst geben? Ich fragte mich, ob uns Sabu möglicherweise nur noch ein wenig vertrösten und die schlechte Nachricht so lange wie möglich herauszögern wollte.

Die Strecke nach Coimbatore war zwar sehr lang, aber die meiste Zeit landschaftlich wirklich wunderschön. Wir fuhren durch leuchtend grüne Reisfelder an Bananenplantagen und Weingärten vorbei (die übrigens ganz anders aussehen als bei uns). Im Hintergrund sah man immer die hübschen krummen Kokospalmen, die einen schönen Kontrast zu den Reisfeldern boten. Außerdem gab es jede Menge Zuckerrohrfelder - der Anblick war traumhaft. Als wir Kerala verließen und nach Tamil Nadu kamen, reihte sich an der Straße ein Tempel am anderen. Die Straße erinnerte mich eher an eine einspurige Landstraße bei uns, war aber die Hauptverbindung nach Coimbatore und es war einiges an Verkehr unterwegs. Dazwischen sahen wir immer wieder Pilger, die zu einem Tempel marschierten oder Bauern mit Rinderkarren, Leute, die irgendwelche Sachen auf dem Kopf transportierten, spielende Kinder, dösende Hunde und immer wieder auch kleine Orte. Aber hier wirkte alles gänzlich untouristisch und zum Teil auch wirklich arm, ganz anders als die Orte in Kerala, die wir bisher gesehen hatten. Die Straße säumten viele armselige Wellblechhütten oder Zelte mit stinkenden Abwassergräben davor. Das war wohl Indien von seiner weniger schönen Seite in herrlicher Landschaft versteckt. In den Orten herrschte ein unglaublicher Trubel. Es fuhren jede Menge Busse, die immer in einem unglaublichen Tempo unterwegs waren und man mußte gut aufpassen, um ihnen rechtzeitig auszuweichen.

Markt

Um die Mittagszeit machte Sabu einen kurzen Stopp, um etwas zu essen. Wir verzichteten hier lieber auf einen Lunch und schauten uns stattdessen ein wenig den Ort an. Den haltenden Bussen bzw. den Passagieren wurden von Händlern immer wieder Essenswaren auf Tabletts durch die offenen Fenster angeboten - Nüsse, Ananasstücke, Kokosnüsse etc. Der Gestank war teilweise atemberaubend, insbesondere in der Nähe der Abwasserrinne. Überall lag Unrat herum, aber trotz des schmutzigen Eindrucks, den die Stadt insgesamt machte, waren die Waren an den kleinen Markständen hübsch aufgestapelt. Es gab alles mögliche zu kaufen, die Frauen trugen leuchtende Saris und es herrschte ein buntes Treiben auf der Straße. Auch hier wurden wir wieder sehr neugierig gemustert, angesprochen hat uns aber niemand.

Marmeladenfleck

Als wir uns Coimbatore näherten, veränderte sich auch die Landschaft. Es gab weniger Plantagen, das Umfeld wurde eher städtisch. Während mich in Deutschland und auch im Ausland Städte bisher immer sehr fasziniert hatten, waren es in Indien eher die kleinen Orte, die mir gut gefielen. Die Städte dagegen sind in der Regel laut, schmutzig und hektisch.* So war auch Coimbatore. Im Reisebüro hatte man uns allerdings schon darauf vorbereitet, dass Coimbatore selbst wenig spektakulär sei und da wir vom frühen Aufstehen und der langen Fahrt ohnehin sehr müde waren, hatten wir auch weiter nichts vor, als mal wieder ausgiebig zu duschen, etwas zu essen und anschließend früh ins Bett zu gehen. Sabu infordmierte uns, dass wir - sollte der Zug fahren - um 6.00 Uhr los müssten.
"Sharpish"
Von unserer deutschen Pünktlichkeit war es bisher wohl noch nicht so recht überzeugt.

M

Wie sich herausstellte, fuhr der Zug aber wirklich nicht und wir konnten eine Stunde länger schlafen.

Das Residency (Coimbatores finest hotel) war ein großes indisches Luxushotel, vielleicht nicht ganz nach deutschem Standard, aber die Einrichtung war sehr komfortabel und der ganze übliche Schnickschnack wie Fernseher, Badewanne, Fön etc. war natürlich dabei. Dem Hotel fehlte lediglich das persönliche Flair eines Wildernests, aber insgesamt fand ich es eine Nacht ganz angenehm, all die Annehmlichkeiten nutzen zu können.

Das Personal war unglaublich freundlich und hilfsbereit und der Mann am Empfang sehr zuvorkommend. Ein Nichtraucherzimmer mit Doppelbett war leider erst ab 18.00 Uhr frei, so dass man uns zunächst in ein Zimmer mit zwei Einzelbetten brachte und später unser Gepäck in das andere Zimmer bringen wollte. Da das natürlich unsere Zeit etwas einschränkte und wir solange weder duschen noch uns sonst irgendwie in dem Zimmer ausbreiten konnten, versuchte Daniel, auf das Zimmer mit den zwei Einzelbetten umzubuchen. Das verursachte wohl ein wenig Aufruhr an der Rezeption mit dem Ergebnis, dass zum einen wirklich jeder Bedienstete unsere Zimmernummer wusste und wir zum anderen sofort ein Zimmer mit Doppelbett erhielten - ein Raucherzimmer direkt am Fahrstuhl. Nicht immer ist es einfach, sich verständlich zu machen und irgendwie hatten der Mann am Empfang Daniels Wunsch wahrscheinlich in den falschen Hals bekommen. Für die eine Nacht war uns das dann aber auch egal, zumal wir sowieso todmüde waren und nach dem afghanischen Essen wie ein Stein ins Bett fielen.

M

Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (auf der folgenden Seite weitere, ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).
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* Kochin hat zwar auch über eine Million Einwohner, davon hatten wir allerding mehr oder weniger nur Fort Kochin gesehen, was völlig anders aussieht als der Rest der Stadt.

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Samstag, Januar 13, 2007

Lesebutler

Vor Kurzem bin ich über den Lesebutler gestossen und war mir noch nicht im Klaren, ob das wirklich eine hilfreiche Erfindung ist. Der aktuelle Tom in der taz hat mir dann aber gezeigt, welch wichtige Erfindung das ist!



Freitag, Januar 12, 2007

Dreimal quer durch Periyar
Freitag, 08. Dezember 2006


Da Winter war wurde es in Indien abends zwar immer sehr zeitig dunkel, aber morgens trotzdem schon früh wieder hell. Die Inder schienen sich mit ihrem Tagesrhythmus dem Tageslicht anzupassen, so dass alle schon immer sehr zeitig wach waren. Für mich war 5.30 Uhr aufstehen dennoch zu früh, auch noch zu früh für ein Frühstück. Ich fragte mich, wie sich Sabu wohl in der Zwischenzeit die Zeit vertrieben hatte und wo er eigentlich immer übernachtete. Daniel machte mich darauf aufmerksam, dass er wahrscheinlich im Auto schlafen würde, was sich später auch bestätigte. Auf der einen Seite war das schon irgendwie merkwürdig, denn immerhin waren wir es ja, wegen denen Sabu im Auto übernachten musste, während wir uns ein geräumiges Hotelzimmer teilten. Auf der anderen Seite konnte er dadurch überhaupt Geld verdienen. Wahrscheinlich hatte ich mit dieser Situation deutlich mehr Probleme als Sabu selber.

Um das Boot für die Bootssafari rechtzeitig zu erreichen, mußten wir so früh los. In das Periyar Wildlife Ressort kam man nur mit einer speziellen Genehmigung hinein, alles andere gilt als Straftat und ab 18.00 abends sind gar keine fremden Autos mehr erlaubt. Die Bootsafari selber hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Ich war davon ausgegangen, dass wir mit einem kleinen Boot und einer Gruppe von maximal 10 Personen über den See fahren. Aber das Boot war viel größer, fasste sicher 50 Leute, so dass wir es uns mit einigen ausländischen und sehr vielen indischen Touristen teilten. Bevor wir überhaupt ablegen konnten, mussten alle aus den ersten Sitzreihen noch einmal aufstehen und weiter Richtung Heck des Bootes gehen, da das Boot vorne zu schwer war, zu fest am Ufe aufsaß und daher nicht ablegen konnte.

Marmeladenfleck

Von Ruhe konnte bei so vielen Indern keine Rede sein. Immer wenn unser Steuermann die Fahrt wegen eines Tiers verlangsamte, fingen alle ganz aufgeregt zu reden und zu rufen an und standen auf, um sich auf die entsprechende Seite des Boots zu begeben, von der aus man die Tiere besser sehen konnte. Das führte dazu, das sich unser Boot ständig in einer merkwürdigen Schieflage befand und insgeheim fragte ich mich, wie leicht so ein Kahn eigentlich kentern kann.

Allzu spektakulär war unsere Ausbeute an gesichteten Tieren nicht, was bei dem Lärm nicht verwunderte, aber die Fahrt durch das noch nebelverhangene Ressort, in dem sich die Sonne nur allmählich ihren Weg bahnte, war dennoch wunderschön. Wir sahen Wasserotter beim Fischfang, scheue Rehe und sogenannte Barking Deers** im Dickicht, nistende Kormorane auf den vertrockneten Baumspitzen im Wasser*, einige Affen, King Fisher und andere Vögel sowie ein paar Wildschweine. Leider bekamen wir keine wilden Elefanten zu sehen, aber dem Spektakel an Bord war es auch kein Wunder, dass sich alle Tiere verkrochen.

