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Freitag, Januar 05, 2007

Auf dem Tempelfest
Dienstag, 05. Dezember 2006


Abends nahm uns Valentin zu einem Tempelfest mit, das zu Ehren irgendeiner Göttin abgehalten wurde. Ich schreibe 'irgendeiner', da zum einen die Inder unglaublich viele verschiedene Gottheiten kennen, die unsereins gar nicht alle auseinanderhalten kann, und zum anderen weil es für meine Ohren manchmal ausgesprochen schwer war, alles zu verstehen, was die Inder mit ihrem indischen Akzent erzählten, auch wenn sie in der Regel alles mehrmals wiederholen. Letzteres verwirrte mich zunächst ziemlich, hatte ich doch das Gefühl, ich wirkte ausgesprochen begriffstutzig. Letztendlich gelangte ich aber zu der Überzeugung, dass das dreimalige Wiederholen eines Satzes eben auch nur eine indische Marotte ist.

bildbeschreibung

Heute war der letzte Tag des Festes, an dem eine Prozession mit Lichterlauf und einem geschmückten Elefanten stattfinden sollte. So fuhren wir gegen 17.00 mit einem kleinen Canalboat (= Nußschale) die Backwaters entlang bis wir zu einem kleineren Kanal kamen, den unser Hausboot nicht hätte passieren können. Am hinteren Ende war der Kanal durch Schlick verstopft (kam mir irgendwie bekannt vor), so dass wir zu Fuß weitergehen mussten. Die meisten Leute, an denen wir vorbeikamen, lächelten freundlich und ich hätte gerne ein paar Worte in ihrer Sprache gekonnt, um sie anzusprechen. Wir passierten den Kanal über eine winzige Brücke, kamen an bereits aufgestellten Öllampen vorbei sowie an einem großen Baldachin, einer Art Tempel. Ich mußte wieder an einzelne Traumschiffsequenzen denken, die mir von früher im Gedächtnis waren, bis wir schließlich an den Anfang der Prozession kamen, wo verschiedene Musiker auf einer großen Bühne sehr laut mit Unterstützung mehrerer Lautsprecher für meine Ohren sehr schräge Musik machten.


Davor saßen und standen jede Menge Leute, wir waren mit Fatima und noch zwei Münchner Frauen von unserem Schwesternboot die einzigen Touristen. Das ganze Spektakel hatte also nicht allzuviel mit Traumschiff zu tun, da es sich nicht um eine Attraktion für Touristen handelt, sondern um eine große Feier der Einheimischen.

bildbeschreibung

Vor allem die Kinder schauten uns sehr neugierig an, die Mädchen waren eher schüchtern und trauten sich nicht, uns anzusprechen. Die Jungs waren in der Regel mutiger, so dass wir den Abend über sehr häufig erzählten, wie wir heißen, wo wir herkommen, was wir in Indien machen und wo wir noch überall hinfahren werden etc. Am schwierigsten fand ich die Frage, was Indien und Deutschland gemeinsam haben. Mir fiel dazu wirklich nicht viel ein. Schon nach meinen ersten Tagen in Indien hatte ich den Eindruck, dass die indischen Sitten und Gebräuche völlig anders waren als unsere, dass die Sprache sehr fremd, die Menschen im Wesen ganz unterschiedlich, das Essen nicht vergleichbar und auch die Landschaft kaum Parallelen zuließ. Keine sehr befriedigene Antwort für den jungen Inder, der sie mir stellte, und der gerne als Krankenpfleger nach Deutschland gehen wollte.

bildbeschreibung

Die Offenheit und offensichtliche Neugierde der Inder auf alles Fremde faszinierte mich völlig und auch der Gedanke an einen Inder in einem kleinen schwäbischen Dorf ließ keinerlei Parallelen zu. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass er dort so offen begrüßt und angesprochen werden würde wie wir in diesem kleinen Provinzdorf mitten in den Backwaters.

bildbeschreibung

Es dauerte unglaublich lange, bis die Prozession startete, Valentin hatte uns bereits vorgewarnt:
'It will start at 8.00 o´clock, but you know, indian 8 o´clock!'
Und in der Tat verzögerte sich alles bis etwa 9 Uhr, aber für uns war es wirklich ein außergewöhnlicher Anblick. Vorher wurde noch ein Tanz aufgeführt, bei dem nur Männer mit geschmückten Federbüschen auf dem Kopf im Kreis tanzten. Das Ganze sah aus, als würden die Tänzer Blumentöpfe auf dem Kopf balancieren. Ich möchte mich gar nicht lustig machen über andere Sitten, aber der Anblick war für europäische Augen tatsächlich sehr ungewöhnlich und toppte aus meiner Sicht noch die tanzenden Nonnen, die wir mit Tobi in Rom gesehen hatten. Ein unheimlich bizarres Spektakel.

Bizarr war auch das, was mir vom Rest des Abends im Kopf hängenblieb, als die Lichterketten in kleinen Öllämpchen angezündet wurden, die unheimlich hübsch zurechtgemachten Mädchen in Freudengeheul zu Ehren der Göttin ausbrachen, als der über und über mit Gelb, Gold und Silber dekorierte Elefant die Prozession startete und die Jungs mit Fackeln und glitzernden Schirmen hinterherliefen. Die Prozession hielt immer wieder an während des Laufs, um an einzelnen Stationen der Göttin zu huldigen und Opfer darzubringen. Zwischendrin hatten wir kurz Gelegenheit, mit den beiden anderen Gästen aus München zu reden, aber die meiste Zeit wurden wir von den indischen Jungs in Beschlag genommen. Die Mädchen schauten auch meistens sehr neugierig zu uns rüber, waren aber viel zu schüchtern, einfach auf uns zuzugehen, so dass sie sich darauf beschränkten, uns zu beobachten und immer wieder in fröhliches Lachen auszubrechen. In der Hinsicht war dann wirklich kein großer Unterschied mehr zu jungen Teenagern wie wir sie von zuhause kennen.

