3. Tag
in Rom: Kunst, Kultur und Französisch
Der 3. Tag unseres Romaufenthalts stand ganz im Zeichen von
Kunst und Kultur. Gleich morgens reihten wir uns in die lange
Schlange rund um die Vatikanischen Museen ein. Nach etwa einer
Stunde Wartezeit hatten wir es schließlich geschafft.
Tobi zeigte sich wieder als sehr belesener und gut informierter
Reiseführer.
So lernten wir alles über die Laokoongruppe,
wir erfuhren, daß der Pfau trotz seiner herrlichen Federn
ein Zeichen der Demut darstellt, weil er so häßliche
Füße hat, wir kennen nun den Unterschied zwischen
dorischen, korinthischen und ionischen Säulen, wir haben
Porphyr gesehen und wissen jetzt, was
Telamone
sind.
Ich habe außerdem noch gelernt, daß mit Herakles
und Herkules ein und derselbe griechische Sagenheld gemeint
ist. Meinen kleinen Faux pas kommentierte Tobi mit einem leicht
resignierten
'jetzt
hat sie wieder ihre Finnlandphase'.
Die Sixtinische Kapelle war natürlich das Highlight unseres
Museumsbesuchs. Hier hätte Tobi uns sicherlich noch einiges
mehr erzählen können, nur war der Saal leider so voll,
daß wir doch recht schnell das Weite suchten in Anbetracht
der Besuchermassen, die uns noch folgten. Die Lautsprecherdurchsage,
die einen in regelmäßigen Abständen anwies,
leise zu sein, erschwerte auch Tobis Ausführungen zu den
imposanten Wand- und Deckengemälden.
Nach unserem Museumsbesuch
stärkten wir uns in der nahegelegenen Markthalle mit frischem,
günstigem Obst und italienischen Leckereien. Den Nachmittag
verbrachten wir mit Shoppen, allerdings getrennt, da Tobi unsere
Qualitäten als Shoppingguide leider nicht zu würdigen
wußte :-/ Ich erstand immerhin ein Paar schicke Lederhandschuhe
in der wahrscheinlich winzigsten Handschuhboutique der Welt.
Für das Abendessen hatte Tobi noch einen Geheimtipp parat
(den er selber noch nicht ausprobiert hatte): Ein Essen im L'Eau
Vive bei französischen Nonnen. In Erwartung eines schlichten
Mahls in ein einem kargen Raums wurden wir schnell eines Besseren
belehrt. Die Nonnen, französischsprechende Karmeliterinnen
aus aller Welt, begrüßten uns sehr freundlich, der
Speisesaal entpuppte sich als großer Raum mit beeindruckenden
Deckengemälden und das Essen war ausgesprochen lecker.
Da ich als einzige von uns Dreien leidlich französisch
spreche, erläuterte mir die Obernonne nach dem Hauptgang,
daß es jetzt gleich Tanz und Gesang gäbe. Ich übersetzte
wörtlich 'Wir singen jetzt und tanzen', was bei Tobi ziemliches
Entsetzen auslöste. Erst nachdem ich ihn wieder einigermaßen
beruhigt hatte - natürlich würden nur die Nonnen tanzen
-, wurde mir bewußt, daß ich meinen Sprachvorteil
ungenutzt hatte verstreichen lassen. Sehr ärgerlich, aber
was das Tanzen anbetraf, sollte ich Recht behalten.
Nach wenigen Minuten begann eine unglaublich bizarre Vorstellung.
Zu scheppernder Lautsprechermusik tanzte eine der Nonnen in
weißem, bodenlangem Kleid und Ballettschuhen, nachdem
sie sich vorher einen bronzenen, etwa 50 cm großen Kerzenleuchter
auf den Kopf gesetzt hatte. Normalerweise wären bei bei
diesem Anblick wohl alle in lautes Lachen ausgebrochen, aber
die Nonnen waren alle mit soviel Würde und Anmut bei der
Sache, daß wir nur staunen konnten. Als der Tanz vorbei
war, wurde der Nachtisch an alle Gäste verteilt und
gemeinsam
ein Marienlied
gesungen.
Direkt anschließend
folgte eine Durchsage auf italienisch, die wir nun alle Drei
nicht mehr verstanden. Also löffelten wir ganz still und
friedlich unseren Nachtisch bis Tobi völlig entgeistert
feststellte: 'Die anderen Gäste essen gar nicht, sondern
haben alle ihre Hände gefaltet und beten.' Damit war es
nun leider doch um unsere mühsam erhaltene Fassung vorbei.
Daniel grinste von einem Ohr zum anderen, Tobi schaute so gelassen
wie möglich an die Zimmerdecke, während mir vor lauter
unterdrücktem Lachen die Tränen kamen und ich mein
Gesicht zur Tarnung hinter einem Taschentuch verschwinden ließ.
Es gelang uns noch einigermaßen, bis zum Ende des Essens
Haltung zu bewahren, wir gaben ein großzügiges Trinkgeld,
das (wie die gesamten Erlöse des Restaurants) einem guten
Zweck zugute kommt, und erlaubten es uns erst draußen
auf der Straße, mal ganz herzlich über diesen gelungenen
Abend zu lachen.
Weitere Infos:
L'Eau Vive
Via Monterone, 85 (Piazza S. Eustachio)
00186 Roma
Tel.: 06.68802101 - 06.68801095
Email: eauvive[at]pen.net
Mieli Gloves
Via S. Claudio, 70
00187 Roma
Tel.: 06.6785979
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