Marmeladenfleck

Nach der Bootssafari hatten wir erst einmal Pause. Als wir wieder im Hotel ankamen war gerade noch Frühstückszeit und da wir nicht wussten, wie gut wir Lunch oder Abendessen in unser heutiges Programm integrieren konnten, kam uns das gerade recht. Eine heiße Tasse Kaffee schien mir nach der Fahrt genau das richtige. Wir waren doch ganz ordentlich durchgefroren, obwohl während der Fahrt nachher die Sonne schien, aber die Luft war doch noch sehr frisch. Außerdem war das Boot auch tropfnaß gewesen vom Tau, so dass während der Fahrt immer wieder Wasser fast wie Regen von der Decke tropfte. Im Wildernest gab es kein typisch indisches Frühstück, sondern Ei mit Toast, Croissants und dazu von der Frau des Chefs selbstgemachte Peanutbutter und Ananasmarmelade. Nach dem Frühstück setzten wir uns zum Aufwärmen auf den großen, sonnigen Balkon und lasen.

Das Personal im Hotel war unheimlich freundlich und zuvorkommend und offensichtlich wurde großer Wert daraufgelegt, dass alles immer ordentlich und sauber war. Sogar die Steine in der Gartenanlage wurden wieder zurechtgerückt, wenn ein paar von ihnen durcheinander geraten waren. Abends wurde die Anlage mit Weihrauch und DET eingeräuchert.
'Against the mosquitos'
wie uns der Manager erklärte. Als ihn Daniel fragte, ob Moskitos hier ein großes Problem seien, erwiderte er:
'Mosquitos only like light skin. So they are no problem for us'
Da er dabei schmunzelte, waren wir uns allerdings nicht ganz sicher, ob das ernst gemeint war.

Für nachmittags war noch eine dreistündige Trekkingtour geplant. Außerdem entschieden wir uns später für eine nächtliche Wanderung mit Wildhütern durch den Park, die ebenfalls etwa drei Stunden dauern sollte. Sabu fand das sehr merkwürdig und er fragte uns, ob wir wirklich freiwilllig sechs Stunden laufen wollten. Zehn Minuten sei seiner Meinung nach das absolute Maxium. Er holte uns aber trotzdem wieder sehr pünktlich um 13.30 Uhr am Hotel ab.

Marmeladenfleck

Diesmal war ich sehr überrascht, dass Daniel und ich nur zu zweit mit dem Guide unterwegs waren, eigentlich hatte ich wieder eine Gruppe erwartet. Zunächst bekamen wir eine Art übergroße Kniestrümpfe, die wir über unsere Hosen und in die Schuhe tragen sollten wegen der zahlreichen Blutegel, die es im Park gerade rund um den See gibt. Der Guide erklärte uns, Blutegel seien ein Problem, insbesondere bei feuchtem Wetter. In einem der kleinen Supermärkte hatte uns die Verkäuferin schon erzählt, dass es eine Woche vorher trotz Trockenzeit überraschend heftig geregnet hatte. Bei solchem Wetter waren die Strümpfe wirklich notwendig, damit einem beim Laufen keine Blutegel erwischten. Ich war froh, dass ich eine lange Hose und meine Trekkingschuhe anhatte und beides sollte sich später noch als sehr sinnvoll erweisen.

Marmeladenfleck

Am Ufer des Sees erwartete uns ein schmales Floß für die Überfahrt zum anderen Ufer. Bei diesem Anblick musste ich an die Münchnerin vom Tempelfest denken, die mir erzählt hatte, dass sie mal in Thailand eine Floßfahrt gemacht hätte bei der ihr Exfreund ins Wasser gefallen sei. Ich war ein wenig besorgt ? Daniel ist ja manchmal so schusselig. Aber obwohl das Boot während der Fahrt schwankte und schon vor dem Ablegen teilweise unter Wasser lag, machten wir unsere Sache gut und blieben ruhig sitzen, während uns unser Guide mit Hilfe eines quer über den See gespannten Seils auf die andere Seite zog. Dort ging es direkt bergauf und ich war schon nach wenigen Metern ziemlich aus der Puste. Unser Guide führte uns querfeldein, zeigte uns Elefantenspuren, Affen, verschiedene Pflanzen, Wildschweine und Malabar Giant Squirrels. Er nahm sich sogar noch die Zeit, für eine bessere Sicht mit uns einen Hügel zu besteigen. Unser Weg führte uns steil bergauf quer durch fast mannshohes Elefantengras, aber von oben hatten wir eine grandiose Sicht auf den Park und konnten sogar noch ein paar Bisons erkennen.*** Da kein Pfad den Berg hinaufführte und das Gelände sehr uneben war, wären für diesen Teil Trekkingsandalen oder leichten Schuhe wirklich nicht zu empfehlen gewesen.

Unser Guide machte uns außerdem auf die Geräusche wilder Hühner (wild chicken) aufmerksam, zeigte uns schwarze Affen mit langen Schwänzen (wir haben leider nicht alle Namen verstanden und kannten bei weitem auch nicht alle Tiere) und Rocketbirds mit sehr langen Schwänzen, führte uns an mehreren Termitenhügeln vorbei und erklärte uns, welche Tiere jeweils die Löcher im Boden gegraben hatten.

Außerdem wies er uns auf verschiedene Tigerspuren hin, die uns selber gar nicht aufgefallen wären. So sahen wir Fußabdrücke im matschigen Untergrund sowie tiefe Kratzspuren an einem Baum, mit denen ein Tiger sein Revier für andere Tiger gut sichtbar markiert. Unser Guide erzählte uns, dass er selber nur zweimal einen Tiger gesehen hätte, da die Tiere Menschen in der Regel viel früher bemerken als umgekehrt. Wenn man doch einmal das Glück hätte, wäre es meistens auch nur ein kurzes Aufblitzen des gestreiften Fells im Gebüsch.

Marmeladenfleck

Auch während dieser Tour bekamen wir also leider keine allzu beeindruckenden Tiere zu sehen, keinen Tiger, keine Elefanten, keinen Bären und ich fragte mich, welches vernünftige Tier sich um diese Uhrzeit und bei diesen Temperaturen überhaupt von der Stelle bewegen würde. Wahrscheinlich zogen sie es alle vor, sich im schattigen Dickicht die Eier zu schaukeln zu verharren und dabei die doofen Touristen zu beobachten, die sich schwitzend durch den Park quälten, was unser Guide natürlich genau wußte, sich aber vermutlich trotzdem noch einen Spaß daraus machte, uns den steilen Berg hochzujagen. Wahrscheinlich hatte man auch nur wegen der Touristen und des besonderen Flairs keine breiten Holzbretter über die Flüsse gelegt, sondern einfach nur schmale Holzstämme darübergelegt, immer in der Hoffnung, daß doch mal ein Tourist ins Wasser fällt. Später brachte uns Rinoo noch auf die Idee, dass natürlich auch die Tigerspuren nur gefälscht seien und dass es dafür extra Stempel gäbe, die für die alles glaubenden Touristen in den Matsch gedrückt werden.

Oder wir hatten einfach nur kein Glück an diesem Tag :-)

Nichtsdestotrotz genossen wir diesen nicht ganz unanstrengenden Spaziergang durch den Park. Anschließend hatten wir nur noch wenig Zeit fürs Abendessen, denn um 6.45 Uhr begann die Nachtführung. Da die großen Restauants alle noch nicht geöffnet hatten, aßen wir daher im kleinen Jungle Palace, das sich erst bei näherem Hinsehen als sehr gemütlich erwies. Die sehr hübsche, ruhige Terrasse war von der Straße aus überhaupt nicht sichtbar, aber der Kellner bot uns gleich die schönen Sitzplätze hinten im Garten an, ganz weg von der belebten Straße mit schönem Blick ins Grüne. Direkt in Sichtweise graste ein Wildschwein. Das Essen war zwar einfach, aber günstig und lecker.

Als wir am vereinbarten Treffpunkt ankamen, war es bereits dunkel. Insgesamt nahmen 10 Touristen an der Führung teil, so dass wir in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Auf einmal kam mir die Vorstellung, im Stockfinstern durch einen mir unbekannten Park mit wilden Tieren zu laufen, doch sehr unheimlich vor und ich war sehr froh, daß jeder eine kleine Taschenlampe bekam, um sich selbst am Boden den Weg zu leuchten. Nicht ganz so froh war ich über den 2. Wildhüter, der mit einem geladenen Gewehr über der Schulter mit uns mitmarschierte und ich achtete sehr genau darauf, nicht hinter ihm zu laufen. Der Nachthimmel war grandios. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen so klaren Sternenhimmel mit einer solchen Unmenge an Sternen gesehen habe. Um uns herum herrschte aber absolute Finsternis und der Wald war sehr dicht und dunkel, man sah kaum die Hand vor Augen. Die meiste Zeit marschierten wir schweigend durch die Dunkelheit, die Wanderung hatte fast etwas Meditatives. Unser Guide leuchtete immer wieder rechts und links das Gelände ab, einmal auf der Suche nach potentiellen Wilddieben, aber auch um möglicherweise die Augen eines Tieres aufblitzen zu sehen, das er uns dann zeigen konnte.

