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Freitag, Januar 12, 2007

Dreimal quer durch Periyar
Freitag, 08. Dezember 2006


Da Winter war wurde es in Indien abends zwar immer sehr zeitig dunkel, aber morgens trotzdem schon früh wieder hell. Die Inder schienen sich mit ihrem Tagesrhythmus dem Tageslicht anzupassen, so dass alle schon immer sehr zeitig wach waren. Für mich war 5.30 Uhr aufstehen dennoch zu früh, auch noch zu früh für ein Frühstück. Ich fragte mich, wie sich Sabu wohl in der Zwischenzeit die Zeit vertrieben hatte und wo er eigentlich immer übernachtete. Daniel machte mich darauf aufmerksam, dass er wahrscheinlich im Auto schlafen würde, was sich später auch bestätigte. Auf der einen Seite war das schon irgendwie merkwürdig, denn immerhin waren wir es ja, wegen denen Sabu im Auto übernachten musste, während wir uns ein geräumiges Hotelzimmer teilten. Auf der anderen Seite konnte er dadurch überhaupt Geld verdienen. Wahrscheinlich hatte ich mit dieser Situation deutlich mehr Probleme als Sabu selber.

Um das Boot für die Bootssafari rechtzeitig zu erreichen, mußten wir so früh los. In das Periyar Wildlife Ressort kam man nur mit einer speziellen Genehmigung hinein, alles andere gilt als Straftat und ab 18.00 abends sind gar keine fremden Autos mehr erlaubt. Die Bootsafari selber hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Ich war davon ausgegangen, dass wir mit einem kleinen Boot und einer Gruppe von maximal 10 Personen über den See fahren. Aber das Boot war viel größer, fasste sicher 50 Leute, so dass wir es uns mit einigen ausländischen und sehr vielen indischen Touristen teilten. Bevor wir überhaupt ablegen konnten, mussten alle aus den ersten Sitzreihen noch einmal aufstehen und weiter Richtung Heck des Bootes gehen, da das Boot vorne zu schwer war, zu fest am Ufe aufsaß und daher nicht ablegen konnte.

Marmeladenfleck

Von Ruhe konnte bei so vielen Indern keine Rede sein. Immer wenn unser Steuermann die Fahrt wegen eines Tiers verlangsamte, fingen alle ganz aufgeregt zu reden und zu rufen an und standen auf, um sich auf die entsprechende Seite des Boots zu begeben, von der aus man die Tiere besser sehen konnte. Das führte dazu, das sich unser Boot ständig in einer merkwürdigen Schieflage befand und insgeheim fragte ich mich, wie leicht so ein Kahn eigentlich kentern kann.

Allzu spektakulär war unsere Ausbeute an gesichteten Tieren nicht, was bei dem Lärm nicht verwunderte, aber die Fahrt durch das noch nebelverhangene Ressort, in dem sich die Sonne nur allmählich ihren Weg bahnte, war dennoch wunderschön. Wir sahen Wasserotter beim Fischfang, scheue Rehe und sogenannte Barking Deers** im Dickicht, nistende Kormorane auf den vertrockneten Baumspitzen im Wasser*, einige Affen, King Fisher und andere Vögel sowie ein paar Wildschweine. Leider bekamen wir keine wilden Elefanten zu sehen, aber dem Spektakel an Bord war es auch kein Wunder, dass sich alle Tiere verkrochen.

Marmeladenfleck

Nach der Bootssafari hatten wir erst einmal Pause. Als wir wieder im Hotel ankamen war gerade noch Frühstückszeit und da wir nicht wussten, wie gut wir Lunch oder Abendessen in unser heutiges Programm integrieren konnten, kam uns das gerade recht. Eine heiße Tasse Kaffee schien mir nach der Fahrt genau das richtige. Wir waren doch ganz ordentlich durchgefroren, obwohl während der Fahrt nachher die Sonne schien, aber die Luft war doch noch sehr frisch. Außerdem war das Boot auch tropfnaß gewesen vom Tau, so dass während der Fahrt immer wieder Wasser fast wie Regen von der Decke tropfte. Im Wildernest gab es kein typisch indisches Frühstück, sondern Ei mit Toast, Croissants und dazu von der Frau des Chefs selbstgemachte Peanutbutter und Ananasmarmelade. Nach dem Frühstück setzten wir uns zum Aufwärmen auf den großen, sonnigen Balkon und lasen.

