Alter Hefezopf, künstliche Kniegelenke und ein Abendessen im Prager Gemeindehaus
Nachdem sich Daniel schon am Vortag auf den Weg nach Prag gemacht hatte, begann für mich die Reise einen Tag später am Mittwoch. Noch schnell den letzten traurigen Rest von Sieglindes leckerem Hefezopf verdrückt, Koffer geschnappt und ab mit dem Taxi zum Flughafen. Unterwegs ließ ich klaglos die Ergüsse der Taxifahrerin bzgl. künstlicher Kniegelenke, neugieriger Nachbarn und den Schönheiten Prags über mich ergehen und freute mich einfach nur auf den bevorstehenden Kurzurlaub mit Daniel.
Auch im Flugzeug mußte ich feststellen, daß man als alleinreisende Frau deutlich ungehemmter von fremden Leuten angesprochen wird. So lehnte ich den angebotenen Schokoriegel meines Sitznachbarn zwar dankend ab, konnte aber nicht verhindern, daß er mich detailliert über meine Pläne in Prag ausfragte und mich mit Informationen über die Stadt versorgte, während ich mich krampfhaft an meiner Zeitung festhielt, immer wieder einen verzweifelten Blick hineinwarf und zum ersten Mal wirklich nachempfinden konnte, wie es Daniel oftmals beim
Zeitunglesen ergeht.
Vom Prager Flughafen aus ging es mit dem Minibus-Shuttleservice direkt zum Hotel, was mir gleich einen ersten Eindruck von Prag vermittelte. Wohlwollend nahm ich das leise Tuscheln der anderen Mitreisenden beim Anblick meines schönen
5-Sterne-Hotels zur Kenntnis. Bloß nicht anmerken lassen, daß ich nicht regelmäßig in solchen Edelschuppen absteige.
In unserem Zimmer angekommen, verbrachte ich dann selber erst einmal ca. eine Stunde mit Staunen, Schränke aufreißen, Auf-das-herrlich-breite-Bett fallenlassen, Badutensilien auspacken und was man sonst eben so alles macht, wenn man das allererste Mal in einer
Juniorsuite nächtigen darf.
Unser Zimmer und die ganze Einrichtung waren zwar nicht so pompös wie im
Ritz in Berlin, aber wesentlich stilvoller und mit deutlich mehr Flair: Hohe Decken, edler Parkettboden, große Flügeltüren, ein herrlich weiches Kingsizebed, große Fenster mit einem Vorhang wie in einem kleinen Theater, dazu ein elegantes Marmorbad und ein kleines Ankleidezimmer mit einem großen Spiegel und mehreren beleuchteten Kleiderschränken.
Irgendwann trudelte schließlich auch Daniel ein. Den Abend verbrachten wir bei einem feinen Vier-Gänge-Menü im Prager Gemeindehaus
Obecní dum, dem Repräsentationsgebäude der Stadt, einem wunderschönen Jugendstilbau mit einem
Restaurant, einem Kaffeehaus, einer Kneipe und mehreren Sälen.
In diesem Zusammenhang noch eine kleine Anmerkung zur tschechischen Sprache bzw. den Ausspracheregeln. Grundsätzlich bin ich ja der Meinung, daß man in einem fremden Land wenigstens ein paar Worte in der Landessprache parat haben sollte, weshalb ich mir auch in unserem empfehlenswerten
Prag-Reiseführer das Kapitel 'Kleine Sprachschule' aufmerksam durchgelesen hatte. Leider kam ich zu dem Ergebnis, daß ich, obwohl ansonsten sprachlich nicht völlig untalentiert, der tschechischen Sprache nicht gewachsen bin und mir die Namen der ganzen Sehenswürdigkeiten in der Stadt einfach nicht merken konnte. Da es Daniel ähnlich ging, beschränkte sich unsere Unterhaltung meist auf ein schlichtes: "Wir gehen jetzt zum namestidingens und schauen uns dort das Obetskisonstwas an." In meiner Reisebeschreibung spare ich mir daher die komplizierten Sonderzeichen und nenne jeweils nur die deutsche Bezeichnung der gesehenen Sehenswürdigkeiten.
Bei meinem Studium der Sprachregeln habe ich allerdings festgestellt, daß ich mit den tschechischen Sonderzeichen ganze zwei Buchstaben in meinem Namen einsparen könnte, indem ich das sch einfach durch das passende S-Zeichen ersetze. Leider gibt das aber meine Computertastatur nicht her und der Browser könnte es wahrscheinlich auch nicht richtig anzeigen, also lassen wir das.
Das einzige tschechische Wort, das ich in den sechs Tagen gelernt und behalten habe, war übrigens Výstup, was auf deutsch 'Ausgang' heißt. Mal sehen, ob mir diese Information mal irgendwann nützlich sein wird.
Labels: Prag, Reise
// gebloggt von Dagmar @
23:09 |