Als allererstes zeigte uns der Guide einen Schwarm Glühwürmchen, die wirklich hell leuchteten. Es sah wunderschön aus im Dunkeln. Wann hatte ich das letzte Mal Glühwürmchen gesehen? Wir sahen jede Menge Barking Deers, normale Rehe, Wildschweine beim Fressen, hörten Eulen, erfuhren, dass die kleinste Eule den größten Spektakel macht, sahen Frösche, die Nester von fliegenden Ameisen und ein frisch gegrabenes Bärenloch. Ich sah auch noch zwei eklige Blutegel, einen davon an Daniels Schuh. Dass ich ihn vor einem Monsteregel gerettet habe, hat Daniel allerdings nicht nachhaltig beeindruckt.

Während insbesondere die Londoner Gäste die Wanderung ziemlich doof fanden ('no fucking animals'), fand ich diesen Spaziergang unheimlich beeindruckend. Da er in Teilen auch durchs Moor führt, sind feste Schuhe unbedingt notwendig.

Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (auf den folgenden Seiten weitere, ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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* Das Ressortgebiet war vor gut 100 Jahren geflutet worden. Daher ragten noch jede Menge alter Baumspitzen aus dem Wasser, was es nicht gerade einfach macht, den See mit einem Boot zu befahren, sondern gute Ortskenntnis voraussetzt.
** Heißen so wegen der bellenden Laute, die sie von sich geben.
*** Daniel ist allerdings bis heute überzeugt, dass es Elefanten waren.

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Donnerstag, Januar 11, 2007

Die Gewürzstraße entlang nach Thekkady
Donnerstag, 07. Dezember 2006


An unserem letzten Tag auf dem Hausboot bekamen wir noch ein ausgezeichnetes Frühstück, eine Art Nudeln mit Bananencurry. Deutsche Touristen hatten wohl versucht, Valentin ein paar Worte deutsch beizubringen und so fragte er immer uns immer 'Lekka lekka'? Das erinnerte mich wieder daran, dass Inder alles mehrmals wiederholen beim Sprechen.

Nur noch eine Stunde Fahrt hatten wir heute auf dem Boot, was mir wirklich schwerfiel. Im Nachhinein waren unter anderem gerade die Stunden auf dem Hausboot für mich die entspanntesten. Auch die Crew war unheimlich nett und der Koch freute sich immer ganz besonders, wenn es uns so gut schmeckte.

Schließlich legten wir in Kottayam am Vembanadlake in 2. Reihe an, denn in dem schmalen Kanal standen die Ausflugsboote wirklich dicht gedrängt. Sabu wartete schon auf uns, denn Valentin hatte ihm rechtzeitig Bescheid gegeben, wann wir ankommen. Es war wirklich alles perfekt organisiert. Mit dem Ambassador ging es nun weiter die Gewürzstraße entlang nach Thekkady, eine Fahrt von insgesamt mehreren Stunden, da wir die sehr kurvige und steile Straße hinauf nach Thekkady nicht wirklich schnell fahren konnten. Empfand ich schon den Verkehr in Italien immer als sehr waghalsig kam er mir gerade auf dieser Serpentinenstraße wirklich halsbrecherisch vor. Unterwegs wurde Sabu nicht müde, immer wieder anzuhalten, um uns die verschiedenen Pflanzen zu zeigen, und uns alles zu erklären. Ich hatte ja noch nie Ananas wachsen sehen oder Pfeffer, Gummibäume wuchsen direkt neben Kaffeebäumen und Kakao - hier wuchs wirklich einfach alles. Sabu hatte auch keinerlei Bedenken, auf der Gegenfahrbahn in den engen Serpentinen zu wenden und uns einen großen Jackfruitbaum mit riesigen Früchten zu zeigen, nachdem wir erzählten, dass wir Jackfruits noch nie gesehen hätten.

Tea

Nachdem Sabu an unseren ersten gemeinsamen Tagen eher still gewesen war, hatte ich das Gefühl, er blühte regelrecht auf, während er uns die üppige Vegetation von Kerala zeigte. Die Landschaft war wirklich ein Traum und je weiter wir nach oben kamen, desto grandioser wurde die Aussicht. Als wir schließlich die Teeplantagen erreichten, die wie herrlich grüne Teppiche vor uns lagen und ich vor lauter Begeisterung gar nicht wußte, was ich sagen sollte, meinte Sabu nur lächelnd:
'It's Gods own country.'
Und so wie er es sagte, klang es nicht einfach wie ein platter Werbespruch, sondern genau so war es.

Auf der Fahrt die steilen Straßen hinauf mussten wir mehrmals anhalten, damit Sabu einen Eimer Wasser organisieren konnte. Der Motor seines Ambassadors war von der steilen kurvigen Strecke völlig überhitzt. Um ihn wieder abzukühlen leerte Sabu das Wasser dafür jedes Mal einfach unter die Motorhaube.

MWasser

Auf unserem Programm während der Fahrt nach Thekkady stand auch der Besuch einer Plantage. Nachdem uns Sabu immer neue Felder und Pflanzen am Straßenrand zeigte, dachte ich schon, ich hätte diesen Programmpunkt vielleicht ein wenig überschätzt und wir würden die Plantage nicht wirklich 'besuchen', sondern einfach durchfahren. Aber tatsächlich erreichten wir schließlich eine private Plantage, eine Art großem botanischen Garten, der aber nicht nur für Touristen gedacht war, sondern in dem wirklich Landwirtschaft betrieben, gepflanzt und geerntet wurde. Hier sahen wir sämtliche Gewürze wachsen, die ich sonst nur aus dem Gewürzregal im Supermarkt kenne: Verschiedenste Pfeffer- und Chilisorten, Kardamom, Vanille, Kaffee (arabica und robusta), Zimt* und Muskatnuss**. Wir lernten, dass in Indien von der Banane nicht nur die Frucht, sondern auch die Blüte gegessen wird, außerdem sahen wir Kardamompflückerinnen bei der Arbeit, erfuhren, dass es Baumtomaten gibt, staunten über große Papayas und die berauschende Betelnuß hoch oben in den Palmen und verschiedenste Heilpflanzen, jede Menge Kräuter, Okra, Limone, Ginger und ... und ... und.

Tea

In einem kleinen Laden konnte man Gewürze und Kaffee kaufen. Da ich bei dem kräftigen Zimtgeruch augenblicklich an Crêpes, Pfannkuchen und Milchreis denken mußte, nahm ich sofort ein Päckchen mit, dazu noch eine große Vanillestange und Kaffee. Auf einem Schild an der Ladentüre stand:
'We consider the costumer as a king.

A king never bargains.'
Von der Plantage aus war es nur noch ein kurzes Stück zu fahren bis zu unserer nächsten Station, dem Wildernest, einem kleinen, hübschen Hotel mit verwinkelten, großzügigen Zimmern. Lediglich das Bad war für meinen Geschmack ein wenig lieblos eingerichtet, aber im Vergleich zu einem indischen Bad sicherlich noch sehr komfortabel.

Für abends arrangierte Sabu noch eine ayurvedische Massage für uns. Wie ich feststellen mußte, versteht man in Indien unter einer Ganzkörpermassage offensichtlich wirklich eine Ganzkörpermassage, ganz im Gegensatz zu Ganzkörpermassagen zuhause. Unter den Händen der zierlichen Pria, über und über mit Ayurvedaöl eingeschmiert, kam ich mir dabei vor wie ein übergroßes Walroß, weshalb meine Gefühle dabei stark schwankten zwischen angenehmem Dahinschmelzen und größter Peinlichkeit. Während der Massage kam es zu einem Powercut (meinem ersten in Indien), so daß schlagartig die scheppernde Musik und das Licht ausfielen. was unsere Masseure aber keine Sekunde in der Arbeit einhalten ließ. Offensichtlich war so ein Powercut für sie nichts Ungewöhnliches. Stattdessen wurde nach wenigen Minuten der Generator angeworfen, so daß wir wenigstens gedämpftes Licht hatten.

Anschließend gingen wir ins Cardamom County, wo es abends immer Buffet gab. Im Nachhinein muß ich allerdings sagen, dass meine Kenntnisse der indischen Küche für ein Buffet noch nicht ausreichten. Wahrscheinlich mischten wir uns ganz abstruse Kombinationen zusammen, aber das Essen war dennoch gut, ganz besonders die Jumboprawns. Die mußte man zwar extra bestellen und bezahlen, aber für 125 Rupien (ca. 2 Euro) wirklich ausgesprochen günstig.***

Danach gingen wir recht zeitig ins Bett, da uns Sabu am nächsten Tag schon um 6.15 Uhr für eine Bootssafari abholen wollte.

Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (auf den folgenden Seiten weitere, ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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* Peinlich, aber ich hatte mir noch nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wo eigentlich der Zimt herkommt. Ich war völlig fasziniert von der Tatsache, dass es sich bei Zimt um simple Baumrinde handelt. Aber als Stadtmensch verzeiht man mir vielleicht die Idee, die Zimtstangen könnten direkt auf Bäumen wachsen.
** Die Muskatnuss fällt praktischerweise einfach vom Baum, wenn sie reif ist, so daß man sie anschließend nur noch einsammeln muß.
*** Unbedingt zuerst bestellen, nicht erst nach dem Buffet ? die zusätzliche Portion ist wirklich zu groß.

