Die Gewürzstraße entlang nach Thekkady
Donnerstag, 07. Dezember 2006An unserem letzten Tag auf dem Hausboot bekamen wir noch ein ausgezeichnetes Frühstück, eine Art Nudeln mit Bananencurry. Deutsche Touristen hatten wohl versucht, Valentin ein paar Worte deutsch beizubringen und so fragte er immer uns immer 'Lekka lekka'? Das erinnerte mich wieder daran, dass Inder alles mehrmals wiederholen beim Sprechen.
Nur noch eine Stunde Fahrt hatten wir heute auf dem Boot, was mir wirklich schwerfiel. Im Nachhinein waren unter anderem gerade die Stunden auf dem Hausboot für mich die entspanntesten. Auch die
Crew war unheimlich nett und der Koch freute sich immer ganz besonders, wenn es uns so gut schmeckte.
Schließlich legten wir in Kottayam am Vembanadlake in 2. Reihe an, denn in dem schmalen Kanal standen die Ausflugsboote
wirklich dicht gedrängt. Sabu wartete schon auf uns, denn Valentin hatte ihm rechtzeitig Bescheid gegeben, wann wir ankommen. Es war wirklich alles perfekt organisiert. Mit dem Ambassador ging es nun weiter die Gewürzstraße entlang nach Thekkady, eine Fahrt von insgesamt mehreren Stunden, da wir die sehr kurvige und steile Straße hinauf nach Thekkady nicht wirklich schnell fahren konnten. Empfand ich schon den Verkehr in Italien immer als sehr waghalsig kam er mir gerade auf dieser Serpentinenstraße wirklich halsbrecherisch vor. Unterwegs wurde Sabu nicht müde, immer wieder anzuhalten, um uns die verschiedenen Pflanzen zu zeigen, und uns alles zu erklären. Ich hatte ja noch nie
Ananas wachsen sehen oder
Pfeffer,
Gummibäume wuchsen direkt neben
Kaffeebäumen und
Kakao - hier wuchs wirklich einfach alles. Sabu hatte auch keinerlei Bedenken, auf der Gegenfahrbahn in den engen Serpentinen zu wenden und uns einen großen
Jackfruitbaum mit riesigen Früchten zu zeigen, nachdem wir erzählten, dass wir
Jackfruits noch nie gesehen hätten.
Nachdem Sabu an unseren ersten gemeinsamen Tagen eher still gewesen war, hatte ich das Gefühl, er blühte regelrecht auf, während er uns die üppige Vegetation von Kerala zeigte. Die
Landschaft war wirklich ein Traum und je weiter wir nach oben kamen, desto grandioser wurde die Aussicht. Als wir schließlich die
Teeplantagen erreichten, die wie herrlich
grüne Teppiche vor uns lagen und ich vor lauter Begeisterung gar nicht wußte, was ich sagen sollte, meinte Sabu nur lächelnd:
'It's Gods own country.'
Und so wie er es sagte, klang es nicht einfach wie ein platter Werbespruch, sondern genau so war es.
Auf der Fahrt die steilen Straßen hinauf mussten wir mehrmals anhalten, damit Sabu einen
Eimer Wasser organisieren konnte. Der Motor seines Ambassadors war von der steilen kurvigen Strecke völlig überhitzt. Um ihn wieder abzukühlen leerte Sabu das Wasser dafür jedes Mal einfach unter die
Motorhaube.