Das Personal im Hotel war unheimlich freundlich und zuvorkommend und offensichtlich wurde großer Wert daraufgelegt, dass alles immer ordentlich und sauber war. Sogar die Steine in der Gartenanlage wurden wieder zurechtgerückt, wenn ein paar von ihnen durcheinander geraten waren. Abends wurde die Anlage mit Weihrauch und DET eingeräuchert.
'Against the mosquitos'
wie uns der Manager erklärte. Als ihn Daniel fragte, ob Moskitos hier ein großes Problem seien, erwiderte er:
'Mosquitos only like light skin. So they are no problem for us'
Da er dabei schmunzelte, waren wir uns allerdings nicht ganz sicher, ob das ernst gemeint war.

Für nachmittags war noch eine dreistündige Trekkingtour geplant. Außerdem entschieden wir uns später für eine nächtliche Wanderung mit Wildhütern durch den Park, die ebenfalls etwa drei Stunden dauern sollte. Sabu fand das sehr merkwürdig und er fragte uns, ob wir wirklich freiwilllig sechs Stunden laufen wollten. Zehn Minuten sei seiner Meinung nach das absolute Maxium. Er holte uns aber trotzdem wieder sehr pünktlich um 13.30 Uhr am Hotel ab.

Marmeladenfleck

Diesmal war ich sehr überrascht, dass Daniel und ich nur zu zweit mit dem Guide unterwegs waren, eigentlich hatte ich wieder eine Gruppe erwartet. Zunächst bekamen wir eine Art übergroße Kniestrümpfe, die wir über unsere Hosen und in die Schuhe tragen sollten wegen der zahlreichen Blutegel, die es im Park gerade rund um den See gibt. Der Guide erklärte uns, Blutegel seien ein Problem, insbesondere bei feuchtem Wetter. In einem der kleinen Supermärkte hatte uns die Verkäuferin schon erzählt, dass es eine Woche vorher trotz Trockenzeit überraschend heftig geregnet hatte. Bei solchem Wetter waren die Strümpfe wirklich notwendig, damit einem beim Laufen keine Blutegel erwischten. Ich war froh, dass ich eine lange Hose und meine Trekkingschuhe anhatte und beides sollte sich später noch als sehr sinnvoll erweisen.

Marmeladenfleck

Am Ufer des Sees erwartete uns ein schmales Floß für die Überfahrt zum anderen Ufer. Bei diesem Anblick musste ich an die Münchnerin vom Tempelfest denken, die mir erzählt hatte, dass sie mal in Thailand eine Floßfahrt gemacht hätte bei der ihr Exfreund ins Wasser gefallen sei. Ich war ein wenig besorgt ? Daniel ist ja manchmal so schusselig. Aber obwohl das Boot während der Fahrt schwankte und schon vor dem Ablegen teilweise unter Wasser lag, machten wir unsere Sache gut und blieben ruhig sitzen, während uns unser Guide mit Hilfe eines quer über den See gespannten Seils auf die andere Seite zog. Dort ging es direkt bergauf und ich war schon nach wenigen Metern ziemlich aus der Puste. Unser Guide führte uns querfeldein, zeigte uns Elefantenspuren, Affen, verschiedene Pflanzen, Wildschweine und Malabar Giant Squirrels. Er nahm sich sogar noch die Zeit, für eine bessere Sicht mit uns einen Hügel zu besteigen. Unser Weg führte uns steil bergauf quer durch fast mannshohes Elefantengras, aber von oben hatten wir eine grandiose Sicht auf den Park und konnten sogar noch ein paar Bisons erkennen.*** Da kein Pfad den Berg hinaufführte und das Gelände sehr uneben war, wären für diesen Teil Trekkingsandalen oder leichten Schuhe wirklich nicht zu empfehlen gewesen.

Unser Guide machte uns außerdem auf die Geräusche wilder Hühner (wild chicken) aufmerksam, zeigte uns schwarze Affen mit langen Schwänzen (wir haben leider nicht alle Namen verstanden und kannten bei weitem auch nicht alle Tiere) und Rocketbirds mit sehr langen Schwänzen, führte uns an mehreren Termitenhügeln vorbei und erklärte uns, welche Tiere jeweils die Löcher im Boden gegraben hatten.

Außerdem wies er uns auf verschiedene Tigerspuren hin, die uns selber gar nicht aufgefallen wären. So sahen wir Fußabdrücke im matschigen Untergrund sowie tiefe Kratzspuren an einem Baum, mit denen ein Tiger sein Revier für andere Tiger gut sichtbar markiert. Unser Guide erzählte uns, dass er selber nur zweimal einen Tiger gesehen hätte, da die Tiere Menschen in der Regel viel früher bemerken als umgekehrt. Wenn man doch einmal das Glück hätte, wäre es meistens auch nur ein kurzes Aufblitzen des gestreiften Fells im Gebüsch.