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Mittwoch, Januar 10, 2007

Der grausamste Rekord der Welt.



Montag, Januar 08, 2007

Ein weiterer Tag auf dem Hausboot
Mittwoch, 06. Dezember 2006

Am nächsten Morgen, dem Tag nach dem Tempelfest, wurden wir von den Sonnenstrahlen geweckt, die durch die offenen Fenster unserer Kabine hereinschienen. Der Blick auf das glitzernde Wasser und das von Kokospalmen gesäumte Ufer war einfach bezaubernd und so genossen wir ausgiebig die friedliche Atmosphäre auf dem Boot.

Lediglich die fette Kakerlake, die sich die Nacht über in unser Moskitonetz geschlichen hatte und oben an der Decke hing, trübte diese Stimmung einen Moment, bis einer der Crewmitglieder sie netterweise mit der Hand einfing und sie entsorgte. Über die Kakerlake wollte ich dann lieber nicht weiter nachdenken.

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Das für 8.00 Uhr angesetzte Frühstück fand dann nach indischer Zeit erst um 8.30 Uhr statt, aber trotz meiner Müdigkeit war ich froh, dass wir so zeitig aufgestanden waren. Die Backwaters wirkten sehr idyllisch und so kitschig das Wort auch klingen mag, hier passte es einfach. Am Ufer herrschte schon reges Treiben: Frauen, die fleißig Wäsche am Fluß wuschen, Kinder auf dem Weg zur Schule und Männer, die schon zeitig mit ihren Booten unterwegs waren. Es war ein unheimlich friedlicher Anblick mit einem wunderschönen Panorama.

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Nach einer kurzen Fahrt legten wir einen Stopp ein, nachdem uns Valentin angeboten hatte, einen traditionellen Kerala-Kindergarten zu besuchen und uns ein für die Backwaters typisches Snakeboat zu zeigen. Wir wurden von einem TukTuk abgeholt, das uns die holprigen Lehmwege entlangfuhr. So konnten wir auch noch einen Blick auf das Hinterland mit seinen unglaublich grünen Reisfelder werfen. Wir fuhren am Wasser entlang auf schmalen Wegen, die uns an den Häusern der Einheimischen vorbeiführten. Zuerst zeigte uns Valentin ein Snakeboat. Er erzählte uns, dass diese Boote für Bootsrennen genutzt werden und dass er selber in einem Team mit einem solchen Boat fährt. Jeder Ort hat ein eigenes Snakeboat mit einem Team, das bei den jährlich stattfindenden Rennen mitfährt. Dabei nehmen ca. 120 Mann auf diesen langen, aber sehr schmalen Booten Platz. Der Steuermann steht vorne und während der Fahrt wird zu 'Hurti-hurti'-Rufen im Takt gerudert. Dazu wird der Takt mit einem langen Stock geklopft. Hatten wir schon in der Nacht davor auf unserem im Vergleich hierzu recht komfortablen Boot Sorge, ins Wasser zu fallen, erschien mir das Fahren mit einem solchen Boot geradezu ein akrobatischer Akt zu sein. Valentin freute sich sichtlich, dass er uns mit dem Boot so beeindrucken konnte.

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Anschließend fuhren wir weiter zu einem kleinen Kindergarten. Valentin hatte mich vorher gefragt, ob wir vielleicht ein paar Kulis oder andere Mitbringsel für die Kinder dabei hätten. Daniel hatte zum Glück schon vorher davon gehört, dass ausländische Werbekulis hier sehr gefragt sind, so dass wir damit und außerdem einer Tüte Gummibärchen ganz gut ausgestattet waren.

Vor dem kleinen Häuschen, dass genau aus einem Raum bestand, lagen die winzigen Kinderschuhe wild durcheinander, innen saßen 23 kleine Jungs und Mädchen im Alter von ca. 3 - 5 Jahren. Ihre Lehrerin erählte uns, dass die Kleinen seit etwa 1 - 8 Monaten im Kindergarten Malayalam lernten. Dabei benutzten sie keine Tafel wie wir das kennen, sondern schrieben die gelernten Buchstaben direkt vor sich in den Sand, was den Vorteil hatte, dass die Lehrerin sofort mit einem langen Stock korrigieren konnte, wenn einer etwas falsch geschrieben hatte. Die etwas größeren Kinder hatten kleine Schiefertafeln und einen Kreidestift, da sie schon etwas besser schreiben konnten. Ich war von dem Prinzip fasziniert, war es doch simpel und schlicht, aber doch zielführend. Etwas Ähnliches hatte ich noch nicht gesehen. In Kerala ist es üblich, dass die Kinder schon sehr früh lesen und schreiben lernen. Die Lehrerin demonstrierte uns, wie die Kinder die Buchstaben lernen, indem sie vorsprach und alle Kinder im Chor nachplapperten. Sicher war da auch mal ein Kind dazwischen, das dabei ein wenig schummelte. Aber alle waren mit beeindruckendem Eifer bei der Sache, was sicher nicht nur daran lag, dass sie nun Besuch hatten, der ihnen staunend beim Buchstabieren zuhörte. Die Kinder reagierten ganz unterschiedlich auf ihre Gäste. Alle zeigten große Neugier, aber manche waren doch mutiger als die anderen. Valentin gab uns schließlich ein Zeichen, die Gummibärchen an die Kinder zu verteilen und wie sich so jedes Kind ein oder (die etwas Mutigeren) zwei Gummibärchen aus der Tüte nahmen und ausgiebig darauf herumkauten und schmatzen, musste ich daran denken, wie ich immer eher gedankenlos eine Handvoll Gummibärchen nehme, dreimal darauf herumkaue um schon die nächste Hand voll aus der Tüte zu holen.

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Zum Abschied winkten uns die Kinder lachend und fröhlich hinterher und wir machten uns wieder auf den Weg zurück. Valentin wollte eigentlich mit dem Bus fahren, der aber nicht kam, wofür sich Valentin gleich mehrmals entschuldigte. Ich erzählte ihm, dass auch wir durchaus unpünktliche Busse kennen, was er gar nicht glauben konnte. Wo die Deutschen doch so als pünktlich gelten. Da der Weg zum Boot aber wirklich nicht weit war, entschieden wir uns für einen kleinen Spaziergang und schlenderten gemütlich bei schönstem Sonnenschein an den Reisfeldern entlang zurück zum Boot, wo schon ein frisch zubereitetes Lunch auf uns wartete.

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Da ich mir auf dem Hausboot nicht ständig meine Haare waschen und fönen wollte, trug ich fast die ganze Zeit ein buntes Kopftuch. Valentin hatte das offensichtlich eine Weile beobachtete, denn in einem ruhigen Moment nahm er mich zur Seite und fragte mich, ob ich keine Haare auf dem Kopf hätte, da man sie nicht sehen könnte. Ich erklärte ihm, dass meine Haare so kurz seien, dass sie unter dem Kopftuch nicht erkennbar wären, was ihn irgendwie nicht recht zufriedenstellte. Später las ich in meinem Buch, dass man in Indien den Prostituierten früher die Haare abgeschnitten hat, um sie auf den ersten Blick erkennen zu können.

Den Nachmittag verbrachten wir alle ganz faul auf dem Boot, lasen, genossen die herrliche Aussicht und liesen uns die unglaublich leckeren gebackenen Bananen unseres Kochs bei einem Kaffee schmecken. Das Essen war wirklich sehr gut und immer frisch, nur der Kaffee war eine herbe Enttäuschung für mich. Da in Indien Kaffee wächst, war ich automatisch davon ausgegangen, er müsse sehr gut und aromatisch sein. Da wurde ich leider schnell eines Besseren belehrt.

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Sonntag, Januar 07, 2007

Grrrrrrrrrrr

Als wäre nicht allein die Tatsache schon schlimm genug, dass Daniel MEIN Blog für derartige Zwecke mißbraucht, hat dieser Nichtsnutz jetzt auch noch einen iPod dafür bekommen, während ich mal wieder leer ausgehe *grmpf*

Trotzdem vielen Dank an Thilo.

Und wer das Teil letztendlich benutzt wird sich noch zeigen...

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Note to myself: Internet nach Wii-Gewinnspielen durchforsten und Daniels Internetzugang sperren lassen.



Samstag, Januar 06, 2007

Wir haben zwar immer noch keine Wii, das liegt aber weniger an den abschreckenden Folgen (eine ähnliche Webseite hatten wir schon mal gebloggt), eher an der Verfügbarkeit.



Freitag, Januar 05, 2007

Auf dem Tempelfest
Dienstag, 05. Dezember 2006


Abends nahm uns Valentin zu einem Tempelfest mit, das zu Ehren irgendeiner Göttin abgehalten wurde. Ich schreibe 'irgendeiner', da zum einen die Inder unglaublich viele verschiedene Gottheiten kennen, die unsereins gar nicht alle auseinanderhalten kann, und zum anderen weil es für meine Ohren manchmal ausgesprochen schwer war, alles zu verstehen, was die Inder mit ihrem indischen Akzent erzählten, auch wenn sie in der Regel alles mehrmals wiederholen. Letzteres verwirrte mich zunächst ziemlich, hatte ich doch das Gefühl, ich wirkte ausgesprochen begriffstutzig. Letztendlich gelangte ich aber zu der Überzeugung, dass das dreimalige Wiederholen eines Satzes eben auch nur eine indische Marotte ist.