Auf unserem Programm während der Fahrt nach Thekkady stand auch der Besuch einer Plantage. Nachdem uns Sabu immer neue Felder und Pflanzen am Straßenrand zeigte, dachte ich schon, ich hätte diesen Programmpunkt vielleicht ein wenig überschätzt und wir würden die Plantage nicht wirklich 'besuchen', sondern einfach durchfahren. Aber tatsächlich erreichten wir schließlich eine private Plantage, eine Art großem botanischen Garten, der aber nicht nur für Touristen gedacht war, sondern in dem wirklich Landwirtschaft betrieben, gepflanzt und geerntet wurde. Hier sahen wir sämtliche Gewürze wachsen, die ich sonst nur aus dem Gewürzregal im Supermarkt kenne: Verschiedenste Pfeffer- und Chilisorten, Kardamom,
Vanille, Kaffee (arabica und robusta),
Zimt* und
Muskatnuss**. Wir lernten, dass in Indien von der Banane nicht nur die Frucht, sondern auch die Blüte gegessen wird, außerdem sahen wir Kardamompflückerinnen bei der Arbeit, erfuhren, dass es Baumtomaten gibt, staunten über große Papayas und die berauschende Betelnuß hoch oben in den Palmen und verschiedenste Heilpflanzen, jede Menge Kräuter, Okra, Limone, Ginger und ... und ... und.
In einem kleinen Laden konnte man Gewürze und Kaffee kaufen. Da ich bei dem kräftigen Zimtgeruch augenblicklich an Crêpes, Pfannkuchen und Milchreis denken mußte, nahm ich sofort ein Päckchen mit, dazu noch eine große Vanillestange und Kaffee. Auf einem Schild an der Ladentüre stand:
'We consider the costumer as a king.
A king never bargains.'
Von der Plantage aus war es nur noch ein kurzes Stück zu fahren bis zu unserer nächsten Station, dem
Wildernest, einem kleinen,
hübschen Hotel mit verwinkelten,
großzügigen Zimmern. Lediglich das Bad war für meinen Geschmack ein wenig lieblos eingerichtet, aber im Vergleich zu einem indischen Bad sicherlich noch sehr komfortabel.
Für abends arrangierte Sabu noch eine ayurvedische Massage für uns. Wie ich feststellen mußte, versteht man in Indien unter einer Ganzkörpermassage offensichtlich wirklich eine Ganzkörpermassage, ganz im Gegensatz zu Ganzkörpermassagen zuhause. Unter den Händen der zierlichen Pria, über und über mit Ayurvedaöl eingeschmiert, kam ich mir dabei vor wie ein übergroßes Walroß, weshalb meine Gefühle dabei stark schwankten zwischen angenehmem Dahinschmelzen und größter Peinlichkeit. Während der Massage kam es zu einem Powercut (meinem ersten in Indien), so daß schlagartig die scheppernde Musik und das Licht ausfielen. was unsere Masseure aber keine Sekunde in der Arbeit einhalten ließ. Offensichtlich war so ein Powercut für sie nichts Ungewöhnliches. Stattdessen wurde nach wenigen Minuten der Generator angeworfen, so daß wir wenigstens gedämpftes Licht hatten.
Anschließend gingen wir ins
Cardamom County, wo es abends immer Buffet gab. Im Nachhinein muß ich allerdings sagen, dass meine Kenntnisse der indischen Küche für ein Buffet noch nicht ausreichten. Wahrscheinlich mischten wir uns ganz abstruse Kombinationen zusammen, aber das Essen war dennoch gut, ganz besonders die Jumboprawns. Die mußte man zwar extra bestellen und bezahlen, aber für 125 Rupien (ca. 2 Euro) wirklich ausgesprochen günstig.***
Danach gingen wir recht zeitig ins Bett, da uns Sabu am nächsten Tag schon um 6.15 Uhr für eine Bootssafari abholen wollte.
Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei
Zoomr (auf den
folgenden Seiten
weitere, ein Klick dort auf die Fotos vergrössert
diese).
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* Peinlich, aber ich hatte mir noch nie ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wo eigentlich der Zimt herkommt. Ich war völlig fasziniert von der Tatsache, dass es sich bei Zimt um simple Baumrinde handelt. Aber als Stadtmensch verzeiht man mir vielleicht die Idee, die Zimtstangen könnten direkt auf Bäumen wachsen.
** Die Muskatnuss fällt praktischerweise einfach vom Baum, wenn sie reif ist, so daß man sie anschließend nur noch einsammeln muß.
*** Unbedingt zuerst bestellen, nicht erst nach dem Buffet ? die zusätzliche Portion ist wirklich zu groß.Labels: Indien, Kerala, Reise
// gebloggt von Dagmar @
21:59 |