Marmeladenfleck

Auch während dieser Tour bekamen wir also leider keine allzu beeindruckenden Tiere zu sehen, keinen Tiger, keine Elefanten, keinen Bären und ich fragte mich, welches vernünftige Tier sich um diese Uhrzeit und bei diesen Temperaturen überhaupt von der Stelle bewegen würde. Wahrscheinlich zogen sie es alle vor, sich im schattigen Dickicht die Eier zu schaukeln zu verharren und dabei die doofen Touristen zu beobachten, die sich schwitzend durch den Park quälten, was unser Guide natürlich genau wußte, sich aber vermutlich trotzdem noch einen Spaß daraus machte, uns den steilen Berg hochzujagen. Wahrscheinlich hatte man auch nur wegen der Touristen und des besonderen Flairs keine breiten Holzbretter über die Flüsse gelegt, sondern einfach nur schmale Holzstämme darübergelegt, immer in der Hoffnung, daß doch mal ein Tourist ins Wasser fällt. Später brachte uns Rinoo noch auf die Idee, dass natürlich auch die Tigerspuren nur gefälscht seien und dass es dafür extra Stempel gäbe, die für die alles glaubenden Touristen in den Matsch gedrückt werden.

Oder wir hatten einfach nur kein Glück an diesem Tag :-)

Nichtsdestotrotz genossen wir diesen nicht ganz unanstrengenden Spaziergang durch den Park. Anschließend hatten wir nur noch wenig Zeit fürs Abendessen, denn um 6.45 Uhr begann die Nachtführung. Da die großen Restauants alle noch nicht geöffnet hatten, aßen wir daher im kleinen Jungle Palace, das sich erst bei näherem Hinsehen als sehr gemütlich erwies. Die sehr hübsche, ruhige Terrasse war von der Straße aus überhaupt nicht sichtbar, aber der Kellner bot uns gleich die schönen Sitzplätze hinten im Garten an, ganz weg von der belebten Straße mit schönem Blick ins Grüne. Direkt in Sichtweise graste ein Wildschwein. Das Essen war zwar einfach, aber günstig und lecker.

Als wir am vereinbarten Treffpunkt ankamen, war es bereits dunkel. Insgesamt nahmen 10 Touristen an der Führung teil, so dass wir in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Auf einmal kam mir die Vorstellung, im Stockfinstern durch einen mir unbekannten Park mit wilden Tieren zu laufen, doch sehr unheimlich vor und ich war sehr froh, daß jeder eine kleine Taschenlampe bekam, um sich selbst am Boden den Weg zu leuchten. Nicht ganz so froh war ich über den 2. Wildhüter, der mit einem geladenen Gewehr über der Schulter mit uns mitmarschierte und ich achtete sehr genau darauf, nicht hinter ihm zu laufen. Der Nachthimmel war grandios. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen so klaren Sternenhimmel mit einer solchen Unmenge an Sternen gesehen habe. Um uns herum herrschte aber absolute Finsternis und der Wald war sehr dicht und dunkel, man sah kaum die Hand vor Augen. Die meiste Zeit marschierten wir schweigend durch die Dunkelheit, die Wanderung hatte fast etwas Meditatives. Unser Guide leuchtete immer wieder rechts und links das Gelände ab, einmal auf der Suche nach potentiellen Wilddieben, aber auch um möglicherweise die Augen eines Tieres aufblitzen zu sehen, das er uns dann zeigen konnte.

Als allererstes zeigte uns der Guide einen Schwarm Glühwürmchen, die wirklich hell leuchteten. Es sah wunderschön aus im Dunkeln. Wann hatte ich das letzte Mal Glühwürmchen gesehen? Wir sahen jede Menge Barking Deers, normale Rehe, Wildschweine beim Fressen, hörten Eulen, erfuhren, dass die kleinste Eule den größten Spektakel macht, sahen Frösche, die Nester von fliegenden Ameisen und ein frisch gegrabenes Bärenloch. Ich sah auch noch zwei eklige Blutegel, einen davon an Daniels Schuh. Dass ich ihn vor einem Monsteregel gerettet habe, hat Daniel allerdings nicht nachhaltig beeindruckt.

Während insbesondere die Londoner Gäste die Wanderung ziemlich doof fanden ('no fucking animals'), fand ich diesen Spaziergang unheimlich beeindruckend. Da er in Teilen auch durchs Moor führt, sind feste Schuhe unbedingt notwendig.

Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (auf den folgenden Seiten weitere, ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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* Das Ressortgebiet war vor gut 100 Jahren geflutet worden. Daher ragten noch jede Menge alter Baumspitzen aus dem Wasser, was es nicht gerade einfach macht, den See mit einem Boot zu befahren, sondern gute Ortskenntnis voraussetzt.
** Heißen so wegen der bellenden Laute, die sie von sich geben.
*** Daniel ist allerdings bis heute überzeugt, dass es Elefanten waren.

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