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Heute war der letzte Tag des Festes, an dem eine Prozession mit Lichterlauf und einem geschmückten Elefanten stattfinden sollte. So fuhren wir gegen 17.00 mit einem kleinen Canalboat (= Nußschale) die Backwaters entlang bis wir zu einem kleineren Kanal kamen, den unser Hausboot nicht hätte passieren können. Am hinteren Ende war der Kanal durch Schlick verstopft (kam mir irgendwie bekannt vor), so dass wir zu Fuß weitergehen mussten. Die meisten Leute, an denen wir vorbeikamen, lächelten freundlich und ich hätte gerne ein paar Worte in ihrer Sprache gekonnt, um sie anzusprechen. Wir passierten den Kanal über eine winzige Brücke, kamen an bereits aufgestellten Öllampen vorbei sowie an einem großen Baldachin, einer Art Tempel. Ich mußte wieder an einzelne Traumschiffsequenzen denken, die mir von früher im Gedächtnis waren, bis wir schließlich an den Anfang der Prozession kamen, wo verschiedene Musiker auf einer großen Bühne sehr laut mit Unterstützung mehrerer Lautsprecher für meine Ohren sehr schräge Musik machten.


Davor saßen und standen jede Menge Leute, wir waren mit Fatima und noch zwei Münchner Frauen von unserem Schwesternboot die einzigen Touristen. Das ganze Spektakel hatte also nicht allzuviel mit Traumschiff zu tun, da es sich nicht um eine Attraktion für Touristen handelt, sondern um eine große Feier der Einheimischen.

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Vor allem die Kinder schauten uns sehr neugierig an, die Mädchen waren eher schüchtern und trauten sich nicht, uns anzusprechen. Die Jungs waren in der Regel mutiger, so dass wir den Abend über sehr häufig erzählten, wie wir heißen, wo wir herkommen, was wir in Indien machen und wo wir noch überall hinfahren werden etc. Am schwierigsten fand ich die Frage, was Indien und Deutschland gemeinsam haben. Mir fiel dazu wirklich nicht viel ein. Schon nach meinen ersten Tagen in Indien hatte ich den Eindruck, dass die indischen Sitten und Gebräuche völlig anders waren als unsere, dass die Sprache sehr fremd, die Menschen im Wesen ganz unterschiedlich, das Essen nicht vergleichbar und auch die Landschaft kaum Parallelen zuließ. Keine sehr befriedigene Antwort für den jungen Inder, der sie mir stellte, und der gerne als Krankenpfleger nach Deutschland gehen wollte.

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Die Offenheit und offensichtliche Neugierde der Inder auf alles Fremde faszinierte mich völlig und auch der Gedanke an einen Inder in einem kleinen schwäbischen Dorf ließ keinerlei Parallelen zu. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass er dort so offen begrüßt und angesprochen werden würde wie wir in diesem kleinen Provinzdorf mitten in den Backwaters.

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Es dauerte unglaublich lange, bis die Prozession startete, Valentin hatte uns bereits vorgewarnt:
'It will start at 8.00 o´clock, but you know, indian 8 o´clock!'
Und in der Tat verzögerte sich alles bis etwa 9 Uhr, aber für uns war es wirklich ein außergewöhnlicher Anblick. Vorher wurde noch ein Tanz aufgeführt, bei dem nur Männer mit geschmückten Federbüschen auf dem Kopf im Kreis tanzten. Das Ganze sah aus, als würden die Tänzer Blumentöpfe auf dem Kopf balancieren. Ich möchte mich gar nicht lustig machen über andere Sitten, aber der Anblick war für europäische Augen tatsächlich sehr ungewöhnlich und toppte aus meiner Sicht noch die tanzenden Nonnen, die wir mit Tobi in Rom gesehen hatten. Ein unheimlich bizarres Spektakel.

Bizarr war auch das, was mir vom Rest des Abends im Kopf hängenblieb, als die Lichterketten in kleinen Öllämpchen angezündet wurden, die unheimlich hübsch zurechtgemachten Mädchen in Freudengeheul zu Ehren der Göttin ausbrachen, als der über und über mit Gelb, Gold und Silber dekorierte Elefant die Prozession startete und die Jungs mit Fackeln und glitzernden Schirmen hinterherliefen. Die Prozession hielt immer wieder an während des Laufs, um an einzelnen Stationen der Göttin zu huldigen und Opfer darzubringen. Zwischendrin hatten wir kurz Gelegenheit, mit den beiden anderen Gästen aus München zu reden, aber die meiste Zeit wurden wir von den indischen Jungs in Beschlag genommen. Die Mädchen schauten auch meistens sehr neugierig zu uns rüber, waren aber viel zu schüchtern, einfach auf uns zuzugehen, so dass sie sich darauf beschränkten, uns zu beobachten und immer wieder in fröhliches Lachen auszubrechen. In der Hinsicht war dann wirklich kein großer Unterschied mehr zu jungen Teenagern wie wir sie von zuhause kennen.

Einer der Jungs malte uns zu Ehren der Göttin einen gelben Punkt auf die Stirn, außerdem wurden uns von verschiedenen Seiten Wunderkerzen zugesteckt, die wir halten sollten, bis sie abgebrannt waren. Einer der Jungs wollte uns auch noch ganz nach vorne zu der Prozession mitnehmen, wo zu Beginn die Göttin aufgestellt war, bevor sie auf den Elefanten gehoben wurde. Wir sollten nur die Schuhe ausziehen. Aber irgendwie hatten Daniel und ich doch das Gefühl, dass wir dort nicht hingehörten und lehnten daher freundlich ab.

Besonders ich musste den Menschen hier ein sehr ungewohntes Bild geboten haben, da sie sicher nicht allzu oft Touristen zu Gesicht bekamen. Ich war mit Ausnahme von einem kleinen Mädchen die einzige weibliche Person, die Hosen trug, hatte meistens die Hände in den Hosentaschen und wirkte wahrscheinlich ausgesprochen männlich, zumal ich mich mit Daniel unterhielt, mit ihm aus einer Flasche Wasser trank und mich in den Gesprächen nicht diskret zurückhielt.

Gegen später hatten wir den Eindruck, dass Valentine wieder zum Boot zurückwollte, da seine Mannschaft dort noch das Dinner für uns zubereiten sollte. Es war mittlerweile längst dunkel, eine Tatsache, die mich am ersten Tag sehr überraschte, man vergisst hier sehr schnell, dass eigentlich Winter ist und so gegen 17.00 Uhr die Dämmerung einsetzt.

Wir begleiteten die Prozession bzw. den Elefanten noch ein Stück und überholten den Zug, sobald die Straße etwas breiter wurde. Vorher wäre ein Überholen gar nicht möglich gewesen, da der schmale Weg von mit Wasserhyazinthen bedeckten Wasserflächen gesäumt war. Es war ein eigentümlicher Zug, vorneweg der Elefant, dann all die Menschen mit ihren Öllampen und Ölfackeln, in die immer wieder Kokosöl nachgeleert wurde. Daneben gab es ein unglaublich lautes Feuerwerk, das zum Teil direkt unter den Bäumen angezündet wurde.

Am Ende des Weges wartete schon unser winziges Boot auf uns. Auch die zwei Münchnerinnen waren nun dabei und sollten mit uns zurück zu ihrem Hausboot fahren. Im Dunkel in dieser Nussschale durch die Backwaters zu fahren hatte etwas sehr Gespenstisches. Es war Vollmond, so dass man zwar sehr gut sehen konnte, wie sich die Palmen, die den Uferrand säumten, in der völlig ruhigen Wasseroberfläche spiegelten, aber im Wasser selber konnte man kaum etwas erkennen und das Boot wackelte nicht wenig. Zwischendurch hielten wir noch an einem kleinen Häuschen, wo ein anderer Fahrer zustieg. Ein Hund bellte und an der Seite sah man den Kopf einer Kuh durch einen schmalen Spalt in der Stallwand. Zum Ablegen wurden keine Ruder verwendet, sondern lediglich ein langer Stab, mit dem sich der Bootsmann vom Boden abstößt. Erst in der Mitte des Wassers wollte er den kleinen Motor anwerfen, der dabei allerdings mehrmals seinen Dienst versagte. Es war schon eine merkwürdige Situation, mitten im Dunkeln auf einem winzigen Boot und einem Motor, der nicht ansprang. In dem Moment war ich froh, dass unser Reiseleiter ein Mobiltelefon dabei hatte, das auch tatsächlich Empfang hatte.

Letztendlich sprang der Motor aber doch noch an. Ich fand diese nächtliche Bootsfahrt ausgesprochen beeindruckend, trotz der Dunkelheit. Das Spiegelbild der Palmen im Wasser sah wunderschön aus, man hörte lediglich die Geräusche der Tiere, in erster Linie Vögel, außerdem hörte man auch hier noch die Musik der Prozession, die durch das Wasser weitergetragen und durch keinerlei Betonwände abgehalten wurde und somit die Backwaters sehr weitläufig beschallte. Eine sehr unwirkliche Situation, das Wort bizarr ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber selbst in der Dunkelheit erkannte unser Bootsmann noch rechtzeitig die drei Fischerboote, die nachts beim Angeln waren, so dass er den Motor abstellte und langsam an ihnen vorbeitrieb. Ich war sicherlich nicht die einzige, die in dem Moment fürchtete, der Motor würde anschließend nicht mehr anspringen. Letztendlich erreichten wir aber die beiden mittlerweile miteinander verankerten Hausboote, in denen die Bootscrew schon mit dem fertigen Essen auf uns wartete.

