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Mittwoch, Januar 03, 2007

Stadtrundfahrt und Kathakali
Montag, 04. Dezember 2006


Bei Tag hätte ich kaum für möglich gehalten, wie still es hier nachts wird. All die fremden Geräusche des Tages waren nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich weitgehend verstummt, man hörte Grillen zirpen oder mal ein fremdes Tier schreien, manchmal ein Motorrad und das leise Surren der Klimaanlage. Insgesamt war es sehr ruhig.

Bis zum nächsten Morgen. Als wir aufwachten, konnten wir an dem sehr typischen Geräuschpegel erkennen, dass wir direkt neben einer Schule wohnten.

Unser Fahrer Sabu, der uns auch die nächsten Tage begleiten würde, holte uns um 9.30 Uhr vor dem Hotel ab und war (im Gegensatz zu uns und unseren Erwartungen) ausgesprochen pünktlich. Mit dabei war noch ein englischsprechender Reiseführer, der uns die Sehenswürdigkeiten von Fort Kochi zeigen wollte. Mit einem Ambassador ließen wir uns durch die verwinkelten Gassen von Fort Kochi kutschieren, machten dabei verschiedene Zwischenstopps, an denen uns der Reiseführer sämtliche Sehenswürdigkeiten erläuterte. So zeigte er uns als erstes die St. Francis Church mit dem Grab von Vasco de Gama. Die Kirche wirkte auf mich ungewohnt hell und freundlich und es dauerte eine Weile bis ich merkte, dass dieser Eindruck an den weit geöffneten Fensterläden lag. Fensterscheiben gab es gar keine. So sah man von innen direkt in den grünen Kirchhof mit all den blühenden Pflanzen. Ich musste an unsere düsteren Kirchen denken, in die in der Regel kaum ein Strahl Tageslicht gelangt.

kirche


Danach fuhren wir weiter zu den chinesischen Fischernetzen am Hafen von Fort Kochi. War mir am Vortag bei unserem ersten Rundgang noch alles irgendwie beunruhigend fremd erschienen, machte Fort Kochin nach einer einigermaßen durchgeschlafenen Nacht einen völlig anderen Eindruck auf mich. Das Meer leuchtete, der Himmel war strahlend blau, auf den Straßen herrschte ein buntes Treiben und alles wirkte grün und lebhaft. Unser Reiseleiter nahm uns zu einem der großen Fischernetze mit, wo wir selber mal ein Netz aus dem Wasser ziehen konnten. Die meisten Inder, die ich sah, waren eher schmächtig und klein. Es war mir ein Rätsel, wie sie die mit einigen 70 kg schweren Steinen beschwerten Fischernetze scheinbar mühelos aus dem Wasser ziehen konnten. Bei mir sah es dagegen eher unbeholfen und schwerfällig aus.

Weiter ging es zur Santa Cruz Basilica, einer ausgesprochen kitschigen Kirche, die zu bunt und überladen wirkte und die mich lange nicht so faszinierte wie die St. Francis Church. Danach folgten die jüdische Synagoge mit ihren schönen Fliesen und der Dutch Palace, in dem unser Reiseleiter versuchte, uns die verschiedenen Gottheiten (und deren Inkarnationen) des Hinduismus näher zu bringen. Bei der großen Anzahl an Göttern kein einfaches Unterfangen.

dhobi


Zum Schluß besuchten wir noch eine indische Wäscherei, in der alle Tätigkeiten noch mit der Hand gemacht werden und auch das Bügeleisen noch wie zu Großmutters Zeiten mit Glut angeheizt wird. Mir kam zunächst automatisch der Gedanke, wie rückständig das ist, wo man schließlich auch in Indien elektrische Bügeleisen und Waschmaschinen kaufen kann. Aber all diese elektrischen Geräte kosten viel und verursachen hohe Folgekosten. Arbeitskraft dagegen ist unglaublich billig, so dass man ein Hemd für umgerechnet ca. 10 Cent von Hand waschen und bügeln lassen kann. Und dieses Hemd ist anschließend so ordentlich gebügelt wie ich es selber noch nie hinbekommen habe.

dhobi


Wie befürchtet lotste uns unser Reiseleiter zum Schluss noch in einen weiteren Souvenirladen, wo er höchstwahrscheinlich Provisionen erhielt, sofern seine Touristen dort etwas einkaufen. Genau wie gestern empfand ich auch hier das Stöbern bzw. Einkaufen als sehr unangenehm. Man muss schon eine ausgesprochene Hartnäckigkeit an den Tag legen, um sich von den zumindest aus meiner Sicht unglaublich penetranten Verkäufern nicht zum Kaufen nötigen zu lassen. Ein simples Nein wurde auch in diesem Geschäft überhaupt nicht wahrgenommen bzw. es wurde genauestens gefragt, warum wir nichts kaufen wollten. Ausflüchte nutzten gar nichts, da der Verkäufer immer noch ein Gegenargument parat hatte. Selbst die Aussage, wir bräuchten die Sachen nicht, ließ er nicht gelten:
'Man kauft nicht, weil man etwas braucht, sondern weil es Freude macht'.
Mein armer Daniel wirkte auf die Verkäufer wahrscheinlich immer wie ein Mann, der zu geizig ist, seiner Freundin ein Geschenk zu machen. Dabei weiß ich natürlich, dass das überhaupt nicht stimmt.

