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Montag, Januar 08, 2007

Ein weiterer Tag auf dem Hausboot
Mittwoch, 06. Dezember 2006

Am nächsten Morgen, dem Tag nach dem Tempelfest, wurden wir von den Sonnenstrahlen geweckt, die durch die offenen Fenster unserer Kabine hereinschienen. Der Blick auf das glitzernde Wasser und das von Kokospalmen gesäumte Ufer war einfach bezaubernd und so genossen wir ausgiebig die friedliche Atmosphäre auf dem Boot.

Lediglich die fette Kakerlake, die sich die Nacht über in unser Moskitonetz geschlichen hatte und oben an der Decke hing, trübte diese Stimmung einen Moment, bis einer der Crewmitglieder sie netterweise mit der Hand einfing und sie entsorgte. Über die Kakerlake wollte ich dann lieber nicht weiter nachdenken.

bildbeschreibung

Das für 8.00 Uhr angesetzte Frühstück fand dann nach indischer Zeit erst um 8.30 Uhr statt, aber trotz meiner Müdigkeit war ich froh, dass wir so zeitig aufgestanden waren. Die Backwaters wirkten sehr idyllisch und so kitschig das Wort auch klingen mag, hier passte es einfach. Am Ufer herrschte schon reges Treiben: Frauen, die fleißig Wäsche am Fluß wuschen, Kinder auf dem Weg zur Schule und Männer, die schon zeitig mit ihren Booten unterwegs waren. Es war ein unheimlich friedlicher Anblick mit einem wunderschönen Panorama.

bildbeschreibung

Nach einer kurzen Fahrt legten wir einen Stopp ein, nachdem uns Valentin angeboten hatte, einen traditionellen Kerala-Kindergarten zu besuchen und uns ein für die Backwaters typisches Snakeboat zu zeigen. Wir wurden von einem TukTuk abgeholt, das uns die holprigen Lehmwege entlangfuhr. So konnten wir auch noch einen Blick auf das Hinterland mit seinen unglaublich grünen Reisfelder werfen. Wir fuhren am Wasser entlang auf schmalen Wegen, die uns an den Häusern der Einheimischen vorbeiführten. Zuerst zeigte uns Valentin ein Snakeboat. Er erzählte uns, dass diese Boote für Bootsrennen genutzt werden und dass er selber in einem Team mit einem solchen Boat fährt. Jeder Ort hat ein eigenes Snakeboat mit einem Team, das bei den jährlich stattfindenden Rennen mitfährt. Dabei nehmen ca. 120 Mann auf diesen langen, aber sehr schmalen Booten Platz. Der Steuermann steht vorne und während der Fahrt wird zu 'Hurti-hurti'-Rufen im Takt gerudert. Dazu wird der Takt mit einem langen Stock geklopft. Hatten wir schon in der Nacht davor auf unserem im Vergleich hierzu recht komfortablen Boot Sorge, ins Wasser zu fallen, erschien mir das Fahren mit einem solchen Boot geradezu ein akrobatischer Akt zu sein. Valentin freute sich sichtlich, dass er uns mit dem Boot so beeindrucken konnte.

bildbeschreibung

Anschließend fuhren wir weiter zu einem kleinen Kindergarten. Valentin hatte mich vorher gefragt, ob wir vielleicht ein paar Kulis oder andere Mitbringsel für die Kinder dabei hätten. Daniel hatte zum Glück schon vorher davon gehört, dass ausländische Werbekulis hier sehr gefragt sind, so dass wir damit und außerdem einer Tüte Gummibärchen ganz gut ausgestattet waren.