Einer der Jungs malte uns zu Ehren der Göttin einen gelben Punkt auf die Stirn, außerdem wurden uns von verschiedenen Seiten Wunderkerzen zugesteckt, die wir halten sollten, bis sie abgebrannt waren. Einer der Jungs wollte uns auch noch ganz nach vorne zu der Prozession mitnehmen, wo zu Beginn die Göttin aufgestellt war, bevor sie auf den Elefanten gehoben wurde. Wir sollten nur die Schuhe ausziehen. Aber irgendwie hatten Daniel und ich doch das Gefühl, dass wir dort nicht hingehörten und lehnten daher freundlich ab.

Besonders ich musste den Menschen hier ein sehr ungewohntes Bild geboten haben, da sie sicher nicht allzu oft Touristen zu Gesicht bekamen. Ich war mit Ausnahme von einem kleinen Mädchen die einzige weibliche Person, die Hosen trug, hatte meistens die Hände in den Hosentaschen und wirkte wahrscheinlich ausgesprochen männlich, zumal ich mich mit Daniel unterhielt, mit ihm aus einer Flasche Wasser trank und mich in den Gesprächen nicht diskret zurückhielt.

Gegen später hatten wir den Eindruck, dass Valentine wieder zum Boot zurückwollte, da seine Mannschaft dort noch das Dinner für uns zubereiten sollte. Es war mittlerweile längst dunkel, eine Tatsache, die mich am ersten Tag sehr überraschte, man vergisst hier sehr schnell, dass eigentlich Winter ist und so gegen 17.00 Uhr die Dämmerung einsetzt.

Wir begleiteten die Prozession bzw. den Elefanten noch ein Stück und überholten den Zug, sobald die Straße etwas breiter wurde. Vorher wäre ein Überholen gar nicht möglich gewesen, da der schmale Weg von mit Wasserhyazinthen bedeckten Wasserflächen gesäumt war. Es war ein eigentümlicher Zug, vorneweg der Elefant, dann all die Menschen mit ihren Öllampen und Ölfackeln, in die immer wieder Kokosöl nachgeleert wurde. Daneben gab es ein unglaublich lautes Feuerwerk, das zum Teil direkt unter den Bäumen angezündet wurde.

Am Ende des Weges wartete schon unser winziges Boot auf uns. Auch die zwei Münchnerinnen waren nun dabei und sollten mit uns zurück zu ihrem Hausboot fahren. Im Dunkel in dieser Nussschale durch die Backwaters zu fahren hatte etwas sehr Gespenstisches. Es war Vollmond, so dass man zwar sehr gut sehen konnte, wie sich die Palmen, die den Uferrand säumten, in der völlig ruhigen Wasseroberfläche spiegelten, aber im Wasser selber konnte man kaum etwas erkennen und das Boot wackelte nicht wenig. Zwischendurch hielten wir noch an einem kleinen Häuschen, wo ein anderer Fahrer zustieg. Ein Hund bellte und an der Seite sah man den Kopf einer Kuh durch einen schmalen Spalt in der Stallwand. Zum Ablegen wurden keine Ruder verwendet, sondern lediglich ein langer Stab, mit dem sich der Bootsmann vom Boden abstößt. Erst in der Mitte des Wassers wollte er den kleinen Motor anwerfen, der dabei allerdings mehrmals seinen Dienst versagte. Es war schon eine merkwürdige Situation, mitten im Dunkeln auf einem winzigen Boot und einem Motor, der nicht ansprang. In dem Moment war ich froh, dass unser Reiseleiter ein Mobiltelefon dabei hatte, das auch tatsächlich Empfang hatte.

Letztendlich sprang der Motor aber doch noch an. Ich fand diese nächtliche Bootsfahrt ausgesprochen beeindruckend, trotz der Dunkelheit. Das Spiegelbild der Palmen im Wasser sah wunderschön aus, man hörte lediglich die Geräusche der Tiere, in erster Linie Vögel, außerdem hörte man auch hier noch die Musik der Prozession, die durch das Wasser weitergetragen und durch keinerlei Betonwände abgehalten wurde und somit die Backwaters sehr weitläufig beschallte. Eine sehr unwirkliche Situation, das Wort bizarr ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber selbst in der Dunkelheit erkannte unser Bootsmann noch rechtzeitig die drei Fischerboote, die nachts beim Angeln waren, so dass er den Motor abstellte und langsam an ihnen vorbeitrieb. Ich war sicherlich nicht die einzige, die in dem Moment fürchtete, der Motor würde anschließend nicht mehr anspringen. Letztendlich erreichten wir aber die beiden mittlerweile miteinander verankerten Hausboote, in denen die Bootscrew schon mit dem fertigen Essen auf uns wartete.

Danach sanken wir nur noch voll der neuen Eindrücke in unser großes Himmelbett, das glücklicherweise von einem großen Moskitonetz umgeben war, denn Moskitos und anderes Ungeziefer gibt es definitiv in den Backwaters. Noch immer hörten wir die Musik der Prozession, aber in weiter Ferne. Das sanfte Schaukeln des Bootes und die fremden Vogelgeräusche wiegten uns dennoch schnell in den Schlaf.

Einige Fotos sind verlinkt, weitere Fotos zu diesem Tag gibt es bei Zoomr (ein Klick dort auf die Fotos vergrössert diese).

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