Daggis Leben




01 Februar 2005

3. Tag in Rom: Kunst, Kultur und Französisch

Der 3. Tag unseres Romaufenthalts stand ganz im Zeichen von Kunst und Kultur. Gleich morgens reihten wir uns in die lange Schlange rund um die Vatikanischen Museen ein. Nach etwa einer Stunde Wartezeit hatten wir es schließlich geschafft.

Vatikanische Museen

Tobi zeigte sich wieder als sehr belesener und gut informierter Reiseführer.

Pfau mit häßlichen Füßen

So lernten wir alles über die Laokoongruppe, wir erfuhren, daß der Pfau trotz seiner herrlichen Federn ein Zeichen der Demut darstellt, weil er so häßliche Füße hat, wir kennen nun den Unterschied zwischen dorischen, korinthischen und ionischen Säulen, wir haben Porphyr gesehen und wissen jetzt, was Telamone sind.

Die verschiedenen Säulenformen

Ich habe außerdem noch gelernt, daß mit Herakles und Herkules ein und derselbe griechische Sagenheld gemeint ist. Meinen kleinen Faux pas kommentierte Tobi mit einem leicht resignierten 'jetzt hat sie wieder ihre Finnlandphase'.

Die Sixtinische Kapelle war natürlich das Highlight unseres Museumsbesuchs. Hier hätte Tobi uns sicherlich noch einiges mehr erzählen können, nur war der Saal leider so voll, daß wir doch recht schnell das Weite suchten in Anbetracht der Besuchermassen, die uns noch folgten. Die Lautsprecherdurchsage, die einen in regelmäßigen Abständen anwies, leise zu sein, erschwerte auch Tobis Ausführungen zu den imposanten Wand- und Deckengemälden.

Tobi im Vatikanischen Museum

Nach unserem Museumsbesuch stärkten wir uns in der nahegelegenen Markthalle mit frischem, günstigem Obst und italienischen Leckereien. Den Nachmittag verbrachten wir mit Shoppen, allerdings getrennt, da Tobi unsere Qualitäten als Shoppingguide leider nicht zu würdigen wußte :-/ Ich erstand immerhin ein Paar schicke Lederhandschuhe in der wahrscheinlich winzigsten Handschuhboutique der Welt.

Für das Abendessen hatte Tobi noch einen Geheimtipp parat (den er selber noch nicht ausprobiert hatte): Ein Essen im L'Eau Vive bei französischen Nonnen. In Erwartung eines schlichten Mahls in ein einem kargen Raums wurden wir schnell eines Besseren belehrt. Die Nonnen, französischsprechende Karmeliterinnen aus aller Welt, begrüßten uns sehr freundlich, der Speisesaal entpuppte sich als großer Raum mit beeindruckenden Deckengemälden und das Essen war ausgesprochen lecker.

Da ich als einzige von uns Dreien leidlich französisch spreche, erläuterte mir die Obernonne nach dem Hauptgang, daß es jetzt gleich Tanz und Gesang gäbe. Ich übersetzte wörtlich 'Wir singen jetzt und tanzen', was bei Tobi ziemliches Entsetzen auslöste. Erst nachdem ich ihn wieder einigermaßen beruhigt hatte - natürlich würden nur die Nonnen tanzen -, wurde mir bewußt, daß ich meinen Sprachvorteil ungenutzt hatte verstreichen lassen. Sehr ärgerlich, aber was das Tanzen anbetraf, sollte ich Recht behalten.

Nach wenigen Minuten begann eine unglaublich bizarre Vorstellung. Zu scheppernder Lautsprechermusik tanzte eine der Nonnen in weißem, bodenlangem Kleid und Ballettschuhen, nachdem sie sich vorher einen bronzenen, etwa 50 cm großen Kerzenleuchter auf den Kopf gesetzt hatte. Normalerweise wären bei bei diesem Anblick wohl alle in lautes Lachen ausgebrochen, aber die Nonnen waren alle mit soviel Würde und Anmut bei der Sache, daß wir nur staunen konnten. Als der Tanz vorbei war, wurde der Nachtisch an alle Gäste verteilt und gemeinsam ein Marienlied gesungen.

Direkt anschließend folgte eine Durchsage auf italienisch, die wir nun alle Drei nicht mehr verstanden. Also löffelten wir ganz still und friedlich unseren Nachtisch bis Tobi völlig entgeistert feststellte: 'Die anderen Gäste essen gar nicht, sondern haben alle ihre Hände gefaltet und beten.' Damit war es nun leider doch um unsere mühsam erhaltene Fassung vorbei. Daniel grinste von einem Ohr zum anderen, Tobi schaute so gelassen wie möglich an die Zimmerdecke, während mir vor lauter unterdrücktem Lachen die Tränen kamen und ich mein Gesicht zur Tarnung hinter einem Taschentuch verschwinden ließ.

Es gelang uns noch einigermaßen, bis zum Ende des Essens Haltung zu bewahren, wir gaben ein großzügiges Trinkgeld, das (wie die gesamten Erlöse des Restaurants) einem guten Zweck zugute kommt, und erlaubten es uns erst draußen auf der Straße, mal ganz herzlich über diesen gelungenen Abend zu lachen.

Weitere Infos:
L'Eau Vive
Via Monterone, 85 (Piazza S. Eustachio)
00186 Roma
Tel.: 06.68802101 - 06.68801095
Email: eauvive[at]pen.net



Mieli Gloves
Via S. Claudio, 70
00187 Roma
Tel.: 06.6785979


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