Vor dem kleinen Häuschen, dass genau aus einem Raum bestand, lagen die winzigen Kinderschuhe wild durcheinander, innen saßen 23 kleine Jungs und Mädchen im Alter von ca. 3 - 5 Jahren. Ihre Lehrerin erählte uns, dass die Kleinen seit etwa 1 - 8 Monaten im Kindergarten Malayalam lernten. Dabei benutzten sie keine Tafel wie wir das kennen, sondern schrieben die gelernten Buchstaben direkt vor sich in den Sand, was den Vorteil hatte, dass die Lehrerin sofort mit einem langen Stock korrigieren konnte, wenn einer etwas falsch geschrieben hatte. Die etwas größeren Kinder hatten kleine Schiefertafeln und einen Kreidestift, da sie schon etwas besser schreiben konnten. Ich war von dem Prinzip fasziniert, war es doch simpel und schlicht, aber doch zielführend. Etwas Ähnliches hatte ich noch nicht gesehen. In Kerala ist es üblich, dass die Kinder schon sehr früh lesen und schreiben lernen. Die Lehrerin demonstrierte uns, wie die Kinder die Buchstaben lernen, indem sie vorsprach und alle Kinder im Chor nachplapperten. Sicher war da auch mal ein Kind dazwischen, das dabei ein wenig schummelte. Aber alle waren mit beeindruckendem Eifer bei der Sache, was sicher nicht nur daran lag, dass sie nun Besuch hatten, der ihnen staunend beim Buchstabieren zuhörte. Die Kinder reagierten ganz unterschiedlich auf ihre Gäste. Alle zeigten große Neugier, aber manche waren doch mutiger als die anderen. Valentin gab uns schließlich ein Zeichen, die Gummibärchen an die Kinder zu verteilen und wie sich so jedes Kind ein oder (die etwas Mutigeren) zwei Gummibärchen aus der Tüte nahmen und ausgiebig darauf herumkauten und schmatzen, musste ich daran denken, wie ich immer eher gedankenlos eine Handvoll Gummibärchen nehme, dreimal darauf herumkaue um schon die nächste Hand voll aus der Tüte zu holen.

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Zum Abschied winkten uns die Kinder lachend und fröhlich hinterher und wir machten uns wieder auf den Weg zurück. Valentin wollte eigentlich mit dem Bus fahren, der aber nicht kam, wofür sich Valentin gleich mehrmals entschuldigte. Ich erzählte ihm, dass auch wir durchaus unpünktliche Busse kennen, was er gar nicht glauben konnte. Wo die Deutschen doch so als pünktlich gelten. Da der Weg zum Boot aber wirklich nicht weit war, entschieden wir uns für einen kleinen Spaziergang und schlenderten gemütlich bei schönstem Sonnenschein an den Reisfeldern entlang zurück zum Boot, wo schon ein frisch zubereitetes Lunch auf uns wartete.

bildbeschreibung

Da ich mir auf dem Hausboot nicht ständig meine Haare waschen und fönen wollte, trug ich fast die ganze Zeit ein buntes Kopftuch. Valentin hatte das offensichtlich eine Weile beobachtete, denn in einem ruhigen Moment nahm er mich zur Seite und fragte mich, ob ich keine Haare auf dem Kopf hätte, da man sie nicht sehen könnte. Ich erklärte ihm, dass meine Haare so kurz seien, dass sie unter dem Kopftuch nicht erkennbar wären, was ihn irgendwie nicht recht zufriedenstellte. Später las ich in meinem Buch, dass man in Indien den Prostituierten früher die Haare abgeschnitten hat, um sie auf den ersten Blick erkennen zu können.

Den Nachmittag verbrachten wir alle ganz faul auf dem Boot, lasen, genossen die herrliche Aussicht und liesen uns die unglaublich leckeren gebackenen Bananen unseres Kochs bei einem Kaffee schmecken. Das Essen war wirklich sehr gut und immer frisch, nur der Kaffee war eine herbe Enttäuschung für mich. Da in Indien Kaffee wächst, war ich automatisch davon ausgegangen, er müsse sehr gut und aromatisch sein. Da wurde ich leider schnell eines Besseren belehrt.

Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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