Danach sanken wir nur noch voll der neuen Eindrücke in unser großes Himmelbett, das glücklicherweise von einem großen Moskitonetz umgeben war, denn Moskitos und anderes Ungeziefer gibt es definitiv in den Backwaters. Noch immer hörten wir die Musik der Prozession, aber in weiter Ferne. Das sanfte Schaukeln des Bootes und die fremden Vogelgeräusche wiegten uns dennoch schnell in den Schlaf.

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Donnerstag, Januar 04, 2007

Nach Allepey zum Hausboot
Dienstag, 05. Dezember 2006

Sabu, unser Fahrer, holte uns morgens um 10.00 Uhr am Hotel ab. Während er wieder sehr pünktlich war, schafften wir es erneut, uns ordentlich zu verspäten und zerstörten damit wahrscheinlich endgültig das Bild von der deutschen Pünktlichkeit.

Auf der Autofahrt nach Allepey hielt Sabu zum Tanken an einer Tankstelle. Benzin fand ich verhältnismäßig teuer und etwas irritiert war ich, dass Sabu nach dem Tanken das Auto mehrmals ordentlich durchschüttelte. Auf meine Frage hin erläuterte er mir, dass so mehr Benzin in den Tank passen würde. Hmm. Entgegen der mir bekannten Autos befindet sich im Ambassador die Tanköffnung hinten im Kofferraum. Vermutlich hält das besser davon ab, den Tankinhalt abzusaugen. Danach fragen wollte ich ehrlich gesagt nicht mehr.

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In Allepey bestiegen wir unser Hausboot. Mir kam unser Urlaub bisher schon sehr unwirklich vor, was sicherlich daran lag, dass es mein 1. Indienaufenthalt war. Die Fahrt auf dem Hausboot hatte aber geradezu etwas Surreales für mich.


Das Boot war wirklich mit allem ausgestattet, was man sich so vorstellen kann, das Bad gefliest mit einem beleuchteten Waschbecken, in unserer großzügigen Kabine stand ein Doppelbett mit Moskitonetz, Fensterscheiben gab es keine, so dass man das Rauschen des Wassers hören konnte, während man im Bett lag.

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Auf dem Boot selber wurden wir beide mit einer frisch aufgeschlagenen Kokosnuss begrüßt. Unser Hausboot war definitiv eins der schönsten auf den gesamten Backwaters und als eines der ganz wenigen Boote mit einem Oberdeck ausgestattet. Dort standen zwei Liegestühle, die wir natürlich sofort in Beschlag nahmen. Unsere Crew bestand aus dem Reiseleiter Valentine, einem Koch (der sich immer ausgesprochen darüber freute, dass uns sein Essen so gut schmeckte) und zwei Steuerleuten. Ausser Valentine hielt sich die Crew insgesamt eher im Hintergrund, aber alle waren unheimlich freundlich zu uns.

Später stieg noch eine weitere deutsche Touristin hinzu, die die nächsten Tage mit uns auf dem Boot verbringen sollte. Als sie uns ihren Namen nannte, verstanden wir beide Fatima, richtig war wohl Martina, aber da sie sich in mancher Hinsicht indischer benahm als mancher echte Inder, blieb es für uns bei Fatima. Als allererstes machte sie uns darauf aufmerksam, dass sie das Essen lieber mit der Hand ißt. Denn von einem Bananenblatt mit Besteck essen?
'Das krieg ich jetzt echt nicht hin.'
Wir schon.

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Während unserer Fahrt veränderte sich die Landschaft eigentlich ständig. Mal fuhren wir an Reisplantagen vorbei, mal wurden die Backwaters schmaler, dann wieder breit wie ein großer Strom, mal war das Ufer dicht von Palmen gesäumt und anschließend hatte man weiten Blick ins Hinterland. Immer wieder sahen wir winkende Kinder, andere Hausboote, die Landschaft war bizarr und exotisch zugleich, wie ich es bisher nur von Bildern und vom Fernsehen her kenne. Manchmal kamen wir auch an kleineren oder größeren Entenansammlungen im Wasser vorbei. Hierbei handelte es sich um Entenfarmen, außerdem sah man immer wieder Ziegen oder Kühe. Alles hier wirkte ausgesprochen ländlich und friedlich.

Inmitten der Idylle erinnerte mich lediglich das ab zu ertönende Handyklingeln an schlechte Jambawerbung.

Einmal sahen wir wie ein Mann am Ufer auf seinem Fahrrad entlang fuhr, der in regelmäßigen Abständen immer 'hooo' rief. Valentine erzählte uns, dass es sich dabei um einen Fischverkäufer handelte, der Fisch verkaufen wollte. So direkt am Wasser war er offensichtlich nicht besonders erfolgreich, da es für die meisten wahrscheinlich einfacher und günstiger war, ihren eigenen Fisch direkt vor der Haustüre zu fangen.

Das Flussufer war rechts und links gesäumt von Kokos- und Bananenpalmen, dazwischen kleine Häuschen, Frauen, die ihre Wäsche im Fluss wuschen, Kinder tollten am Ufer entlang, ab und zu hörte man Hundegebell oder das Schnattern von Enten. Hin und wieder konnte man sehen, wie sich jemand im Fluß die Zähne putzte und immer wieder konnte man Fischer beim Angeln oder bei der Muschelsuche beobachten. Ansonsten hörte man nur das leise Motorgeräusch der Hausboote und ab und zu mal ein kleines Motorboot vorbeiziehen.

bildbeschreibung

Zur Mittagszeit bzw. genauer während des Essens lag unser Boot immer vor Anker, so daß der Koch das Essen zubereiten und anschließend in Ruhe gegessen werden konnte - zunächst die Gäste und danach die Crew. Ich fragte mich, ob sie für sich separat kochten oder unsere Reste bekamen. Essen gab es reichlich, immer wieder auf einem Bananenblatt serviert, fast immer war Fisch dabei, den unser Koch frisch auf einem der umliegenden Märkte eingekauft hatte, außerdem viel Gemüse und den typischen Keralareis (deutlich dicker und bissfester als der mir bekannte Reis, sehr gut). Valentine gestand uns, dass nur für die deutschen Touristen so mild gekocht wird und die typische Keralaküche eigentlich viel würziger sei.

Während des Essens stand eigentlich fast immer jemand von der Bootscrew in der Nähe, allerdings nicht, um uns beim Essen zu beobachten, sondern um sicherzugehen, dass es uns an nichts mangelt. Auf der einen Seite war es schön, so umsorgt zu werden, auf der anderen Seite machte ich mir Gedanken, dass ich möglicherweise unhöflich wirke, wenn ich etwas ablehne und fragte mich, welchen dekadenten Eindruck wir wohl bei der indischen Crew hinterlasse mochten.

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Mittwoch, Januar 03, 2007

Stadtrundfahrt und Kathakali
Montag, 04. Dezember 2006


Bei Tag hätte ich kaum für möglich gehalten, wie still es hier nachts wird. All die fremden Geräusche des Tages waren nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich weitgehend verstummt, man hörte Grillen zirpen oder mal ein fremdes Tier schreien, manchmal ein Motorrad und das leise Surren der Klimaanlage. Insgesamt war es sehr ruhig.

Bis zum nächsten Morgen. Als wir aufwachten, konnten wir an dem sehr typischen Geräuschpegel erkennen, dass wir direkt neben einer Schule wohnten.

Unser Fahrer Sabu, der uns auch die nächsten Tage begleiten würde, holte uns um 9.30 Uhr vor dem Hotel ab und war (im Gegensatz zu uns und unseren Erwartungen) ausgesprochen pünktlich. Mit dabei war noch ein englischsprechender Reiseführer, der uns die Sehenswürdigkeiten von Fort Kochi zeigen wollte. Mit einem Ambassador ließen wir uns durch die verwinkelten Gassen von Fort Kochi kutschieren, machten dabei verschiedene Zwischenstopps, an denen uns der Reiseführer sämtliche Sehenswürdigkeiten erläuterte. So zeigte er uns als erstes die St. Francis Church mit dem Grab von Vasco de Gama. Die Kirche wirkte auf mich ungewohnt hell und freundlich und es dauerte eine Weile bis ich merkte, dass dieser Eindruck an den weit geöffneten Fensterläden lag. Fensterscheiben gab es gar keine. So sah man von innen direkt in den grünen Kirchhof mit all den blühenden Pflanzen. Ich musste an unsere düsteren Kirchen denken, in die in der Regel kaum ein Strahl Tageslicht gelangt.

kirche


Danach fuhren wir weiter zu den chinesischen Fischernetzen am Hafen von Fort Kochi. War mir am Vortag bei unserem ersten Rundgang noch alles irgendwie beunruhigend fremd erschienen, machte Fort Kochin nach einer einigermaßen durchgeschlafenen Nacht einen völlig anderen Eindruck auf mich. Das Meer leuchtete, der Himmel war strahlend blau, auf den Straßen herrschte ein buntes Treiben und alles wirkte grün und lebhaft. Unser Reiseleiter nahm uns zu einem der großen Fischernetze mit, wo wir selber mal ein Netz aus dem Wasser ziehen konnten. Die meisten Inder, die ich sah, waren eher schmächtig und klein. Es war mir ein Rätsel, wie sie die mit einigen 70 kg schweren Steinen beschwerten Fischernetze scheinbar mühelos aus dem Wasser ziehen konnten. Bei mir sah es dagegen eher unbeholfen und schwerfällig aus.