Nach der Stadtführung hatten wir dann ein paar Stunden Zeit zu unserer freien Verfügung bis wir nachmittags von Sabu zu einer Bootstour abgeholt wurden. Als wir aber am Hafen von Fort Kochi ankamen, musste Sabu allerdings feststellen, dass unser Boot im Schlick festsaß und daher nicht ins Wasser gezogen werden konnte. Also fuhr uns Sabu auf die andere Seite des Sees zum Hafen von Ernakulam, der Schwesternstadt von Kochi auf dem Festland.

Die Fahrt dorthin führte direkt durch den Feierabendverkehr und ich bekam mal einen richtigen Eindruck, wie man in Indien Auto fährt. Für eine Autofahrt in Mumbai reichte meine Vorstellungskraft danach gar nicht mehr aus, denn eigentlich war ich der Meinung, dass es schlimmer gar nicht mehr geht. Auf einem Motorrad sitzen in der Regel mindestens zwei Personen, die Frau sitzt meistens hinten, aber im Damensitz, so daß ich mich insgeheim fragte, ob sie in Rechtskurven nicht eigentlich hintenüber vom Motorrad fallen müsste. Vielfach sitzen noch 1/2 Kinder mit auf dem Motorrad, entweder irgendwo dazwischen oder noch vor dem Fahrer. Oder es wird irgendetwas Großes transportiert. Meine bisherigen Vorstellungen, was auf einem Motorrad oder Scooter so alles Platz hat, wurden völlig über den Haufen geworfen. In Indien herrscht grundsätzlich Linksverkehr. Grundsätzlich sage ich, weil meines Erachtens der normale Inder einfach dort fährt, wo er Platz findet, ganz egal, ob das nun links oder rechts auf der Straße ist. Vielfach ist das auch einfach in der Straßenmitte. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn ständig Autos direkt auf einen zufahren. Und während Sabu auf der Fahrt nach Ernakulam ständig nach rechts und links auf irgendwelche sehenswerten Dinge zeigte, hielt ich den Blick in der Zwischenzeit lieber geradeaus auf die Straße gerichtet.

Einer musste das ja tun.

Die Situation auf der anderen Seite war allerdings die gleiche ? zuviel Schlick durch Ebbe und daher keine Möglichkeit, Boote ins Wasser zu lassen. Nun könnte man natürlich sagen, dass sich Sabu das hätte denken können. Man könnte natürlich auch sagen, dass man das besser hätte organisieren können. Aber schließlich waren wir in Indien, über solche Dinge sollte man sich hier nicht ärgern und damit taten wir das auch nicht, sondern übten uns in Gelassenheit. So fuhr uns Sabu wieder mitten durch den Feierabendverkehr von Ernakulam zurück nach Fort Kochi. Und als Entschädigung für die entgangene Bootsfahrt bekamen wir Tickets für eine Kathakali-Aufführung.

strand


Leider hatte ich mich in Bezug auf meinen Jetlag etwas überschätzt, so dass mir auf der Stelle die Augen zufielen bei der für meine Ohren recht eintönigen Musik, dem gedämpften Licht und dem Geruch der umstehenden Öllämpchen. Ein wenig bekam ich noch von der sehr aufwändigen Schminkphase der Künstler mit, aber richtig wach wurde ich erst, als einem der Zuschauer hinter uns mit lautem Krachen die Rückenlehne brach. Ab da konnte ich mich auch wieder auf die skurrile Veranstaltung konzentrieren. Die Story ist schnell erzählt. Mann bedrängt Frau, diese wehrt sich, so dass er Gewalt anwendet. Frau heult sich bei Bruder aus, der daraufhin umgehend den Vergewaltiger umbringt.

Zunächst schminkten sich dazu die Tänzer sehr aufwändig mit verschiedenen Farben aus verschiedenen Materialien (z. B. Umbra), die zunächst gemahlen wurden, damit die Farbe weich wurde. Anschließend wurde anhand einer separaten Vorstellung gezeigt, welche Gesten, Gesichtsausdrück und Tanzschritte für einzelne Aussagen stehen, denn das gesamte Schauspiel findet ohne Worte statt. Man sollte sich also im Schnelldurchlauf alles merken, was anhand dieser kurzen Einführung erläutert wurde. Für Touristen ist das kaum möglich, aber früher war Kathakali auch noch keine Touristenattraktion, sondern richtiges Schauspiel, das bis zu sechs Stunden dauern konnte. Nach der Erläuterung ging das Stück los, sehr exotisch, erstaunlich, skurril, die einzigen Zuschauer waren Touristen. Wahrscheinlich ist dieses Spektakel für Inder heute so etwas Ähnliches wie für uns Steiners Theaterstadel. Ein wenig kam ich mir vor wie in einer Traumschiff-Folge: Man schaut sich Dinge an, die einem, wenn man ehrlich ist, nicht wirklich gefallen, aber da sie aus einem fremden Land kommen, klatscht man trotzdem hinterher und ist beeindruckt.

strand


Nach ca. 2 ½ h war das Spektakel vorbei und ich wieder richtig ausgeschlafen. So begaben wir uns direkt nach nebenan ins Old Port, das uns unser Reiseführer und unser Hotel empfohlen hatte. Das Essen war rustikal und lecker, inbesondere das Butternaan hatte es mir angetan.

Weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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