Weiter ging es zur Santa Cruz Basilica, einer ausgesprochen kitschigen Kirche, die zu bunt und überladen wirkte und die mich lange nicht so faszinierte wie die St. Francis Church. Danach folgten die jüdische Synagoge mit ihren schönen Fliesen und der Dutch Palace, in dem unser Reiseleiter versuchte, uns die verschiedenen Gottheiten (und deren Inkarnationen) des Hinduismus näher zu bringen. Bei der großen Anzahl an Göttern kein einfaches Unterfangen.

dhobi


Zum Schluß besuchten wir noch eine indische Wäscherei, in der alle Tätigkeiten noch mit der Hand gemacht werden und auch das Bügeleisen noch wie zu Großmutters Zeiten mit Glut angeheizt wird. Mir kam zunächst automatisch der Gedanke, wie rückständig das ist, wo man schließlich auch in Indien elektrische Bügeleisen und Waschmaschinen kaufen kann. Aber all diese elektrischen Geräte kosten viel und verursachen hohe Folgekosten. Arbeitskraft dagegen ist unglaublich billig, so dass man ein Hemd für umgerechnet ca. 10 Cent von Hand waschen und bügeln lassen kann. Und dieses Hemd ist anschließend so ordentlich gebügelt wie ich es selber noch nie hinbekommen habe.

dhobi


Wie befürchtet lotste uns unser Reiseleiter zum Schluss noch in einen weiteren Souvenirladen, wo er höchstwahrscheinlich Provisionen erhielt, sofern seine Touristen dort etwas einkaufen. Genau wie gestern empfand ich auch hier das Stöbern bzw. Einkaufen als sehr unangenehm. Man muss schon eine ausgesprochene Hartnäckigkeit an den Tag legen, um sich von den zumindest aus meiner Sicht unglaublich penetranten Verkäufern nicht zum Kaufen nötigen zu lassen. Ein simples Nein wurde auch in diesem Geschäft überhaupt nicht wahrgenommen bzw. es wurde genauestens gefragt, warum wir nichts kaufen wollten. Ausflüchte nutzten gar nichts, da der Verkäufer immer noch ein Gegenargument parat hatte. Selbst die Aussage, wir bräuchten die Sachen nicht, ließ er nicht gelten:
'Man kauft nicht, weil man etwas braucht, sondern weil es Freude macht'.
Mein armer Daniel wirkte auf die Verkäufer wahrscheinlich immer wie ein Mann, der zu geizig ist, seiner Freundin ein Geschenk zu machen. Dabei weiß ich natürlich, dass das überhaupt nicht stimmt.

Nach der Stadtführung hatten wir dann ein paar Stunden Zeit zu unserer freien Verfügung bis wir nachmittags von Sabu zu einer Bootstour abgeholt wurden. Als wir aber am Hafen von Fort Kochi ankamen, musste Sabu allerdings feststellen, dass unser Boot im Schlick festsaß und daher nicht ins Wasser gezogen werden konnte. Also fuhr uns Sabu auf die andere Seite des Sees zum Hafen von Ernakulam, der Schwesternstadt von Kochi auf dem Festland.

Die Fahrt dorthin führte direkt durch den Feierabendverkehr und ich bekam mal einen richtigen Eindruck, wie man in Indien Auto fährt. Für eine Autofahrt in Mumbai reichte meine Vorstellungskraft danach gar nicht mehr aus, denn eigentlich war ich der Meinung, dass es schlimmer gar nicht mehr geht. Auf einem Motorrad sitzen in der Regel mindestens zwei Personen, die Frau sitzt meistens hinten, aber im Damensitz, so daß ich mich insgeheim fragte, ob sie in Rechtskurven nicht eigentlich hintenüber vom Motorrad fallen müsste. Vielfach sitzen noch 1/2 Kinder mit auf dem Motorrad, entweder irgendwo dazwischen oder noch vor dem Fahrer. Oder es wird irgendetwas Großes transportiert. Meine bisherigen Vorstellungen, was auf einem Motorrad oder Scooter so alles Platz hat, wurden völlig über den Haufen geworfen. In Indien herrscht grundsätzlich Linksverkehr. Grundsätzlich sage ich, weil meines Erachtens der normale Inder einfach dort fährt, wo er Platz findet, ganz egal, ob das nun links oder rechts auf der Straße ist. Vielfach ist das auch einfach in der Straßenmitte. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn ständig Autos direkt auf einen zufahren. Und während Sabu auf der Fahrt nach Ernakulam ständig nach rechts und links auf irgendwelche sehenswerten Dinge zeigte, hielt ich den Blick in der Zwischenzeit lieber geradeaus auf die Straße gerichtet.

Einer musste das ja tun.

Die Situation auf der anderen Seite war allerdings die gleiche ? zuviel Schlick durch Ebbe und daher keine Möglichkeit, Boote ins Wasser zu lassen. Nun könnte man natürlich sagen, dass sich Sabu das hätte denken können. Man könnte natürlich auch sagen, dass man das besser hätte organisieren können. Aber schließlich waren wir in Indien, über solche Dinge sollte man sich hier nicht ärgern und damit taten wir das auch nicht, sondern übten uns in Gelassenheit. So fuhr uns Sabu wieder mitten durch den Feierabendverkehr von Ernakulam zurück nach Fort Kochi. Und als Entschädigung für die entgangene Bootsfahrt bekamen wir Tickets für eine Kathakali-Aufführung.

strand


Leider hatte ich mich in Bezug auf meinen Jetlag etwas überschätzt, so dass mir auf der Stelle die Augen zufielen bei der für meine Ohren recht eintönigen Musik, dem gedämpften Licht und dem Geruch der umstehenden Öllämpchen. Ein wenig bekam ich noch von der sehr aufwändigen Schminkphase der Künstler mit, aber richtig wach wurde ich erst, als einem der Zuschauer hinter uns mit lautem Krachen die Rückenlehne brach. Ab da konnte ich mich auch wieder auf die skurrile Veranstaltung konzentrieren. Die Story ist schnell erzählt. Mann bedrängt Frau, diese wehrt sich, so dass er Gewalt anwendet. Frau heult sich bei Bruder aus, der daraufhin umgehend den Vergewaltiger umbringt.

Zunächst schminkten sich dazu die Tänzer sehr aufwändig mit verschiedenen Farben aus verschiedenen Materialien (z. B. Umbra), die zunächst gemahlen wurden, damit die Farbe weich wurde. Anschließend wurde anhand einer separaten Vorstellung gezeigt, welche Gesten, Gesichtsausdrück und Tanzschritte für einzelne Aussagen stehen, denn das gesamte Schauspiel findet ohne Worte statt. Man sollte sich also im Schnelldurchlauf alles merken, was anhand dieser kurzen Einführung erläutert wurde. Für Touristen ist das kaum möglich, aber früher war Kathakali auch noch keine Touristenattraktion, sondern richtiges Schauspiel, das bis zu sechs Stunden dauern konnte. Nach der Erläuterung ging das Stück los, sehr exotisch, erstaunlich, skurril, die einzigen Zuschauer waren Touristen. Wahrscheinlich ist dieses Spektakel für Inder heute so etwas Ähnliches wie für uns Steiners Theaterstadel. Ein wenig kam ich mir vor wie in einer Traumschiff-Folge: Man schaut sich Dinge an, die einem, wenn man ehrlich ist, nicht wirklich gefallen, aber da sie aus einem fremden Land kommen, klatscht man trotzdem hinterher und ist beeindruckt.

strand


Nach ca. 2 ½ h war das Spektakel vorbei und ich wieder richtig ausgeschlafen. So begaben wir uns direkt nach nebenan ins Old Port, das uns unser Reiseführer und unser Hotel empfohlen hatte. Das Essen war rustikal und lecker, inbesondere das Butternaan hatte es mir angetan.

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Dienstag, Januar 02, 2007

Ankunft in Fort Kochi
Sonntag, 03. Dezember 2006

Bei der Ankunft in Kochi erwartete uns ein aus unserer Sicht* kleiner Provinzflughafen mit zahlreichen fremden Gerüchen, viele Reisende hatten Kinder dabei, die uns anlachten und winkten. Es waren kaum nicht-indische Touristen dabei, alle warteten geduldig in der endlos langen Schlange am Immigration-Office, die unglaublich langsam kürzer wurde. Der Immigration-Officer freute sich, dass er auf deutsch "Guten Morgen" sagen konnte.

Wir uns auch.

Am Flughafen wurden wir von einem Taxifahrer abgeholt, dessen Name so ähnlich wie Richie klang und der mich bei der Begrüßung als Daniels weibliche Begleitung geflissentlich übersah. Auch mal etwas ganz Neues für mich, woran ich mich aber die nächsten Wochen gewöhnen musste (das wusste ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht). Abgesehen davon, dass ich als Frau für ihn keine bedeutende Rolle spielte, war er aber ansonsten ausgesprochen freundlich und erzählte uns Daniel auf der ca. 1-stündigen Fahrt zum Hotel schon einiges über die Stadt und Indien an sich. Während der Fahrt schnallte er sich etwa viermal an und wieder ab, was mir die Gewissheit gab, dass er sich definitiv nicht zu seiner eigenen Sicherheit anschnallte (was aus meiner Sicht dringend notwendig gewesen wäre), sondern lediglich weil irgendwo ein Polizist in der Nähe war. Obwohl es Sonntag war und daher der Verkehr nur halb so wild wie an einem Werktag, überzeugte mich schon der erste Eindruck, dass in Indien wirklich jeder fährt wie er kann. Laut unserem Taxifahrer benötigt man drei Dinge beim Autofahren:
'A good brake, a good horn and good luck.'
Das klang für mich einleuchtend, nur war mir noch nicht ganz klar, wozu die Hupe nutzen sollte. Hupen tat hier jeder und zwar ständig und aus meiner Sicht auch ohne ein entsprechendes Konzept dabei.

ambassador

Ich nahm mir vor, das weiter zu beobachten.

Schon auf der Fahrt zum Hotel bekamen wir einen recht bunten Eindruck von unserer neuen Umgebung. Wegen des Abfalls, der vielfach am Rand der Straßen herumlag, waren etliche Krähen unterwegs, herrliche Häuser standen direkt neben eingefallenen Baracken, dazwischen immer wieder Kokospalmen und exotische Landschaft. So wechselte sich Schönes mit Hässlichem ab und ich wurde nicht müde, aus dem Autofenster heraus alles zu beobachten.

Schließlich kamen wir im Hotel Raintree Lodge an, einem netten, kleinen Hotel mit sehr freundlichen Mitarbeitern. Der junge Mann, der unser Gepäck scheinbar mühelos die Treppe zu unserem Zimmer hinauftrug, war weniger als halb so breit wie ich und ich musste daran denken, wie ich rumgemault hatte, als ich den Koffer in Köln die Treppe hinaufschleppen musste. Unser Zimmer war schön, sehr sauber und hatte einen kleinen Balkon auf die Straße hinaus. Da wir mittlerweile doch ziemlich müde waren, schliefen wir erst einmal eine Runde auf dem breiten Bett. Immerhin fehlte uns eine Nacht, die wir im Flugzeug bzw. in Dubai auf dem Flughafen verbracht hatten.

raintree

Nach unserem Mittagschlaf waren wir beide ziemlich unentschlossen, was wir nun als nächstes tun sollten. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nirgendwo so fremd gefühlt wie hier in dieser indischen Stadt in der für mich alles unbekannt war und wo ich überhaupt nicht wusste, was man tun kann und was man lieber lässt, ich sprach die Sprache der Menschen hier nicht, wusste ihre Gesten nicht zu deuten und mir gingen so blöde Gedanken durch den Kopf, ob es möglicherweise gefährlich sei, zu Fuß durch die Stadt zu laufen. In dem Moment wäre ich am liebsten einfach nur im Bett liegen geblieben, schob diese Gedanken glücklicherweise aber auf Müdigkeit und Jetlag.

Der sehr nette junge Mann am Empfang erklärt uns geduldig und ausgiebig, was wir alles in Fort Kochi machen konnten und wir merkten erst jetzt, wie nah wir am Wasser wohnten. So entschieden wir uns also für einen ersten Spaziergang und waren wirklich in fünf Minuten schon am Meer.

strand

Da Sonntag war, waren viele Inder am Strand (der kein Strand nach unserem Verständnis war) unterwegs, etliche von ihnen sehr hübsch herausgeputzt und auch wieder sehr viele Kinder dabei, die sich unbändig freuten, wenn sie uns sahen. Sie winkten uns zu oder probierten ihre Englischkenntnisse aus, während uns die Erwachsenen in der Regel unverhohlen anstarrten. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich der Exot bin, denn allzu viele nicht-indische Touristen sah man hier nicht und ich hätte mir vorher auch nicht träumen lassen, dass mich der Anblick von Touristen in der Fremde mal so erfreuen würde. Hier in Fort Kochi war mir aber so vieles fremd, dass ich beinahe erleichtert aufatmete, als mir der erste Tourist über den Weg lief. So hatte ich wenigstens das Gefühl, dass sich hier auch noch andere Menschen genauso mit all dem Fremden auseinandersetzen mussten wie ich.

Daniel und ich liefen einmal am Strand an der schmalen Promenade entlang, uns bot sich ein völlig anderes Bild als wir es bisher von unseren Reisen kannten, die Geräusche waren neu, die Gerüche unbekannt und mir schien alles so fremd, dass ich mich in meiner Müdigkeit am liebsten in meinem Hotelzimmer verkrochen hätte.

strand

Auf dem Rückweg zum Hotel wollten wir auch kurz in einen Andenkenladen einkehren. Hier lernten wir allerdings die weniger schöne Seite des freundlichen Services kennen, denn der Verkäufer bedrängte uns auf kaum vorstellbare Art und Weise, doch unbedingt etwas bei ihm zu kaufen. Er war fast nicht abzuschütteln und wir konnten ihm schwer klarmachen, daß auch wir nicht einfach mal so im Vorbeigehen einen Pashmina für 60 Euro mitnehmen. Aber für indische Verhältnisse sind wir als Touristen natürlich Goldesel, die es unbedingt zu schröpfen gilt. Das sollten wir während unserer Reise leider noch öfter feststellen.


Nach unserem Spaziergang gönnten wir uns erst einmal eine kleine Lesepause auf der hübschen Dachterrasse des Hotels, von der man einen wunderschönen Blick auf Palmen, eine Kirche, verwinkelte Gärten und andere Dachterrassen hatte. Wir beobachteten den relativ kurzen Sonnenuntergang mit seinem typischen leuchtenden Dämmerlicht, den wir in nächster Zeit noch häufiger sehen sollten. Ein wirklich herrlicher Anblick.

dach

Abends aßen wir im Malabar House mit Lifemusik. Das Restaurant war ausschließlich von Touristen besucht und während wir dort saßen, dachte ich mir, daß wir gerade genauso in einem indischen Restaurant am Prenzlauer Berg sein könnten. Ich verwarf den Gedanken allerdings sofort, als wir nach dem Essen wieder auf der unasphaltierten Straße standen, den kreuz- und querfahrenden Motorrädern auswichen und die aufdringlichen TukTuk-Fahrer abwiegeln mußten, da wir die paar Meter doch lieber zu Fuß gehen wollten. Das Essen war übrigens ausgezeichnet. Ich war begeistert von meinem Fischcurry, da ich bisher nur selten so feinen Fisch gegessen hatte. Aber auch das sollte in den nächsten Wochen häufiger vorkommen.

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* ein Begriff, der mir so oder ähnlich in den nächsten Wochen noch häufiger durch den Kopf gehen sollte.

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Montag, Januar 01, 2007

Indien - es geht los

Als Ende November unser Urlaub begann, schienen mir die 4 ½ freien Wochen, die vor uns lagen, unglaublich lang, Weihnachten war ganz weit weg, die Arbeit schon ab dem 1. Urlaubstag in weite Ferne gerückt. Stattdessen stand unser Indienurlaub vor der Tür.

Heute liegt alles leider schon wieder hinter uns, der Flug nach Kochi in Kerala ist lange vorbei, auch Weihnachten mit alle seinen Geschenken und Besuchen ist zu Ende gefeiert und in zwei Tagen heißt es wieder arbeiten.

Es gibt aber einiges zu erzählen, denn ich habe im Urlaub fleißig mitgeschrieben und so nach und nach werde ich jetzt mein Blog mit Indienbeiträgen füllen. Schade für diejenigen, die das nicht so interessiert, aber dazwischen ist mit Sicherheit auch immer wieder mal etwas für die weniger Reiselustigen dabei :-)

Flug von Düsseldorf über Dubai nach Kochi

Samstag, 02. Dezember 2006

Samstag, der 02. Dezember, heute war der große Tag, an dem Daniel und ich endlich nach Indien fliegen sollten, mit Emirates nach Kochi, der 'Perle' Indiens etwa in der Mitte des Bundesstaats Kerala an der Küste gelegen. Die Inder sagen in der Regel Kerla, das "A" in der Mitte hört man kaum bis gar nicht. Das hatte ich mir schon im Vorfeld gemerkt, ansonsten brachte ich aber die alten britischen und die neuen indischen Namen regelmäßig durcheinander.

Am Flughafen trafen wir ein deutsches Paar, das für 5 Monate durch Indien reisen wollte. Der Mann erzählte uns natürlich sofort, dass er sich vor 15 Jahren in Indien eine schlimme Malaria eingefangen hatte:
'Muss in Kochi gewesen sein.'
So etwas hasse ich ja.

In Dubai hatten wir einen kurzen Zwischenstopp und der Flughafen war so überkandidelt wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Überall blinkte es nur so vor lauter Gold und Silber, man konnte unglaublich teuren Schmuck kaufen und sogar die Flughafenuhr war eine Rolex. Die Plumpsklos haben mich dann doch etwas überrascht. Eigentlich hatte ich hier stattdessen mit einem beheizbaren Thron mit Samtüberzug gerechnet.

Dubai

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